Wirtschaft kritisiert «Null-Vision»

Auch «Wirtschaft Region St. Gallen» (WISG) ist absolut nicht einverstanden damit, wie der Stadtrat die Frage der Marktplatz-Neugestaltung jetzt angehen will.

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Das Ja des Stadtrates zur SP-Initiative «Für einen autofreien Marktplatz» enttäuscht den regionalen Wirtschaftsverband. Dies, weil die Stadtregierung eine «Null-Vision» präsentiert habe. Von Neugestaltung und Aufwertung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt könne damit nicht mehr die Rede sein. Und auch die vorgeschlagene «Notlösung» für den Parkplatz-Ersatz im ausgebauten Parkhaus UG24 am Unteren Graben sei unrealistisch, kritisiert WISG in einer Mitteilung. Der Verband kündigt an, bei dieser Ausgangslage die Vorlage ans Stadtparlament «mit allen Mitteln bekämpfen» zu wollen. Zusammen mit den anderen städtischen Wirtschaftsorganisationen.

Von eigenem Ziel verabschiedet?

In ihrer Mitteilung geht die WISG mit dem Stadtrat scharf ins Gericht: Nach dem Scheitern der Marktplatz-Vorlage im Mai 2011 und der anschliessenden Vox-Umfrage scheine sich die Stadtregierung von ihren eigenen Zielen und Visionen für den zentralen öffentlichen Raum in der mittleren Altstadt «verabschiedet» zu haben. Aus Sicht der WISG bleibt nämlich gemäss stadträtlichem Vorschlag fürs weitere Vorgehen bis auf die Streichung der Parkplätze kaum etwas von der ursprünglichen Vorlage übrig.

Neue Visitenkarte werden

Der Wirtschaftsverband sieht keinen Grund, dieser «Null-Vision» zuzustimmen. Er fordert Stadtrat und Stadtparlament auf, ihre «politische Führungsfunktion wahrzunehmen und einen sinnvollen Gegenvorschlag zur Initiative vorzulegen». Der Marktplatz müsse sich zu einer «Visitenkarte» der Stadt entwickeln und nicht das pure Gegenteil werden.

Zu einem sinnvollen Gegenvorschlag gehören für die WISG sowohl eine Lösung für die Stände des permanenten Marktes wie der Ersatz der aufgehobenen Parkplätze. Letzteres will die WISG in einer neuen Parkgarage unter dem Haus Union am Schibenertor tun. Das vorliegende, «im Vergleich zur gescheiterten Marktplatz-Vorlage 2011 redimensionierte» Projekt sei reif für die Baubewilligung. Dies ganz im Gegensatz «zur <neuen>, stadträtlichen Lösung am Unteren Graben».

Ohne Geld aus der Stadtkasse

Vier städtische Investoren seien bereit, die neue Parkgarage auch ohne finanzielle Beteiligung der Stadt zu erstellen. Und: Die Lösung unter dem Haus Union werde verkehrstechnisch auch von externen Fachplanern empfohlen. Sie könne rasch realisiert werden. Der Stadtrat müsse «lediglich» die Konzession und anschliessend die Baubewilligung dafür erteilen. Und genau das, so hält der Wirtschaftsverband in seiner Mitteilung fest, «erwartet die WISG» jetzt. (pd/vre)