«Wir sind auf dem richtigen Weg»

Bis 2050 will die Stadt St. Gallen ihre Energieversorgung umbauen und auf erneuerbare Quellen setzen. Dieses Ziel soll und muss ohne die Geothermie erreicht werden. Zentral ist dabei nicht nur die Effizienz, sondern die Genügsamkeit.

David Gadze
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Die Solarenergie spielt eine wichtige Rolle im Energiekonzept 2050. Hier die grösste Solaranlage der Stadt auf den Dächern der Olma-Hallen. (Archivbild: Benjamin Manser)

Die Solarenergie spielt eine wichtige Rolle im Energiekonzept 2050. Hier die grösste Solaranlage der Stadt auf den Dächern der Olma-Hallen. (Archivbild: Benjamin Manser)

«Im Jahr 2050 verfügt die Stadt St. Gallen über eine umweltfreundliche und erneuerbare Energieversorgung.» Diese Vision formuliert die Stadt St. Gallen im Energiekonzept 2050. Am Mittagstreff des Naturmuseums diskutierte Harry Künzle, Leiter des Amtes für Umwelt und Energie der Stadt St. Gallen, gestern mit Museumsdirektor Toni Bürgin darüber, wie diese Vision realisiert werden kann.

Fernwärme weiter ausbauen

Im Zentrum des Gesprächs stand die Frage, welche Auswirkungen das Scheitern des Geothermieprojekts auf das städtische Energiekonzept und dessen Umsetzung hat. Es sei «kein GAU», versicherte Künzle. So genial die Geothermie auch gewesen wäre, letztlich handle es sich um eine von rund 150 Massnahmen, welche die Stadt auf dem Weg zur Energiewende definiert habe. Das Energiekonzept sei inzwischen wieder angepasst worden und orientiere sich nun, ergänzt durch neue Erkenntnisse, an der ersten Fassung aus dem Jahr 2006, als ohne heisses Wasser aus dem Erdboden gerechnet wurde.

Dennoch werde die Geothermie im Massnahmenkatalog des Energiekonzepts zum Teil ersetzt, sagte Künzle. Zum einen könne durch die Erneuerung des Kehrichtheizkraftwerks mehr Wärme produziert werden. Die Stadt treibe deshalb den Ausbau des Fernwärmenetzes weiter voran. Zum anderen sollen neue Anlagen für die Wärme-Kraft-Kopplung in Betrieb genommen werden. Ob die Stadt aber die geschätzten sieben Millionen Franken für Förderung des im Bohrloch gefundenen Erdgases aufwenden werde, hänge auch von externen Faktoren ab.

Suffizienz als Herausforderung

Ein weiteres zentrales Thema des Gesprächs war die Mobilität, die zusammen mit Wärme und Strom die drei Pfeiler des Energiekonzepts bildet. Effizienzsteigerungen würden durch stärkere Automotoren oder immer mehr beanspruchten Wohnraum teilweise zunichte gemacht, sagte Toni Bürgin. Die Genügsamkeit sei eben kein technisches, sondern ein gesellschaftliches Problem, meinte Harry Künzle. Das zeige sich beispielhaft an der aktuellen Sonderausstellung des Naturmuseums, «Erdbeeren im Winter». Gerade was den Konsum betreffe, müsse die Bevölkerung sensibilisiert werden.

Die Motivation hinter dem Energiekonzept sei aber nicht in erster Linie ökologischer, sondern ökonomischer Natur, erklärte Künzle. Denn der Geldabfluss für fossile Energieträger wie Öl oder Gas ins Ausland könne zumindest teilweise in die hiesige Wirtschaft umgeleitet werden, wenn verstärkt lokal produzierte erneuerbare Energie bezogen werde. Das sei eine der grössten Herausforderungen des Energiekonzepts.

Neue «Velobahn» für die Stadt?

Die Stadt will auch weiterhin den Umstieg auf effizientere Energien finanziell unterstützen. So gibt es seit 1. Januar einen neuen Fonds, der Firmen den Umbau ihrer Fahrzeugflotte mit Elektroautos erleichtern soll. Aber auch für den Langsamverkehr, dem aufgrund des Reglements für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Mobilität zukommt, sind weitere Massnahmen vorgesehen. So untersucht zurzeit die Stadt in einer Studie die Machbarkeit einer «Velobahn» quer durch St. Gallen.

Die Stadt sei auf dem richtigen Weg, betonte Harry Künzle am Ende der Diskussion. Zwar werde der Strombedarf in der Stadt St. Gallen bis 2050 weiter zunehmen, verschiedene Ziele des Energiekonzepts liessen sich aber bereits heute durch technische Massnahmen erreichen.

Harry Künzle Leiter Amt für Umwelt und Energie der Stadt St. Gallen (Bild: Urs Jaudas)

Harry Künzle Leiter Amt für Umwelt und Energie der Stadt St. Gallen (Bild: Urs Jaudas)