Winzerkomödie mit Tiefgang

Die Premiere des Thaler Freilichtspiels «Johanna vom Trüeterhof» am Freitagabend war ein Erfolg. Die Kulisse und die Leistung der Darstellerinnen und Darsteller vermochten das Publikum zu begeistern.

Gisela Tobler
Drucken
Auf dem Thaler Trüeterhof herrscht Heiterkeit, denn der Wimmet und das Winzerfest stehen vor der Tür. (Bild: Gisela Tobler)

Auf dem Thaler Trüeterhof herrscht Heiterkeit, denn der Wimmet und das Winzerfest stehen vor der Tür. (Bild: Gisela Tobler)

THAL. Alleine das Bühnenbild mit dem stattlichen Trüeterhof am Fuss des Thaler Rebbergs ist eine Augenweide für sich. Auch den ersten Höhepunkt gibt es gleich zu Beginn des Theaters, als ein Pferdegespann vorfährt. Das Publikum staunt, darf aber nicht applaudieren, denn die Tiere könnten scheuen. Auf dem Wagen sitzt das Trio Uhrue, das den Theaterabend musikalisch begleitet. Die Stücke wurden von den Musikern eigens für das Freilichtspiel arrangiert. Hinter dem Pferdegespann ziehen tanzend und singend die Rebleute ein. Alle sind fröhlich und freuen sich auf den Wimmet und das Winzerfest.

Nervosität vor dem Auftritt

Getrübt wird diese Heiterkeit allerdings durch Johanna Tobler, gespielt von Monika Gmünder, der unerbittlichen Besitzerin des Trüeterhofs, die aus Gier nach Macht und Geld sogar ihre Kinder vernachlässigt. Selbst den eigenen Bruder Franz, verkörpert von Schauspieler Walter Graf, hat sie dereinst aus dem Haus getrieben. Nun läuft sie Gefahr, dem schmierigen Charme des üblen Paul Södli zu erliegen. Dieser Bösewicht wird von Jörg Cajochen so überzeugend gespielt, dass man fast vergessen könnte, wie sympathisch der Thaler Lehrer im wirklichen Leben ist. Eine schauspielerische Glanzleistung zeigt auch André Lutz, der ehemalige Star des Dorftheaters. Auch ihm liegt das Theaterspielen wohl immer noch. Er gibt sich als Scherenschleifer Messerli aus, doch wer er wirklich ist, bleibt bis zum Schluss ein Geheimnis. An seiner Seite gibt die junge Vanessa Ferraro als Töchterchen Franziska mit erfrischender Natürlichkeit ihr Theaterdebüt. Etwas nervös sei sie schon gewesen, sagt sie nach der Premiere, vor allem, als sie ganz allein habe singen müssen.

Einheimische Altstars

Immer wieder gibt es Szenenapplaus, zum Beispiel, wenn Jakob Nessensohn, ebenfalls ein beliebter Altstar des Thaler Dorftheaters, als alter Knecht Xaver ins Geschehen humpelt und mit seinen Sprüchen und Faxen das Publikum erheitert. Und auch Hermann Grob beweist als Knecht Joggi seine Schauspielkünste. Das Konzept der Regisseurinnen Kristin Ludin und Hanni Wohnlich, möglichst viele einheimische und bekannte Gesichter auf die Bühne zu bringen, erweist sich also als richtig. Auch die Nebenrollen werden souverän gespielt. Dies stellen unter anderem Anni Tobler als Eiermarie, Simon Weber als Güggelipeter und Vera Viol als alte Köchin Berti unter Beweis. Und der spröde Charme von Tierarzt Grueber alias Albert Kappenthuler kommt ebenso gut an wie die Liebenswürdigkeit der von Uschi Frei gespielten Köchin Fränzi und die Fröhlichkeit der jungen Winzerleute Noldi (Peter Meier), Ursi (Iris Tobler), Vit (Daniel Tobler), Werni (Simon Wohnlich), Gritli (Tanja Jäger), Elsi (Claudia Enzler) und Vreni (Nicole De Nardi).

Wer Komödien mit Tiefgang mag, dem wird «Johanna vom Trüeterhof» gefallen. Ob sich der garstige Södli durchsetzen kann, ob Johannas Herz sich erweichen und für die wahre Liebe öffnen wird, wer der Scherenschleifer wirklich ist und mit wem er sein Glück findet, das wird an dieser Stelle aber nicht verraten.

Weitere Vorstellungen sind am Freitag, 30. und Samstag, 31. August, Sonntag, 1., Mittwoch, 4., Donnerstag, 5., Freitag, 6. und Samstag, 7. September. Tickets können im Internet, an Bahnhöfen, Poststellen und in den Kantonalbankfilialen der Region gekauft werden.

Aktuelle Nachrichten