Winkelns Glocken läuten weiter

Tradition vor Lärmschutz: In der Beurteilung einer Lärmklage gegen das Geläut der katholischen Kirche Winkeln kommt das Amt für Umwelt und Energie zum Schluss, dass, wer in die Nähe einer Kirche zieht, auch mit Geläut rechnen muss.

Odilia Hiller
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Kirchenglocken: Ein Selbstzweck? (Symbolbild: Hannes Thalmann)

Kirchenglocken: Ein Selbstzweck? (Symbolbild: Hannes Thalmann)

Aus dem weissen Turm der katholische Kirche Winkeln wird es weiterhin läuten: Einmal pro Stunde in der Nacht, viermal stündlich ab 6 Uhr morgens. Ebenfalls beibehalten wird das dreiminütige, werktägliche Frühgeläut.

Kein Fall für Lärmschutz

Ein weiteres Mal so entschieden hat das städtische Amt für Umwelt und Energie. Es weist eine am 2. November eingegangene Klage gegen den durch die Glocken verursachten Lärm ab.

Im unserer Zeitung vorliegenden Schreiben an den privaten Kläger verweist das Amt auf die bestehende Rechtsprechung und sieht aufgrund des Sachverhaltes «keinen Handlungsbedarf».

Im aktuellsten Bundesgerichtsentscheid werde nämlich ausgeführt, dass Lärmschutzvorschriften nur in Fällen angewendet werden könnten, in denen Geräusche als «Nebenwirkungen einer bestimmten Tätigkeit» auftreten.

«Das umstrittene Läuten von Kirchenglocken gehört jedoch zu den Geräuschen, die den eigentlichen Zweck einer bestimmten Aktivität ausmachen», zitiert das Amt für Umwelt und Energie das Bundesgericht. Solche Lärmemissionen könnten nicht verhindert werden, ohne ihren «eigentlichen Zweck zu vereiteln». Bei der Abwägung der Interessen werde demzufolge der Aufrechterhaltung der Tradition mehr Gewicht beigemessen als dem Lärmschutz der Betroffenen.

«Begrenzung sinnlos»

Auch könne nicht von einer unfreiwilligen Betroffenheit ausgegangen werden: «Wer in die Nähe einer Kirche zieht, muss mit Stundenschlag und Geläut rechnen.» Die Anwendung des entsprechenden Artikels des Immissionsschutzreglements sei auch im Stadtparlament explizit ausgeschlossen worden.

Anscheinend hatte der Kläger eine Begrenzung des Frühgeläuts auf 30 Sekunden vorgeschlagen.

In seiner Beurteilung meint das Amt für Umwelt jedenfalls pragmatisch: «Eine Begrenzung macht wenig Sinn, da in 30 Sekunden ein allfälliger Weckvorgang bereits erfolgt ist.»

Eine Klage gegen das Geläut der katholischen Kirche Winkeln erfolgt bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Bereits Anfang Jahr waren auf Anregung der IG Stiller, einer privaten Vereinigung, die auf die Einhaltung der gesetzlichen Ruhezeiten auch für «religiöse Gemeinschaften» pocht, verschiedene Lärmklagen gegen Kirchengeläut bei der Stadt eingegangen.

Mitte Jahr hatten sich Vertreter von Stadt und Kirchgemeinden mit Glockenkritikern an einen Tisch gesetzt.