«Wir schicken nie jemanden weg»

Die Heilsarmee hat eine Notschlafstelle für Obdachlose eröffnet, um das Angebot der Stadt zu ergänzen. Stadtrat Nino Cozzio hält dies aus Platzgründen nicht für notwendig. Er stuft das Projekt aber positiv ein.

Kathrin Reimann
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Nino Cozzio Stadtrat, Soziales und Sicherheit (Bild: pd)

Nino Cozzio Stadtrat, Soziales und Sicherheit (Bild: pd)

Herr Cozzio, in einem früheren Interview haben Sie gesagt, dass Obdachlosigkeit in der Stadt St. Gallen kein Thema sei. Ist diese Aussage noch aktuell?

Nino Cozzio: Ja, wir haben kein Problem mit zu wenig Unterkünften für obdachlose Menschen. Die Unterkunft für Obdachlose (UFO) musste noch nie jemanden ablehnen und verfügt auch über genügend Platz.

Die Heilsarmee St. Gallen sagt aber, sie habe mit ihrer Notschlafstelle auf ein Bedürfnis reagiert, und ihr Angebot wird offensichtlich auch genutzt.

Cozzio: Es sind wenige Personen, die dieses Angebot nutzen. Vielleicht entscheiden sie sich für diese Notschlafstelle, weil sie bereits einmal dort waren oder andere Angebote der Heilsarmee genutzt haben. Nicht aber, weil es in der UFO keinen Platz hat.

Die Heilsarmee sagt weiter, dass in der UFO nur Leute aufgenommen werden, die in der Stadt gemeldet sind oder sich identifizieren können, bei ihnen erhalte jeder ein Bett. Weist die UFO Leute ab?

Cozzio: Nein. Die UFO ist zwar in erster Linie für Städter gedacht, sie nimmt aber Obdachlose aus anderen Gemeinden auf, verlangt dafür aber eine Kostengutsprache der zuständigen Gemeinde. Leute, bei denen dies nicht geklärt ist, nimmt die UFO während zwei Nächten auf. Wenn also jemand am Wochenende eintritt und, da die Gemeinden dann nicht arbeiten, nicht geklärt werden kann, ob es eine Kostengutsprache gibt, kann die Person trotzdem bleiben. Am Montag wird dann abgeklärt, ob die Kosten übernommen werden oder ob es zu einer Übersiedelung in die zuständige Gemeinde kommt.

Steigen die Übernachtungszahlen in der UFO?

Cozzio: Im Jahr 2010 nutzten 52 Personen während 1777 Tagen die Notschlafstelle, 2011 waren es 89 Personen an 1252 Tagen, 2012 73 Personen mit 1816 Aufenthaltstagen, und 2013 nutzten 91 Personen während 1582 Tagen das Angebot. Es geht also in der Statistik auf und ab, was wohl auch mit den jeweiligen Temperaturen zusammenhängt.

Was halten Sie davon, wenn Private Notschlafstellen anbieten?

Cozzio: Ich kenne das Angebot der Heilsarmee nur vom Hörensagen, halte es aber immer für eine gute Ergänzung, wenn sich Private sozial engagieren. Der Blickwinkel ist caritativ, und das ist positiv zu werten.

Ist es nicht problematisch, dass es sich beim Team um Laien handelt?

Cozzio: Die Heilsarmee engagiert sich seit Jahren für Obdachlose und kann mit diesen Menschen umgehen. Ich habe jedenfalls noch nie etwas Negatives gehört.

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