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«Wir übernehmen die Führung»

ST.GALLEN. Die Ostschweizer Fachhochschule steht vor der grössten Strukturbereinigung ihrer Geschichte. Der St.Galler Bildungschef Stefan Kölliker über den Fachkräftemangel, neue Studiengänge und die Schwierigkeiten mit Chur.
Andri Rostetter und Regula Weik
«Es herrscht Aufbruchstimmung»: Regierungsrat Stefan Kölliker (SVP). (Bild: Ralph Ribi)

«Es herrscht Aufbruchstimmung»: Regierungsrat Stefan Kölliker (SVP). (Bild: Ralph Ribi)

Herr Kölliker, der Kanton St.Gallen will bei der Fachhochschule Ostschweiz die Führung übernehmen. Die anderen Ostschweizer Kantone haben kaum mehr etwas zu sagen. Wird das goutiert?

Stefan Kölliker: Wir wollen weiterhin eine Ostschweizer Lösung. Die umliegenden Kantone sollen an der Fachhochschule Ostschweiz beteiligt sein. Das hat für alle Vorteile. Der Thurgau zum Beispiel ist dann nicht mehr nur an der FH St.Gallen beteiligt, sondern auch an den Schulen in Buchs und Rapperswil. Aber es stimmt: Der Kanton St.Gallen übernimmt die Hauptverantwortung – finanziell und operativ. Und der Kanton übernimmt sämtliche Immobilien an den drei Standorten.

Nicht alle Kantone haben Freude an dieser Lösung.

Kölliker: Wir haben sehr gute Signale. Unser Ziel ist klar: Es darf nicht teurer werden, es muss für alle günstiger werden. Das heisst für die Trägerkantone: weniger Kosten, weniger Risiko – aber eben auch weniger Mitwirkung. Sie haben aber immer noch wesentliche Mitsprachemöglichkeiten, zum Beispiel bei den Studienangeboten.

Zuletzt hat die Schwyzer Regierung angekündigt, aus der HSR Rapperswil aussteigen zu wollen.

Kölliker: Das Geschäft ist in Schwyz auf gutem Weg. Das Parlament hat den Regierungsentscheid zum Ausstieg nicht akzeptiert. Nun hat das Schwyzer Stimmvolk das letzte Wort.

Was ist mit Graubünden?

Kölliker: Die Bündner haben ein eigenes Fachhochschulgesetz gemacht, zudem hat die Bündner Regierung vor drei Jahren ihrem Parlament beantragt, aus der NTB Buchs auszutreten. Wir haben also nur Signale, dass sich Graubünden aus der Fachhochschule Ostschweiz verabschieden will.

Ist das ein Problem?

Kölliker: Wir suchen keineswegs den Alleingang. Aber wir sind gezwungen, etwas zu unternehmen. Das neue Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz ist seit Anfang Jahr in Kraft, das Ostschweizer Konstrukt funktioniert unter den neuen Bedingungen nicht mehr. Mit dieser Ausgangslage ist jedoch eine gemeinsame Akkreditierung mit Chur nicht zu erreichen.

Sie sind also gezwungen, ohne Chur zu planen.

Kölliker: Ja.

Was hat die Fachhochschule Chur, was St.Gallen nicht hat?

Kölliker: Die HTW Chur führt Studiengänge wie Tourismus, Architektur im alpinen Raum, Multimedia Production, welche wir nicht anbieten.

Aber ganz zerschnitten wird das Band zwischen Chur und St.Gallen nicht?

Kölliker: Nein, wir werden noch auf einzelnen Gebieten zusammenarbeiten. Zum Beispiel in der Architektur, die ab 2017 in St.Gallen angeboten wird – in Zusammenarbeit eben mit Chur.

Die anderen drei Standorte sind gesichert?

Kölliker: An den Standorten wird nicht gerüttelt. Die Fachhochschule Ostschweiz wird künftig aus den Hochschulen St.Gallen, Rapperswil und Buchs bestehen.

Unter gemeinsamer Leitung?

Kölliker: So ist der Plan.

Von den heute drei Rektoren in St.Gallen, Buchs und Rapperswil werden zwei überflüssig?

Kölliker: So kann man das nicht sagen. Es wird eine neue Struktur geben, das ist klar. Und es wird nicht mehr drei Rektoren gegeben wie heute. Ebenso klar ist: Die Schulen brauchen weiterhin eine Leitung vor Ort.

So etwas wie einen Departementschef?

Kölliker: Etwas in dieser Art. Darüber werden wir noch diskutieren müssen.

Werden auch andere Stellen gestrichen?

Kölliker: Gewisse Dinge werden wir nicht mehr an allen drei Standorten machen. Wenn an drei Schulen alles dreifach gemacht wird, gibt es rasch Doppelspurigkeiten.

Planen Sie weitere Studiengänge?

Kölliker: Die FHS St.Gallen plant beispielsweise den Ausbau des Studiengangs Wirtschaftsinformatik.

Die Palette der Studiengänge ist heute bereits breit. Ist eine weitere Ausweitung sinnvoll?

Kölliker: Bis jetzt hiess es in St.Gallen immer: Wir haben zu wenig Leute dafür, wir können das nicht anbieten. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Wir können den Fachkräftemangel nur bekämpfen, wenn wir die Fachleute auch ausbilden – hier in der Ostschweiz. Wenn wir das nicht tun, gehen sie nach Zürich und dann sind sie weg.

Dieses Umdenken ist mit Kosten verbunden.

Kölliker: Viele meinen, wenn man Unternehmen ansiedle, dann würden die Fachkräfte schon kommen. Das ist Wunschdenken. Die Unternehmen kommen erst, wenn in einer Region Fachkräfte vorhanden sind – nicht umgekehrt. Wir müssen bereit sein, dafür auch Geld in die Hand zu nehmen. Die Entwicklung neuer Studiengänge findet sowieso statt, ob wir sie anbieten oder nicht. Aber wenn wir sie nicht selber anbieten, profitieren wir auch nicht davon. Wir müssen mutiger und innovativer werden.

Und bewegt sich der Kanton in diese Richtung?

Kölliker: Auf jeden Fall. Es herrscht Aufbruchstimmung. Fachhochschule Ostschweiz Medical Master, Informatikoffensive – wir haben vieles angestossen. Sehen Sie, der Kanton St.Gallen hat eine massiv unterdurchschnittliche Steuerkraft. Wir liegen hier 200 Millionen Franken unter dem Durchschnitt der Kantone. Der Grund ist klar: Wir sind zu wenig innovativ, zu wenig dynamisch.

Bei der Organisation der Fachhochschulen hat die Ostschweiz Nachholbedarf. Andere haben die Strukturbereinigung längst hinter sich.

Kölliker: Das stimmt. Wir hinken teils zehn Jahre hintennach. Aber jetzt sind wir auf Kurs. Die Frage ist nun: Bringen wir das im Parlament durch.

Sie sind skeptisch?

Kölliker: Nein, ich bin sehr optimistisch. Der Kanton St.Gallen ist der Motor der Ostschweiz, wir müssen solche Dinge anstossen.

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