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«Wir dachten sogar ans Aufhören»

Rückschlag für die Brauerei Stadtbühl: Der geplante Neubau ist vorerst nicht möglich. Das Verwaltungsgericht heisst entsprechende Einsprachen gut. Trotz hohen Auslagen bleibt für die Familie Krucker aber ein Hoffnungsschimmer.
Angelina Donati
Dunkle Wolken über der Brauerei Stadtbühl in Gossau. Ob der geplante Neubau realisiert werden kann, ist ungewiss. (Bild: Benjamin Manser)

Dunkle Wolken über der Brauerei Stadtbühl in Gossau. Ob der geplante Neubau realisiert werden kann, ist ungewiss. (Bild: Benjamin Manser)

GOSSAU. Tagtäglich wird Adrian Krucker von der Brauerei Stadtbühl auf das geplante Bauvorhaben angesprochen. «Wann wird endlich gebaut?», so die oft gestellte Frage, die er mittlerweile nicht mehr hören kann. Vor rund sieben Jahren entstanden erste Pläne für einen Getränkemarkt mit Degustationsbereich, ein Lager sowie Mietwohnungen.

«Wäre alles planmässig verlaufen, würde der Neubau seit 2012 stehen», sagt Adrian Krucker, der das Geschäft mit seinem Bruder Christian führt. Wegen Einsprachen von Anwohnern verzögerte sich das Bauvorhaben um Jahre. Die Einsprecher waren sowohl mit dem Bau als auch mit der Erschliessung nicht einverstanden.

Verdichtet bauen, aber wie?

Zum heutigen Zeitpunkt aber ist es längst nicht mehr «nur» eine Verzögerung, wie Krucker erklärt. «Das Bauprojekt kann nicht mehr realisiert werden», sagt er sichtlich niedergeschlagen. Auslöser ist der Entscheid des Verwaltungsgerichts, an welches die Einsprecher ihre Beschwerde weitergezogen hatten. Zwar dürfte das Bauvorhaben der Brauereifamilie mit leichten Anpassungen realisiert werden, problematisch wird's aber bei der Erschliessung. «Zwischen der Gesuchseingabe und dem Entscheid des Verwaltungsgerichts gab es eine Änderung in der Rechtsprechung», sagt Othmar Somm von Senn Somm Anwälte aus St. Gallen, der Kruckers vertritt. «Eine Gemeindestrasse, mit der zehn Wohneinheiten und mehr erschlossen werden, wird heute zwingend als Strasse 2. Klasse definiert.» Das habe zur Folge, dass die Strasse verbreitert werden müsste und auch die Grenzabstände anders geregelt würden. Ein Szenario, das sich auf dem Strässchen, das die Brauerei und Anwohner trennt, nicht realisieren lässt.

Eine Alternative wäre, wenn die Brauerei auf ihrem Areal einen Wendeplatz einrichtet. Dadurch aber würde das Unternehmen alleine für die Erschliessung viel Boden verlieren. Hinzu kommen laut Krucker Kosten von rund 600 000 Franken. «Einerseits wird verdichtetes Bauen gefordert, andererseits werden an die Erschliessung höhere Anforderungen gestellt. Das ist ein Widerspruch in sich selbst», sagt Anwalt Somm.

Hohe Auslagen

Wäre wegen der Einsprachen nicht so viel Zeit verstrichen, wäre auch die Änderung der Rechtsprechung zur Erschliessung noch nicht relevant geworden, ist sich Adrian Krucker sicher. «Es ist alles ein grosses Pech. Zum einen waren da die hartnäckigen Einsprecher. Zum anderen haben die verschiedenen Behörden den Fall unterschiedlich beurteilt. Wir aber haben uns auf ihr Fachwissen verlassen.»

Was bleibt, seien sehr hohe Auslagen. «Für die gesamte Planung und die Anwaltskosten hätten wir ein Einfamilienhaus kaufen können. Das teure Lehrgeld müssen wir nun abbezahlen», sagt Krucker. Geld, das die Brauerei für Investitionen hätte brauchen können. Noch immer fehlt es an ausreichend Lagermöglichkeiten für die Getränke und noch immer gebe es einen «Fensterverkauf», was schlicht nicht mehr zeitgemäss sei.

Die kleine Brauerei habe alles auf dieses Bauprojekt gesetzt. Fehlinvestitionen würden einem Betrieb in dieser Grösse schnell das Genick brechen. Nach dem Entscheid des Verwaltungsgerichts haben Kruckers überlegt, ob sie besser daran täten, die Brauerei an einen neuen Standort zu verlegen. «Unser Frust ist so gross, dass wir sogar daran dachten, den ganzen Laden aufzugeben», gesteht Krucker. «Aufgeben und den Kopf in den Sand stecken ist aber auch nicht die Lösung.»

Hoffnung bleibt

Im ganzen Desaster zeichnet sich nun aber ein Hoffnungsschimmer ab. Vor kurzem gab es einen Wechsel bei den Eigentümern der Goldzackhalle, die sich auf gegenüberliegender Seite der Brauerei befindet. Womöglich wäre dort eine Erschliessungsstrasse eher möglich. Krucker bezeichnet das gegenseitige Einvernehmen als gut. «Vielleicht ist das unser Lichtblick», sagt er. Ganz aufgegeben hat die Familie das Bauprojekt noch nicht. Die Visiere stehen noch immer.

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