Winter zeigt sich schon im Oktober

REGION AM SEE. Der Oktober brachte eine abwechslungsreiche Palette meteorologischer Erscheinungen mit sich. Warme Herbsttage wechselten sich ab mit den ersten Vorboten des Winters. Am Bodensee betrug die durchschnittliche Temperatur 9,4 Grad.

Andreas Walker
Merken
Drucken
Teilen
Morgenstimmung in Rorschacherberg: Der Oktober zeigte sich wechselhaft und brachte die ersten Vorboten des Winters. (Bild: Andreas Walker)

Morgenstimmung in Rorschacherberg: Der Oktober zeigte sich wechselhaft und brachte die ersten Vorboten des Winters. (Bild: Andreas Walker)

Der Monat Oktober startete kalt mit einer Bisenströmung, die kühle Luft in den Alpenraum brachte und die Tagesmitteltemperaturen trotz ziemlich sonnigen Verhältnissen verbreitet 1,5 bis 3,5 Grad unter die Norm von 1981 bis 2010 drückte. Nach einer Föhnlage am 3. Oktober gelangte die Schweiz bis am 8. Oktober in eine West- bis Südwestströmung, verbunden mit dem Durchzug mehrerer Niederschlagszonen und dazwischenliegenden längeren sonnigen Abschnitten. Die Tagesmitteltemperaturen erreichten verbreitet 1 bis 3 Grad über der Norm.

Ein Hochdruckgebiet über Skandinavien brachte der Schweiz vom 9. bis am 12. Oktober typisches Herbstwetter mit Nebel oder Hochnebel. Dabei erreichten die Tageshöchsttemperaturen bei Auflösung des Nebels noch milde 18 Grad. Vom 13. bis 18. Oktober setzte sich Höhenkaltluft über dem Alpenraum fest, die bis in mittlere Lagen herunter winterliche Verhältnisse brachte. Die Tagesmitteltemperaturen sanken während der kältesten Periode vom 14. bis zum 17. Oktober in Berglagen 6 bis 9 Grad und in den Niederungen der Alpennordseite 5 bis 7 Grad unter das langjährige Mittel.

Schöner Altweibersommer

Vom 19. bis 27. Oktober war die Witterung vor allem durch ein Hochdruckgebiet bestimmt. Während in den Bergen viel Sonnenschein registriert wurde, lagen die Niederungen oft unter einer kompakten Hochnebeldecke, die sich oft nicht auflöste. Die Obergrenze des Hochnebels schwankte zwischen 1000 und 2200 Metern Höhe.

Zu Beginn dieser Schönwetterperiode lagen die Tagesmitteltemperaturen auf der Alpennordseite 3 bis 4 Grad unter der Norm. In den Bergen wurden gar Werte von 5 bis 6,5 Grad unter der Norm registriert. Dabei erreichten die Tageshöchsttemperaturen im Norden nur gerade 10 bis 12 Grad. Milde Luftmassen aus Südwest und Süd liessen schliesslich die Tagesmitteltemperaturen ab dem 23. Oktober wieder verbreitet 1 bis 3,5 Grad, in Gipfellagen sogar 5 bis 7 Grad über das langjährige Mittel ansteigen. Dabei bewegten sich die Tageshöchstwerte im Norden zwischen 16 und 18 Grad. Mit einer aufkommenden Föhnströmung erreichten die Höchstwerte im Wallis und Churer Rheintal sogar 22 Grad.

Fäden von Jungspinnen

In den Bauernregeln ist eine herbstliche Schönwetterperiode seit Jahrhunderten als «Altweibersommer» bekannt. Mit dem Begriff Altweibersommer ist jedoch nicht Sommerwetter für ältere Frauen gemeint. Mit «weiben» wurde im Altdeutschen das Knüpfen von Spinnweben bezeichnet. An klaren Herbsttagen sind die Nächte schon ziemlich kühl, deshalb ist am Morgen der Tau an den Spinnweben sehr gut sichtbar. Diese seltsam glänzenden Spinnenfäden oder «Herbstfäden» erscheinen im Sonnenlicht wie lange, silbergraue Haare. Deshalb bezieht sich der Name Altweibersommer auf die in der Luft treibenden zarten Spinnfäden von Jungspinnen, die in der milden Herbstsonne glänzen.

Vom 27. auf den 28. Oktober erfasste eine Kaltfront von Westen her die Schweiz und brachte verbreitet Niederschläge. Dabei fiel regional Neuschnee bis auf rund 1600 Meter hinunter. Der Monat klang typisch herbstlich aus mit schönem Wetter in den Bergen und Hochnebel über dem Flachland.

Kühl, trocken, durchschnittlich

Nach Angaben von MeteoSchweiz war der Oktober über die ganze Schweiz gemittelt 0,6 Grad zu kalt. Am Bodensee betrug die durchschnittliche Oktobertemperatur 9,4 Grad und lag damit 0,4 Grad unter dem langjährigen Mittel. An den meisten Orten war der Oktober zu trocken. Im Flachland und im Jura wurden sogar nur 20 bis 50 Prozent des durchschnittlichen Niederschlags verzeichnet. Am Bodensee betrug die Niederschlagsmenge 46 Liter pro Quadratmeter, was nur 65 Prozent der Norm entspricht. Der Hochnebel sorgte im Flachland und in den Alpentälern verbreitet zu weniger Sonnenstunden als normal. Am Bodensee schien die Sonne im Oktober 100 Stunden und erreichte damit 103 Prozent des langjährigen Mittels.