Wissenschaftler diskutieren über St.Galler Künstler-Mönch

ST.GALLEN. Der Mönch Tuotilo (um 850 bis 915) prägte als Dichter, Kunsthandwerker, Musiker und Komponist die kulturelle Blütezeit des Klosters St.Gallen im frühen Mittelalter. Seine Person und sein Wirken sind jetzt Thema einer wissenschaftlichen Tagung in St.Gallen.

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Der Mönch Tuotilo zeichnete sich auch als ausgezeichneter Elfenbeinschnitzer aus. (Bild: WolfD59/wikimedia)

Der Mönch Tuotilo zeichnete sich auch als ausgezeichneter Elfenbeinschnitzer aus. (Bild: WolfD59/wikimedia)

Historikerinnen und Historiker aus der Schweiz, Deutschland, Italien, Grossbritannien, Irland, Schweden und den USA treffen sich von Mittwoch bis Samstag im Stiftsbezirk. Organisiert wird die Tagung von der Stiftsbibliothek St.Gallen und dem Lehrstuhl für mittelalterliche Kunstgeschichte der Universität Zürich.

Tuotilo sei der früheste namentlich bekannte Künstler aus dem Gebiet der heutigen Schweiz, heisst es in einer Mitteilung der Stiftsbibliothek. Seine Bekanntheit verdankt Tuotilo nicht zuletzt den St.Galler Klostergeschichten des Chronisten Ekkehart IV.

Dort wird Tuotilo zusammen mit Notker Balbulus und Ratpert beschrieben als eine herausragende Gestalt des Goldenen Zeitalters des Klosters. Als Goldschmied, Elfenbeinschnitzer, Dichter, Komponist und virtuoser Spieler von Saiten- und Blasinstrumenten wirkte er innerhalb und ausserhalb des Klosters.

Kunstvoll geschnitztes Elfenbein
Die Charakterisierung Tuotilos durch Ekkehart IV. gehöre zu den schönsten Stellen in der Klosterchronik, heisst es im Communiqué. Das einzige überlieferte Werk, das Tuotilo neben einigen Dichtungen und Kompositionen zugeschrieben werden kann, ist das um 895 entstandene «Evangelium Longum».

Tutilo schuf den mit kunstvollen Schnitzereien aus Elfenbein verzierten Einband zum Evangelienbuch für die Messe. Die Elfenbeintafeln zeigen unter anderem die älteste erhaltene Darstellung des Mönchs Gallus mit dem Bären, dem heutigen Wappentier der Stadt St.Gallen.

Dieses Werk hatte für das Galluskloster während Jahrhunderten eine grosse symbolische Bedeutung, wie die Stiftsbibliothek schreibt. Es sei bis heute «eines der eindrücklichsten Zeugnisse für die grosse Geschichte St.Gallens» geblieben. (sda)