«Wir haben keinen Bezug zu Wittenbach»

«Ein Quartier ist enttäuscht», Ausgabe vom 4. November

Christian Nagel, Vorder-Espenstr. 10, 9008 St. Gallen
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Ich will nicht nach Wittenbach in die Oberstufe, weil ich nämlich in meiner Schule meine beste Freundin aufschreiben kann, und dann wird geschaut, dass wir zwei zusammen in die Oberstufe gehen können. In meinem Jahrgang gibt es keine, die ich kenne in Wittenbach, und meine Freunde müssen auch nicht nach Wittenbach. Ich gehe in die Musikschule von St. Gallen, und ich möchte diese auch nicht wechseln. So wie ich meine Cello-Lehrerin, bei der ich seit fünf Jahren bin, nicht gegen jemand anderen tauschen will. Ich möchte ausserdem in die Talentschule, und da möchte ich meine Cello-Lehrerin auch bei mir haben. Ich habe mit meinen Freundinnen schon so lange abgemacht, dass wir zusammen in die Oberstufe gehen, also bitte ich die Behörden, es so zu belassen, wie es seit über 100 Jahren ist. Wir haben null Bezug zu Wittenbach und wollen auch keinen aufbauen. Wir wollen dahin, wo wir so sehr hin wollen. Und wer jetzt denkt: typisch Eltern, die ihren Kindern sagen, was sie schreiben sollen, der hat falsch getippt, denn ich habe es ganz alleine gemacht, und ich meine es voll ernst!

Liv-Maleen Nagel, Fünftklässlerin, Vorder-Espenstrasse 10, St. Gallen

Ich bin doch sehr überrascht, wie genau Behörden immer wieder wissen, was das Beste für uns und unsere Kinder ist. Georges Gladig, der Schulpräsident der Oberstufe Grünau in Wittenbach, scheint davon auf jeden Fall ziemlich überzeugt zu sein.

Ich als Direktbetroffener aus dem Bruggwaldquartier sehe dies jedoch etwas anders. Meine beiden Kinder, 8 und 11, gehen derzeit noch in eine Primarschule in der Stadt. Ihr gesamtes soziales Umfeld spielt sich auf Stadtgebiet ab. Sei es nun das Tanzen, Singen, die Musikschule und nicht zuletzt der gesamte Freundeskreis. Es ist zwar zutreffend, dass die Klassen beim Wechsel in die Oberstufe neu zusammengestellt werden. Für den ganzen Rest würde sich jedoch nichts verändern. Sollte der Oberstufenschulrat an diesem Entscheid festhalten, käme es einem Umzug in eine neue, fremde Gemeinde gleich. Ich persönlich finde dies alleine schon ein ganz wichtiges und sachliches Argument gegen die Auflösung dieses über 100 Jahre alten Vertrages zwischen der Stadt St. Gallen und der Gemeinde Wittenbach.

Wissen die Vertreter der Schulbehörde eigentlich schon, dass, wann immer ich den Schulhäusern, dem Gemeindehaus oder anderen öffentlichen Einrichtungen in der Gemeinde Wittenbach einen Besuch abstatten möchte, dies nur über städtischen Grund tun kann? Ja genau, von meiner Liegenschaft aus gibt es keine öffentliche Zufahrt, die nicht über das Stadtgebiet führt. Und ist man sich bewusst, dass wir zwei Gehminuten von unserer Haustüre aus eine Bushaltestelle haben, an der alle sieben Minuten ein 3er-Bus in Richtung Stadt fährt, aber nur alle 20 Minuten einer nach Wittenbach?

Dieser Umstand führt auch dazu, dass wir uns der Stadt St .Gallen zugehörig fühlen. Ruth Keller als Schulpräsidentin der Primarschule Wittenbach hat es vorgemacht und gesunden Menschenverstand walten lassen. Oberstufenschulpräsident Georges Gladig sollte diesem guten Beispiel folgen und Abstand nehmen von einem Vorhaben, das nur auf Geld und offenbar nicht dem Wohle des Kindes begründet ist.

Christian Nagel, Vorder-Espenstr. 10, 9008 St. Gallen