Wissen, wie Bussarde ticken

MÖRSCHWIL. Warum greifen Mäusebussarde Jogger an? Eine Frage, die Christian Zangl besonders interessiert. Er wurde selber attackiert. Um andere davor zu bewahren, gibt er jetzt Tips auf seiner Laufseite.

Corinne Allenspach
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Bis hierher und nicht weiter: Seit Christian Zangl von einem Bussard attackiert wurde, meidet er beim Laufen das Brutrevier ums Schloss Watt. (Bild: Corinne Allenspach)

Bis hierher und nicht weiter: Seit Christian Zangl von einem Bussard attackiert wurde, meidet er beim Laufen das Brutrevier ums Schloss Watt. (Bild: Corinne Allenspach)

Mörschwil. Der Schreck sitzt immer noch tief. Christian Zangl ist nur wenige Meter von seinem Haus entfernt am Laufen, als ihn der Mäusebussard attackiert. Gut ein Dutzend Mal fliegt der Vogel ihn an, verletzt ihn zum Glück nicht. Zangl ist überzeugt: «Allein wäre ich nicht mehr weggekommen.» Umso dankbarer ist er, als Markus Boschung, Vogelexperte und Betreuer der Pflegestation Schloss Watt, mit dem Auto naht und ihn «rettet».

Verständnis für die Attacke

Das war vor einem Jahr. Heute läuft Christian Zangl immer noch viermal in der Woche, aber er ist vorsichtiger geworden. Meidet im Frühsommer das Gebiet rund ums Schloss Watt, schaut öfter an den Himmel und läuft auch mal mit Hut. Trotzdem ist er von den Mäusebussarden, die er häufig von seinem Sitzplatz aus beim Fliegen beobachtet, fasziniert. «Ich verstehe jetzt, warum der Vogel mich angegriffen hat», sagt der Primarlehrer und zweifache Vater. Sobald die Jungvögel anfangen, ihr Nest zu verlassen, muss der erwachsene Bussard seine Sprösslinge vor Feinden beschützen. Das geschieht meist zwischen Mai und Juli. Wenn sich in dieser Zeit ein schnell bewegender Mensch dem Nest nähert, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass der Mutterinstinkt überwiegt und der Bussard angreift. Um andere Jogger und Läufer vor einer Attacke zu bewahren, hat Christian Zangl vor kurzem mit Markus Boschung ein Interview geführt und dieses auf seiner Homepage www.lauftipps.ch veröffentlicht (siehe Kasten).

Gleicher Bussard wie 2010

Vergangenes Jahr waren es in Mörschwil gleich mehrere Jogger, die vom Bussard angegriffen wurden. Markus Boschung, der daraufhin entsprechende Warntafeln gestaltete, vermutet, dass der Vogel sein Brutgeschäft auf dem Grundstück Fischbacher verrichtet. Dieses Jahr wurde bei der Gemeinde bisher ein Angriff gemeldet. Boschung geht davon aus, dass es sich um den gleichen Vogel handelt wie 2010. «Bussarde brüten in der Regel einige Jahre am gleichen Ort.»