«Wir wollen im Herbst den zweiten Sitz»

ST.GALLEN. Die St.Galler FDP habe das positive Resultat der Partei bei den Zürcher Kantonsratswahlen schon vorweggenommen – wenigstens ein Stück weit, sagt Präsident Marc Mächler. Er kündigt zudem eine eigene Liste der St.Galler Umweltliberalen an.

Richard Clavadetscher
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Marc Mächler, Präsident FDP Kanton St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Marc Mächler, Präsident FDP Kanton St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Herr Mächler, Renaissance der FDP in Zürich. Nun wird ein ähnliches Resultat bei den eidgenössischen Wahlen erwartet. Von Ihnen auch?

Marc Mächler: Eine Renaissance der FDP findet in der Tat statt – nicht nur im Kanton Zürich, zuvor auch im Luzernischen und im Baselbiet. Bei der FDP des Kantons St.Gallen ist diese Renaissance allerdings schon früher eingetreten: Wir konnten bereits bei den letzten kantonalen Wahlen leicht zulegen.

Was bedeutet dies für den Wahlherbst?

Mächler: Die Renaissance der FDP ist für uns hier im Kanton nicht neu. Der positive Trend der FDP gibt uns aber sicher gewisse Chancen im Hinblick auf den Herbst. Wir wollen sie nutzen und arbeiten daran mit Volldampf.

Die FDP sei klar rechts der Mitte positioniert, sagt Präsident Philipp Müller. In St.Gallen kommt da aber bald einmal die SVP.

Mächler: Es ist sicher richtig: Wir sind rechts der Mitte. Die SVP und wir haben Themen, wo wir übereinstimmen. Bei anderen sind sie jedoch deutlich konservativer als wir, die wir uns als liberal verstehen.

Die Leute scheinen heute wieder die Ökonomie der Ökologie vorzuziehen. Im Kanton haben sowohl die Grünen wie auch die Grünliberalen einen Sitz. Da wird es Ihnen an Motivation nicht fehlen.

Mächler: Wir sind sicher froh, dass die Ökonomie im politischen Diskurs an Bedeutung gewonnen hat. Wir haben sie schon immer als wichtig erachtet. Aufgrund der Frankenstärke ist unsere Wirtschaft gefordert. Mich freut, dass die Wähler die FDP gerade bei diesem Thema als glaubwürdig und kompetent einstufen.

Und zu den Nationalratssitzen der St.Galler Grünen und der Grünliberalen, wie sicher sind die? Was sagen Sie dazu?

Mächler: Es liegt nicht an mir, etwas dazu zu sagen. Meine Aufgabe ist es, für die FDP zu schauen und alles zu tun, um im Herbst das Ziel eines zweiten Sitzes auch zu erreichen.

Trotzdem: Sie wollen primär grünliberale Wähler anziehen. Die FDP hatte aber lange nichts am Hut mit ökologischen Themen. Das werden Sie nun ändern müssen.

Mächler: Es ist nicht zutreffend, dass wir mit grünen Themen nichts am Hut hatten. Ich erinnere Sie zudem auch an unsere «Tochter», die Umweltfreisinnigen, ehemals Umweltliberale Bewegung. Die sind schon seit je bei uns und werden übrigens auch mit einer eigenen Nationalratsliste antreten im Herbst.

Nach den letzten Wahlen ins eidgenössische Parlament haben Sie beklagt, die FDP sende lediglich einen Bauernvertreter nach Bern – und niemanden aus der Industrie. Das wollen Sie wohl ändern?

Mächler: Ja, das Ziel ist ja, einen zweiten Vertreter in den Nationalrat abordnen zu können. Es wäre zweifellos gut für uns, wenn der zweite Nationalrat einen weiteren Berufsstand abdeckte. Dies schon im Sinne der Ausgewogenheit innerhalb der Partei.

Ein weniger ambitiöser Weg wäre, den Bisherigen gegen einen Industrievertreter auszuwechseln. Walter Müller ist ja im Pensionsalter.

Mächler: Nein, wir wollen nicht den einfacheren Weg gehen, sondern wollen den zweiten Sitz. Wir wollen, dass Walter Müller wieder antritt – was er ja auch tut.

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