«Wir werden eigene Wege finden.»

ST.GALLEN. Seit gestern ist bekannt, warum die Ostschweiz auch im zweiten Anlauf nicht Teil einer Schweizer Denkfabrik wird. Das Expertenurteil von Mitte Mai ist deutlich: Das Projekt scheiterte unter anderem am Dossierbeschrieb.

Christoph Zweili
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Nicht Teil einer nationalen Denkfabrik: Im «Feld 3» neben der Empa entsteht ein Innovations- und Technologiezentrum, wo sich Start-ups und Forscher einmieten können. (Bild: Benjamin Manser)

Nicht Teil einer nationalen Denkfabrik: Im «Feld 3» neben der Empa entsteht ein Innovations- und Technologiezentrum, wo sich Start-ups und Forscher einmieten können. (Bild: Benjamin Manser)

Die ganze Schweiz eine Denkfabrik: Dass sich die Kantone einen harten Konkurrenzkampf um die Beteiligung am neusten Projekt der Forschungsförderung liefern würden, war absehbar. Und auch, dass nicht alle zum Zug kommen würden. Seit 5. Juni ist bekannt, dass der Bund die Kandidatur für einen Ostschweizer Innovationspark abgelehnt hat, der die «Produktionssysteme der Zukunft» erforschen wollte (Ausgaben vom 6./10. Juni). Und seit gestern weiss man auch, warum.

«Keine weiteren überzeugenden Argumente, Themengebiet zu breit und zu generisch abgehandelt, Dossier erfasst vorhandenes Potenzial nicht, fehlende Verknüpfung von Hochschule und Wirtschaft bezogen auf das Thema, offensichtlicher fehlender Einbezug der Empa bei der Erarbeitung des Dossiers»: Das Urteil der elf Experten zum Projekt «Netzwerkstandort Ost» liest sich vernichtend. Unter dem Strich, so das Fazit des Gremiums zuhanden des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation, haben die Kantone St. Gallen, beide Appenzell sowie das Fürstentum Liechtenstein die Hausaufgaben nicht gemacht. Das Dossier gleiche eher einem Wunschkatalog als einem Ansiedlungskonzept (siehe Kasten): «Der Unterschied zur Erstkandidatur ist nicht ersichtlich.»

Für den zu knappen Beschrieb, die zu plakativen Nennungen – «die Unternehmen selbst wären exzellent und von höchster Güte, aber der Beschrieb ist es nicht» – gab es die rote Karte.

Mit der Empa entwickelt

Der St.Galler Volkswirtschaftschef weist die Kritik zurück. «Einiges kann ich nachvollziehen, etwa, was Finanzierung oder Organisation angeht. Dass wir die Forschungseinrichtungen nicht eingebunden haben, stimmt schlicht nicht. Wir haben das Projekt mit der Empa in St. Gallen entwickelt, um diese Einrichtung zu stärken. Die Fachhochschulen waren ebenfalls dabei.»

Andere Projekte, wie etwa der Aargauer Netzwerk-Standort beim Paul-Scherrer-Institut, seien schon viel länger dran, «und haben einen anderen Reifegrad», sagt Würth. Und sie seien auch in der Wirtschaft breiter abgestützt als das Ostschweizer Projekt. «Wir hatten zwar zügig das Forschungs- und Innovationszentrum Rheintal in Buchs aufgebaut, haben bei diesem Projekt aber bei null begonnen.» Diese «fehlende Verbindung mit der Wirtschaft» hatten auch die Experten moniert. «Wir haben das im Hinblick auf die zweite Runde verbessert, aber offensichtlich nicht genügend», sagt Würth.

Positiv werten die Experten die Kriterien «Lage und Grösse des Areals», «Raumplanung», «Städtebauliches Konzept» sowie die «Verkehrs- und Erschliessungslage». Damit ist eine Ostschweizer Denkfabrik erst einmal vom Tisch. In der Ostschweiz ist es nicht gelungen, sich auf eine Kandidatur zu konzentrieren: Der Thurgau und Frauenfeld sind schon früh aus dem Bundesprojekt ausgestiegen – sie gehen mit «Agro Food Innovation» einen eigenen Weg.

Bliebe die von Bundesrat Schneider-Ammann aufgezeigte Hintertür, später aufgenommen zu werden. Regierungsrat Beni Würth winkt aber ab: «Da sind die Details noch nicht bekannt.»

Würth: «Eigene Wege finden»

Der Kanton St. Gallen müsse seine Innovationspolitik konsequent nach den Bedürfnissen der Unternehmen ausrichten, fordert Würth. Die Fachhochschulen erreichten beim Technologietransfer-Umsatz Spitzenwerte, das Gleiche gelte für den Drittmittelanteil an der Uni. Auch die Industrie selber habe eine hohe Innovationsrate: «Wir werden eigene Wege finden.»