«Wir waren immer skeptisch»

ST.GALLEN. Die Betriebs-AG der AFG Arena ist nicht rentabel genug. Nun soll die öffentliche Hand mithelfen, die Finanzen ins Lot zu bringen. Die Fraktionen des Stadtparlaments sind von der Idee nicht begeistert und lehnen sie im Prinzip ab.

Fredi Kurth
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Mehr Licht ins Dunkel der AFG Arena: Das verlangen Exponenten der Stadtparteien. (Bild: Urs Jaudas)

Mehr Licht ins Dunkel der AFG Arena: Das verlangen Exponenten der Stadtparteien. (Bild: Urs Jaudas)

Der FC St.Gallen will mit neuen Strukturen, wieder einmal, seine Finanzprobleme lösen und plant hiefür, Stadt und Kanton ins Boot zu nehmen: Genau genommen in die AFG Arena. Denn diese wirft nicht jenen Gewinn ab, welcher der Betriebs-AG ermöglichte, allen Verbindlichkeiten nachzukommen. Kann sich aber die Stadt einen solchen Beistand, finanziert durch Steuergelder, leisten?

In unserer Umfrage bei Exponenten des Stadtparlaments waren sich alle einig, dass im Grundsatz eine solche Unterstützung nicht oder kaum in Frage komme. Einige schoben aber gleich nach, dass der Verein nicht seinem Schicksal überlassen werden könne. Eine harte Linie gegenüber Forderungen des FC St.Gallen verlangte zuletzt die SVP. Nach der jüngsten Entwicklung verspricht sie nun eine klare Position, wenn das Konzept bekannt ist.

«Es interessiert uns auch, was es bringt und wie die Stadt kostenmässig involviert sein wird», sagt René Gugg, Präsident der Stadt-SVP.

Nicht erpicht auf Beistand

Die weitgehend ablehnende Haltung in den Fraktionen ist aber nicht unbedingt begleitet von blankem Entsetzen. Die meisten haben die Entwicklung geahnt oder waren «schon immer skeptisch». So auch der FDP-Fraktionspräsident Daniel Rietmann.

Er erinnert daran, dass sich die Stadt mit dem Kanton einst sehr stark für den Arena-Bau eingesetzt hat. So komme im Augenblick ein weiterer Beistand nicht in Frage, «zumal die jetzige Konstruktion des Vereins nicht sehr durchsichtig» sei. «Wir müssten zuerst einmal Transparenz haben, um entscheiden zu können.»

Nicht begeistert von der Entwicklung ist auch CVP-Fraktionspräsident Philip Schneider: «Zuerst muss abgeklärt werden, was für Forderungen kommen. Persönlich bin ich nicht scharf, eine erneute Unterstützung gutzuheissen.

» Zunächst müsste der FC St.Gallen seine Strukturen vereinfachen, und die Betriebs-AG schlanker werden, sagt Schneider. Mehrere Gesellschaften machten keinen Sinn. Ob sich dann, wenn die Massnahmen nicht greifen, die öffentliche Hand einschalten solle, sei dahingestellt.

Thomas Schwager konnte ein Lächeln nicht verkneifen, als er von den jüngsten Anstrengungen zur Sanierung des FC St.Gallen vernahm.

«Dabei hatte es doch immer geheissen, dass mit dem neuen Stadion alles gut käme», sagt der Fraktionspräsident der Grünen. Die Stadt habe für 14 Millionen Franken Land abgetreten, jetzt gebe es keinen Anlass, schon wieder einen Beitrag zu leisten. «Wenn sich das Stadtparlament über alle Parteien hinweg schon einmal einig war, dann in dieser Frage», sagt Schwager.

Doch er schwenkt auch ein wenig um, wenn er sagt: «Wir müssen jetzt schauen, was kommt, und die Situation neu beurteilen.»

«Der FC in unserem Interesse»

Bettina Surber, Co-Präsidentin der SP Stadt St. Gallen, erinnert sich, dass ihre Partei vor elf Jahren ebenfalls sehr skeptisch dem Projekt gegenübergestanden sei. Zur aktuellen Situation könne sie nur ihre persönliche Meinung wiedergeben. Sie betonte, dass es sich um eine Problem der Betriebs-AG handle.

Diese müsse zuerst genau prüfen, wie sie zurechtkomme. Wenn nicht, sollte der FC St.Gallen mit seinem grossen Einzugsgebiet «in unserem Interesse sein. Die Frage ist, ob nur die Stadt oder nicht auch der Kanton und die umliegenden Gemeinden etwas beitragen müssten.»

Die Stadt als Arena-Betreiberin?

Soll vielleicht die Stadt das Stadion gar in eigener Regie betreiben wie einst das inzwischen an den Kanton abgetretene Stadttheater? Daniel Rietmann (FDP)

hält eine solche Lösung für verfrüht, aber nicht ausgeschlossen: «Dann aber sagt die Stadt, was in der Arena läuft.» Philip Schneider (CVP) kann sich das nicht vorstellen: «Die Arena muss private Sache bleiben.» Bettina Surber (SP) schliesslich erschiene derlei nicht einmal so abwegig: «Für das Letzigrund in Zürich ist ja auch die Stadt zuständig.»

Ostschweiz 25

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