Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

WITTENBACH: Abschied vom Postauto tut weh

Die Postautolinie 203 soll ab Dezember 2018 durch die Linie 3 der Verkehrsbetriebe St.Gallen ersetzt werden. Der Wechsel vom Postauto zum Stadtbus ist für viele Einwohner ein emotionales Thema.
Perrine Woodtli
Bald Vergangenheit: Ein Postauto der Linie 203. (Bild: Coralie Wenger)

Bald Vergangenheit: Ein Postauto der Linie 203. (Bild: Coralie Wenger)

Perrine Woodtli

perrine.woodtli@tagblatt.ch

Der öffentliche Verkehr beschäftigt die Wittenbacher. Über 100 Einwohner nahmen am Montagabend am FDP-Netzwerk teil. Die Partei hatte zu einem Infoanlass zum geplanten Wechsel von Postauto zu VBSG ab Dezember 2018 eingeladen. Da vieles noch unklar zu diesem Linienabtausch sei, sollte der Abend Licht ins Dunkle bringen. Eingeladen wurden Markus Schait und Florian Jud vom Amt für öffentlichen Verkehr, Gemeindepräsident Fredi Widmer, VBSG-Leiter Ralf Eigenmann sowie Walter Schwizer, Leiter Postauto Ostschweiz. Tagblatt-Redaktorin Corinne Allenspach moderierte den Abend.

Für die Wittenbacher ändert sich ab dem Fahrplanwechsel 2018 folgendes: Die Postautolinie 203 wird in die Linie 3 der VBSG integriert. Diese Linie soll dann neu als Durchmesserlinie betrieben werden. Konkret bedeutet das, dass der Bus von Wittenbach über St.Gallen bis zum Säntis­park in Abtwil fährt. So wolle man die städtischen und regionalen Busnetze entflechten, sagte Markus Schait. Durchmesserlinien können zudem nur von einem Transportunternehmen betrieben werden. In Mörschwil wird das Postauto den Stadtbus ersetzen. Mit der Linie 3 zählt Wittenbach dann zwar zum städtischen Nahverkehr, aber weiterhin zur Zusatzzone 211.

Keine Mehrkosten für die Gemeinde

Mit dem neuen Kurs verlängert sich die Fahrzeit zum Bahnhof St.Gallen um zwei Minuten. Dies, weil der Stadtbus anders als das Postauto alle Haltestellen – und somit fünf mehr – in der Stadt bedient. Dass sich die Fahrzeit nur um zwei Minuten verlängern soll, bezweifelten viele Wittenbacher. Walter Schwizer betonte jedoch, dass dies zutrifft. «Wir waren selber überrascht.» Ralf Eigenmann begründete dies damit, dass das Postauto bereits jetzt die am stärksten frequentierten Haltestellen anfährt. Eine weitere Änderung betrifft den Abschnitt St.Gallen Bahnhof–Heiligkreuz. Eine Analyse zeigte, dass dieser Korridor 14 Kurse pro Stunde aufweist. Dieses Überangebot wolle man laut Schait beheben, indem auf zehn Kurse reduziert werde. Das Angebot bleibe gleich. Ab 2021 sollen auf der Linie 3 zudem Trolleybusse eingesetzt werden.

Ein Thema war die öV-Finanzierung. Diese wird zu einem Viertel an der Anzahl Einwohner und zu drei Vierteln an der Anzahl Abfahrten in der Gemeinde berechnet. Die Linie 3 wird Wittenbach rund 1 Mio. Franken kosten. Obwohl man mit mehr Abfahrten rechne, würden keine Mehrkosten entstehen, sagte Florian Jud. Heute übernimmt Wittenbach bei der Linie 203 einen Teil der Haltestellen in der Stadt. Dies, weil die Stadt diese Abfahrten wegen der Er­schlies­sung gar nicht benötigt. Mit der neuen Linie 3 fallen diese Vereinbarung und somit auch die Kosten weg.

Auf die Frage von Moderatorin Corinne Allenspach, ob es ihm schwergefallen sei, die Linie 203 abzugeben, antwortete Walter Schwizer: «Natürlich finde ich es schade. Es hat schon weh getan.» Es sei aber die richtige Lösung. Eigenmann betonte, dass die VBSG sich «bemühen werden, die Situation nicht ganz so schmerzhaft für die Wittenbacher zu machen». Gemeindepräsident Fredi Widmer hätte am liebsten die gelben Busse. «Ich verstehe aber die Gründe und denke, dass wir eine akzeptable Lösung haben.» Schwizer betonte: «Ob VBSG oder Postauto, spielt keine Rolle. Vorne sitzt ein Mensch, der sein Bestes gibt.»

Anschliessend äusserten sich die Bürger. Eine Sorge war, dass sich der Bus nach Wittenbach jeweils verspäte, weil er von Abtwil komme. Eigenmann entgegnete, dass die VBSG Ersatzbusse einsetzen könnten. Die Frage, ob der Linienabtausch der erste Schritt zur Eingemeindung sei, liess manche schmunzeln. Widmer sagte, dass es sich bloss um eine Kooperation handle. Ein Bürger wies Eigenmann daraufhin, dass Postauto die Latte hoch gesetzt habe. «Ich werde das Postauto vermissen. Es hat Feriencharakter und ich mag das Gelb», sagte ein anderer. Ein Trost bleibt den Wittenbachern: Die Linie 200 von Arbon über Wittenbach nach St.Gallen bleibt unverändert. Auch die Haltestelle Bächi kam zur Sprache. Der Gemeinderat will diese laut Widmer aufheben. Aus Kostengründen und weil in diesem Gebiet mehrere Haltestellen kurz aufeinander folgen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.