Wird gut, was lange gärt?

Über Biogasanlagen wird seit einiger Zeit an vielen Orten diskutiert. Auch im Abwasserverband Morgental. Jetzt liegt ein Projektvorschlag des Elektrizitätswerks des Kantons Thurgau vor. Noch aber kein definitiver Entscheid.

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Andreas Löpfe plant eine Biogasanlage. Die Abwärme des Motors könnte er für den Poulet-Maststall direkt nebenan nutzen. (Bild: Ralf Rüthemann)

Andreas Löpfe plant eine Biogasanlage. Die Abwärme des Motors könnte er für den Poulet-Maststall direkt nebenan nutzen. (Bild: Ralf Rüthemann)

STEINACH/ARBON. Der Abwasserverband Morgental in Steinach ist nicht der einzige, der sich mit Fragen rund um eine Biogasanlage beschäftigt. Seit mehr als sechs Jahren plant Ruedi Daepp aus Arbon zusammen mit der Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau AG (EKT) eine Biogasanlage. Die Baubewilligung dafür ist bereits erteilt worden, doch die Anlage befindet sich noch nicht im Bau. Mit Blick auf das Projekt auf dem Grundstück der ARA Morgental sagt Ruedi Daepp: «Es wäre sinnlos, entstünden in nächster Nähe zwei Biogasanlagen. Deshalb schauen wir jetzt, ob sich auf der ARA Morgental etwas ergibt, wo wir uns anschliessen könnten.»

Offene Fragen

Noch nicht so lange wie Ruedi Daepp, nämlich erst seit Frühjahr 2011, beschäftigt sich der Abwasserverband mit der möglichen Realisierung einer Biogasanlage. Für Geschäftsführer Roland Boller wäre dies eine ideale Ergänzung des Energieparks. Nun liegt ein Projektvorschlag der EKT vor. Bevor aber entschieden werden könne, müssten noch einige wichtige Aspekte geklärt werden, heisst es in einer Mitteilung des Abwasserverbandes. So müssten die beiden Kompostierunternehmen von Ruedi Daepp und Karl Hutter, Steinach, in die Planung integriert werden. Denn: «Neu käme nach dem Einsammeln des Grüngutes zuerst die energetische Nutzung in der Biogasanlage und erst dann die Kompostierung», heisst es in der Mitteilung des Abwasserverbandes. Dann müsste geklärt werden, wie gross der Umfang der Grüngutmengen sei, der aus der Abfallregion und den beteiligten Gemeinden geliefert wird. Für Ruedi Daepp sollte die Beschaffung von genügend Material keine Schwierigkeiten bereiten. Zudem müssten die Standortkonditionen überprüft werden. Und schliesslich geht es noch um die Vereinbarung mit dem Wärmeverbundbetreiber EBM, welche die direkte Einspeisung der Abwärme zu einem kostendeckenden Preis zum Inhalt haben sollte.

Die Betriebskommission des Abwasserverbandes hat mit der EKT AG vereinbart, dass diese Fragen mit den Beteiligten bis Ende Jahr geklärt werden sollen. Dann könne entschieden werden, «ob die Bedingungen für den kostendeckenden Betrieb der Biogasanlage am Standort ARA Morgental erfüllt sind», schreibt der Abwasserverband. Die Projektplanung liege später in der Hand des Investors, sagt Roland Boller und ergänzt: «Wir sind dann nur noch als Grundeigentümer involviert.» Bei der geplanten Biogasanlage handelt es sich um eine Anlage mit Trocken-Vergärung.

Zu viel Umstände

Der Landwirt Andreas Löpfe aus Freidorf plant ebenfalls eine Biogasanlage. Dort, wo die Anlage gebaut werden soll, spaltet sich sein Grundstück in die Kantone Thurgau und St. Gallen. «Mein Baugesuch wird von beiden Kantonen geprüft. Ich finde, diese zusätzlichen Umstände müsste man sich eigentlich sparen können», sagt Löpfe, «zumal die Kantone ja solche landwirtschaftlichen Biogasanlagen fördern.» Seine Biogasanlage würde einen fünffachen Nutzen aufweisen: «Nebst der Stromerzeugung könnte ich die Abwärme für meinen Poulet-Maststall nutzen. Zudem verwertet die Anlage biologischen Abfall, der sonst nur herumliegen würde.» Weiter verliere das vergärte Material Schadstoffe, wodurch ein besserer Dünger entstehe.

Die Auflagefrist von Löpfes Baugesuch ist abgelaufen. «Nebst den langwierigen Prüfungen durch die amtlichen Stellen müssen nun noch Einsprachen behandelt werden.» (rar/mb.)