«Wir wussten nichts von der Schliessung»

OBERRIET. Die Melander-Fischfarm in Oberriet hat am Donnerstag angeblich ihre Tore unwiderruflich geschlossen. Der deutsche Unternehmer Hans Raab werde die Schweiz für immer verlassen, heisst es in einer Mitteilung. Die Behörden sind überrascht.

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Hans Raab schliesst seine Fischfarm in Oberriet. (Bild: Hannes Thalmann / Archiv)

Hans Raab schliesst seine Fischfarm in Oberriet. (Bild: Hannes Thalmann / Archiv)

Neuerliche «absurde Auflagen und Schikanen» seien den Grund für diesen Schritt. So sei Hans Raab die Qualifikation zur Haltung von Wildtieren abgesprochen und von ihm die Einstellung eines Fischzuchtmeisters und eines Tierschutzbeauftragten verlangt worden.

Markus Seiler, stellvertretender St.Galler Kantonstierarzt, bestätigte, dass die Qualifikation von Hans Raab als Fischzüchter von Seiten des Veterinärdienstes in Frage gestellt worden sei. Man sei Hans Raab aber entgegengekommen, indem ihm eine bis Ende Juni befristete Tierhaltebewilligung erteilt worden sei.

Für Seiler kam die Schliessung der Fischfarm überraschend. «Wir wussten nichts davon», sagt er auf Anfrage von Tagblatt Online. «Wir wollten eine Zustandsüberprüfung machen und standen nichtsahnend vor verschlossenen Türen.» Die Schliessung kommt für Seiler auch insofern unerwartet, als «grosse Bestrebungen» liefen, eine legale Tötungsweise zu erreichen.

Hans Raab kam wegen seiner Melander-Tötungsmethode in Konflikt mit den St.Galler Behörden. Er betäubt die Welse in einer Scherbeneistrommel, was der Schweizerischen Tierschutzverordnung widerspricht.

Melander geschlachtet
In den vergangenen Tagen sind in Oberriet gemäss Mitteilung 100'000 Melander-Welse geschlachtet und filetiert worden. 28 Tonnen Fischfleisch seien sofort nach Deutschland ausgeführt worden und werden dort vermarktet. Nach dem Willen von Hans Raab sollen Schweizer Verbraucher kein einziges Filet seines Melander erhalten. Wie die Welse getötet wurden, weiss Seiler nicht. «Wir gehen aber davon aus, dass die Melander mittels zugelassener Methode, also durch Genickbruch, getötet wurden.»

Der deutsche Unternehmer hatte die Fischfarm im Frühsommer 2009 schon einmal geschlossen, nachdem ihm der Kanton St. Gallen die Tötungsmethode untersagt hatte. Raab liess an den St. Galler Behörden kein gutes Haar. Im Januar 2010 lud Raab dann die Medien ein, um über ein Projekt mit den afrikanischen Welsen und eine Klage zu informieren.

Am Tag vor dem Pressetermin erlitt der heute 70-jährige Raab einen Herzinfarkt. Wenig später wurde beim Vermittleramt in St. Gallen eine Klage über 104 Millionen Franken gegen den Kanton St.Gallen eingereicht; sie wurde wieder zurückgezogen. Im September 2010 gab Raab sein Comeback: Er nahm den Betrieb in Oberriet wieder auf. Er wollte mit Hilfe eines Wissenschaftlers seine umstrittene Tötungsmethode legitimieren lassen, allerdings vergeblich. Nun schliesst er seine Fischfarm gemäss Mitteilung «unwiderruflich». Die Anlage werde eingemottet.

Indoor-Fischfarm für 40 Millionen Franken
Der deutsche Putzmittel-Unternehmer (»HaRa») und Multimillionär Hans Raab hatte im Rheintal für gut 40 Millionen Franken auf einer Fläche von 38 Tennisplätzen eine Indoor-Fischfarm aus dem Boden stampfen lassen mit dem Ziel, pro Tag rund fünf Tonnen Melander-Erzeugnisse auf den Markt zu bringen - auch Fischwürste.

Hans Raab ist ein streitbarer Zeitgenosse. Er verlor zwei Verfahren wegen nicht bezahlter Löhne, zudem soll er einer auf Bohrtechnik spezialisierten Firma aus St. Gallen noch 700'000 Franken schulden. (sda/ybu)

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