Wirte der Region wären erfreut

REGION. Im Kanton St. Gallen soll es ab Herbst dieses Jahres wieder bediente Fumoirs geben – seit 2009 waren diese verboten. Bei den Gastwirten der Region Rorschach ist man froh über diese Bestrebungen. Noch droht allerdings ein Referendum.

Fabian Fischer
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Für Eugen Blust ist es höchste Zeit, dass der Kanton seine Raucher-Politik überdenkt. «Es ist doch absurd, wenn das Servicepersonal zwar ins Fumoir kann, um dort zu putzen und abzuräumen – aber den Gästen dabei keine Getränke mitbringen darf», sagt der Wirt des «Steinacher Stübli».

Lasche Handhabe im Thurgau

Etwas macht ihm jedoch noch mehr zu schaffen als die kaum praktikable Fumoir-Regelung: Denn wer von Steinach aus die Hauptstrasse entlangfährt, egal in welche Richtung, landet nach wenigen hundert Metern auf Thurgauer Boden – und bekommt dort nicht nur sein Bier direkt ins Fumoir serviert, sondern kann auch gleich in einer Raucherbeiz einkehren. Der Kanton Thurgau geht nämlich, im Gegensatz zu St. Gallen, nicht über die Vorschriften des Bundes hinaus und erlaubt so, nebst bedienten Fumoirs, auch Raucher-Lokale mit bis zu 80 Quadratmetern Fläche.

«Eine Ungerechtigkeit», stellt Blust fest, denn viele Kunden nähmen den kurzen Weg über die Kantonsgrenze gerne in Kauf, wenn sie dafür nachher ihre Zigarette geniessen könnten. «Wir hätten wohl schliessen müssen, hätten wir das Fumoir nicht gebaut», sagt er. Doch auch die Situation mit dem nicht bedienten Fumoir sei unbefriedigend, weil zu umständlich und kompliziert. Für ihn wären bediente Raucherräume eine Lösung, mit der alle gut leben könnten – auch die Nichtraucher.

Rauchen im Hinterzimmer

Für Marlies Bühler, Pächterin in der «Habsburg» in Rorschach, geht die geplante Gesetzesänderung jedoch noch nicht weit genug: «Natürlich ist jede Lockerung gut für uns, aber noch schöner wäre es, wenn wir wieder im Restaurant selbst rauchen könnten», sagt sie. Nachdem die verschärften Raucher-Gesetze 2009 vom Volk angenommen worden waren, funktionierte Bühler ein vorher privat genutztes Hinterzimmer der «Habsburg» zu einem Fumoir um.

Seither spielt sich das Leben in der Beiz hauptsächlich in dem kleinen und verhältnismässig schlecht gelüfteten Raum ab, während das eigentliche Restaurant meistens leer bleibt. «Sogar die Gäste, die nicht rauchen, kommen nach hinten ins Fumoir, um in Gesellschaft zu sein», sagt Bühler. Die Luftqualität sei durch die Enge des Raumes viel schlechter, als wenn man einfach im grossen Saal rauchen würde. Hinzu kämen natürlich Platzprobleme. Doch: «Oftmals haben die Beizen gar keine Möglichkeit, ein grosses Fumoir einzurichten», so Bühler, sei es aus Kostengründen oder weil ein Anbau technisch gar nicht möglich sei.

Bald mehr Fumoirs?

Sollte der Service in Raucherräumen tatsächlich erlaubt werden, könnten sich zweifellos auch Wirte, die bisher von den rigiden Vorschriften abgeschreckt wurden, die Nutzung eines Fumoirs vorstellen. So auch Hanspeter Renshofer, der den Schnellimbiss Hamster in Thal führt: «Wir haben bereits eine Bewilligung für ein Fumoir, nämlich in der Rumbar gleich neben dem Restaurant. Allerdings könnten dort ja mit der jetzigen Regelung keine Getränke ausgeschenkt werden, würden wir das Rauchen erlauben. Was wäre das für eine Bar, in der man rauchen, aber nichts trinken kann?» Deshalb habe man die Bewilligung bis jetzt nicht genutzt.

In der Seeregion würden um die 30 Betriebe mit bestehender Fumoir-Bewilligung von der Änderung profitieren – allein 20 davon in der Stadt Rorschach. Dazu kämen wohl zahlreiche Lokale, die aufgrund der Neuregelung ein Fumoir einrichten würden.