«Wir haben schon etwas gezittert»

ST.GALLEN. Verunsicherte Eltern, beunruhigte Lehrer: Die mögliche Schliessung der Wirtschaftsmittelschule hat an der Kantonsschule am Brühl einiges ausgelöst. Die Schulleitung bleibt zuversichtlich.

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Die Schulleitung der Kantonsschule am Brühl war überrascht, als der Kantonsrat im Juni beschlossen hat, die Schliessung der Wirtschaftsmittelschule genauer zu prüfen. Prorektor André Straessle hatte damit nicht gerechnet, wie er auf Anfrage sagt.

300 Schüler eingeschrieben

Die Kanti am Brühl führt neben der Fachmittelschule auch die Wirtschaftsmittelschule. Deren Schülerinnen und Schüler haben die Wahl zwischen dem Schwerpunkt Sprachen (WMS) und dem Schwerpunkt Informatik (WMI). Sie drücken drei Jahre lang die Schulbank und absolvieren ein einjähriges Praktikum in der Wirtschaft oder Verwaltung. Auf diesem Weg erlangen sie das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis für Kaufleute und den Eidgenössischen Berufsmaturitätsausweis.

Damit bietet die Wirtschaftsmittelschule eine Alternative zur kaufmännischen Berufslehre. In der Kantonsschule am Brühl werden aktuell neun WMS-Klassen und vier WMI-Klassen geführt. Knapp 300 Schülerinnen und Schüler werden insgesamt unterrichtet. Neben der Kantonsschule am Brühl bieten auch andere Kantonsschulen im Kanton den Lehrgang an. Auch Heerbrugg, Wattwil und Sargans wären von einer allfälligen Aufhebung des Lehrgangs betroffen.

Verbündete gefunden

Als der Kantonsrat im Juni über das Sparpaket debattierte, hat Prorektor Straessle – wie er sagt – «schon etwas gezittert». Er erhielt nicht nur Anrufe von verunsicherten Eltern. Auch im Kollegium sei Unruhe aufgekommen. Der kantonale Mittelschullehrerverein und der Ehemaligenverein wurden daraufhin aktiv und schalteten die Internetseite www.pro wirtschaftsmittelschule.ch auf. Darauf werden nicht nur die Argumente gegen die Abschaffung der Wirtschaftsmittelschule aufgeführt – etwa, dass der Spareffekt verschwindend klein wäre, da die Schüler an anderen Schulen wieder auftauchen würden. Es finden sich auch Leserbriefe zum Thema und Zuschriften von Eltern, die Unverständnis äussern, wie etwa jene Mutter, die schreibt: «Gerade die praxisbezogene, wirtschaftsnahe Ausbildung kombiniert mit der breiten Mittelschul-Allgemeinbildung sind ideal für meine Tochter.»

In der Zwischenzeit hat sich die Unruhe etwas gelegt. André Straessle ist zuversichtlich: «Bei einer guten Schule wird auch der Bericht der Kantonsregierung positiv ausfallen.» (cw)

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