«Wir werden dem nachgehen»

ST.GALLEN. Letzte Woche hat die Stadt das neue, erheblich reduzierte Inventar schützenswerter Bauten präsentiert. Heimatschutz und Hauseigentümerverband äussern vorsichtige Zustimmung, möchten sich aber mit der Stellungnahme Zeit lassen.

Odilia Hiller
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Neu im Inventar schützenswerter Bauten: Die im Jahr 1902 erbaute Lokremise, heute als Kulturstätte umgenutzt. (Bild: Urs Jaudas)

Neu im Inventar schützenswerter Bauten: Die im Jahr 1902 erbaute Lokremise, heute als Kulturstätte umgenutzt. (Bild: Urs Jaudas)

Öffentliche Empörung über die neue, «eingedampfte» Liste schützenswerter Bauten bleibt bisher aus. Nachdem die städtische Direktion Bau und Planung vor Wochenfrist das neuerstellte, auf 526 Objekte geschrumpfte Inventar zur allgemeinen Diskussion gestellt hat, ist es bei der Verwaltung eher ruhig geblieben.

Fragen zum Inventarblatt

«Wir haben zwar Anrufe zum Thema erhalten. Darunter waren aber keine negativen Reaktionen», sagt Baujurist Dominik Scheiwiller.

Die meisten Anfragen kämen von Hauseigentümern, die Fragen oder Ergänzungen zum Inventarblatt der Stadt hätten, das zu jedem Schutzobjekt existiert.

Was aber nicht heisse, dass Beschwerden oder Einwände gegen die neue Kategorisierung mancher Bauten nicht noch auf schriftlichem Weg beanstandet werden könnten. Eine Woche nach Bekanntgabe sei es noch etwas früh, die eingegangenen Reaktionen zu beurteilen, sagt Scheiwiller.

Die Vernehmlassung, in der alle Interessierten eingeladen sind, Stellung zu nehmen, läuft noch bis Ende November.

Alt und Neu vergleichen

Der Heimatschutz St. Gallen/Appenzell Innerrhoden möchte die Beurteilung der neuen Liste besonnen angehen. «Wir haben registriert, dass auf der neuen Liste sehr vieles weggestrichen wurde. Dem werden wir nachgehen», sagt Präsident Andreas Jung.

Selbstverständlich werde der Heimatschutz das alte und das neue Inventar genau miteinander vergleichen. Etwa Mitte November werde man dann Stellung nehmen und wo nötig Nachbesserungen oder Änderungen einfordern.

Dass die Kategorie «erhaltenswerte Bauten» mit mehreren hundert Objekten abgeschafft wurde und künftig nur noch mit der Kategorie «schützenswert» gearbeitet wird, vermag den obersten Heimatschützer des Kantons ebenfalls nicht zu erschüttern: «Die Kategorie fällt momentan überall raus, nicht nur in St.

Gallen.» Da der Begriff eine «Zwischenkategorie» beschreibe, die juristisch keinerlei Bedeutung habe, sei dessen Aufhebung schlicht ein Fakt, das zu akzeptieren sei.

«Offen, kritisch, konstruktiv»

Letzteres sieht der Präsident des Hauseigentümerverbandes (HEV) der Stadt St. Gallen naturgemäss ähnlich. «Wir nehmen mit Befriedigung zur Kenntnis, dass die Anzahl schützenswerter Bauten nochmals leicht eingeschränkt wurde», sagt Christoph Solenthaler weiter.

Der HEV werde «dankbar von der Möglichkeit Gebrauch machen», zum neuen Inventar Stellung zu nehmen. Man habe vor, trotz Abstimmungsniederlage weiterhin «offen, kritisch, aber auch konstruktiv» an der Diskussion teilzunehmen und sich für die Interessen der Hauseigentümer einzusetzen. Weiterhin werde der Verband sich dafür interessieren, was die Eigentümer als schützenswert klassierter Bauten konkret erwarte.

Der HEV hatte sich im Vorfeld der betreffenden Abstimmung im Herbst 2009 für die Abschaffung des Inventars zugunsten einer rechtsverbindlichen Schutzverordnung eingesetzt.