Winterragout statt Grillfleisch

ST.GALLEN. Wenn es regnet, wird nicht grilliert. Diese Tatsache macht sich in den Kassen der St.Galler Metzgereien bemerkbar. Sie verzeichnen Umsatzeinbussen, die sie auch nicht mehr wettmachen können, sollte der Sommer doch noch kommen.

Tobias Hänni
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Ein seltenes Bild in diesem Jahr: Wegen des schlechten Wetters wird wenig grilliert. (Archivbild: ky/Gaetan Bally)

Ein seltenes Bild in diesem Jahr: Wegen des schlechten Wetters wird wenig grilliert. (Archivbild: ky/Gaetan Bally)

Eine derart schlechte Grillsaison hat Oscar Peter noch nie erlebt. «Es gab weder Frühling noch Frühsommer», stellt der Inhaber der Metzgerei Schmid ernüchtert fest. Vor allem der Frühsommer ist in seinen Augen wichtig fürs Geschäft mit dem Grillfleisch. «Wenn es das erstemal so richtig warm wird, wollen die Leute raus und grillieren.» Doch wegen des verregneten, kalten Wetters ist das diesjährige Geschäft mit Steaks und Würsten bislang ins Wasser gefallen.

«Der Umsatzverlust ist in Prozenten schwierig zu beziffern», sagt Peter. Was er aber mit Sicherheit weiss: «Den Verlust gleichen wir nicht mehr aus, auch wenn es noch zwei Monate Superwetter gibt.» Bald kämen die Sommerferien, in denen viele Leute weg seien. Und im August gebe es jedes Wochenende ein Fest, da werde auch nicht mehr so oft grilliert. «Aber was sollen wir machen? Erzwingen können wir nichts.»

Mehr Plätzli und Geschnetzeltes

Die Leute zum Grillieren zwingen, das kann auch Andreas Helfenberger, Leiter der Gemperli-Filiale an der Schmiedgasse, nicht. Nur auf Aktionen hinweisen auf dem Kundenstopper vor der Metzgerei. «Aber das bringt bei schlechtem Wetter auch wenig», sagt Helfenberger. Er bezeichnet das diesjährige «Sommerwetter» als «ganz extrem». «Wir spüren es natürlich bei den Wurstwaren und beim marinierten Fleisch.» Wie stark sich Regen und Kälte in der Kasse bemerkbar machen, kann Helfenberger ebenfalls nicht sagen. «Einen Teil des Verlusts bei der Grillware fangen wir mit dem Verkauf von anderem Fleisch auf. Zum Beispiel mit Geschnetzeltem.»

Die gleiche Beobachtung macht Jörg Bechinger von der gleichnamigen Metzgerei in St. Georgen. Auch bei ihm wandern deutlich weniger Spiessli und anderes Grillfleisch über die Ladentheke. «Dafür verkaufen wir mehr Plätzli und Geschnetzeltes», sagt Bechinger. Fleisch werde auch bei schlechtem Wetter gegessen. Nur, den Verlust beim Grillfleisch, den bringe man nicht mehr weg. «Da hat man keine Chance mehr.»

Take-Away läuft gut

Doch nicht alle Metzger stimmen ins Klagelied ihrer Kollegen ein. «Wir sind zufrieden», sagt Christian Würgler, Leiter der Rietmann-Metzgerei in der Marktgasse. «Der Mai und der Juni waren gar besser als im Vorjahr.» Weshalb dies so sei, wisse er nicht genau. Vielleicht wegen des Take-Away, der bei Rietmann erstaunlicherweise sehr gut läuft. «Wenn es zu heiss ist, verkaufen wir beim Imbiss weniger.» Und auch Würgler verkauft mehr Braten, Ragouts und Fleisch im Teigmantel als sonst zu dieser Jahreszeit. «Eigentlich typische Wintersachen.»

Es braucht einen heissen Juli

Das schlechte Wetter der letzten Wochen spüren nicht nur die Metzger beim Umsatz, sondern auch der hiesige Bierproduzent. «Es ist ganz einfach: Bei schönem Wetter wird mehr Bier getrunken», sagt Josef Zweifel von der Schützengarten AG. Anders als die Metzger könnte die Brauerei den Verlust noch auffangen. «Falls es im Juli, August und September heiss wird.» Schön wär's. Nicht nur für Metzger und Bierbrauer.