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WIND UND WELLEN: Segeln auf dem Bodensee: Am Kiel fährt die Bleibombe mit

Segeln ist mit Klischees verbunden - aber der Sport ist weder Neureichen vorbehalten noch unendlich schwierig zu lernen. Ein Selbstversuch auf dem Bodensee.
Eric Hug
Mit optimalen Windverhältnissen gleitet die J70 über die Wellen des Bodensees. (Bild: Andrea Stalder)

Mit optimalen Windverhältnissen gleitet die J70 über die Wellen des Bodensees. (Bild: Andrea Stalder)

Eric Hug

eric.hug@tagblatt.ch

Das Steuer wird herumgerissen, die Segel werden neu ausgerichtet, und schon dreht sich das Boot über den Bug in die entgegengesetzte Richtung. Erst als man sieht, wie der Mast mit hoher Geschwindigkeit über das Cockpit schwenkt, wird einem bewusst, welche Kräfte auf das Boot wirken. Die Wende ist geschafft. Die Besatzung platziert sich auf der gegenüberliegenden Seite des Segelschiffs und gleitet bei optimalen Windverhältnissen weiter über die leicht brechenden Wellen des Bodensees.

Der Segelneuling ist beeindruckt vom Tempo, das durch geschickte Anweisungen der Segellehrerin erreicht wird. Anfängliche Bedenken, völlig durchnässt ans Ufer zurückzukehren, verwehen rasch. Die Coolness, die die Segellehrerin ausstrahlt, verfehlt ihre Wirkung auf den Schüler nicht. Er beginnt das zweistündige Abenteuer auf dem See zu geniessen.

Bleibombe verhindert das Kippen

Die Segeltour startet im Kreuzlinger Hafen, dann geht es in Richtung Konstanz und wieder zurück. Gesegelt wird mit einer in Amerika hergestellten J70. Dieser Bootstyp kommt auch bei Regatten zum Einsatz. Ansonsten wird die J70 als Ausbildungs- oder schnelles Familienboot verwendet. Bis zu sechs Personen finden darauf Platz. Das fast sieben Meter lange Boot wiegt 800 Kilogramm und hat einen neun Meter hohen Karbonmast. Der vertikal hochholbare Kiel trägt eine Bleibombe. Zusammen bringen sie etwa 500 Kilo auf die Waage. Für den Segelneuling beruhigend: Wegen des enormen Gewichtanteils unter Wasser kann das Boot nicht kippen. Neigt es sich einmal extrem stark zur Seite, stellen die physikalischen Gesetze es von alleine wieder auf.

Auch wenn der unerfahrene Segler diesmal nicht ins Wasser fällt, sind Unfälle nie ausgeschlossen. Die Verantwortung für die Sicherheit von Besatzung und Schiff liegt beim Skipper, auch Schiffsführer genannt. Er ist nicht zwangsläufig Eigentümer des Bootes. Es reicht, wenn die Besatzung vor dem Start einen Skipper bestimmt. Wer es ist, sollte im Logbuch festgehalten werden. Auf jeden Fall muss der Skipper die für das Segelgebiet und den Bootstyp notwendigen Fähigkeitsausweise besitzen. Wer die Segelprüfung in Deutschland absolviert, muss für Schweizer Seen zusätzliche Formalitäten erledigen. Für Seen, die an mehrere Länder grenzen, gelten nochmals andere Anforderungen. Hauptgrund für die Unterschiede ist die Sicherheit. Sturmwarnungen beispielsweise sind von Land zu Land verschieden. Um viel Bürokratie zu umgehen, gibt es die Möglichkeit, ein internationales Zertifikat zu erlangen. Dieses ist in vielen Ländern Europas, unter anderem in der Schweiz und in Deutschland, gültig.

Segeln muss nicht teuer sein

Mit dem Segeln sind viele Klischees verbunden: Protzige Yachten, ein reicher Eigner und an der Bugspitze eine cocktailschlürfende Blondine mit atemberaubenden Kurven. Um den Segelsport ausüben zu können, muss man finanziell aber nicht zwingend auf Rosen gebettet sein. Die Kosten für den Segelschein sind mit jenen des Fahrausweises für das Auto vergleichbar. Oft steigen Neulinge mit dem kostengünstigen Jollensegeln ein.

Die Jolle ist ein kleines Kunststoffboot, auf dem meist eine oder zwei Personen Platz finden. Wegen dem flachen Bootsboden wirkt der Schwerpunkt über der Wasserlinie. Der Segler muss also darauf achten, die Jolle so gerade wie möglich zu halten. Eine zu starke Neigung bremst das Boot, weil die Segel den Wind nicht mehr wie gewünscht einfangen können. Dank dem geringen Gewicht der Jolle kann der Segler allein mit dem eigenen Körpergewicht den Schwerpunkt des Segelbootes verlagern.

Ob Jolle oder grösseres Boot: Für Neulinge erstaunlich ist, wie routinierte Segler mit dem Kombinieren von Theorie und Erfahrung die Windkraft optimal zu nutzen wissen. Selber zu erkennen, an welcher Kurbel zu drehen ist oder wann die Segel straffer gespannt werden müssen, scheint unmöglich. Wer einmal als Skipper die Verantwortung für ein Boot übernehmen will, um das Pfeifen des Windes, das Rauschen des Wassers und das Flattern der Segel hautnah zu erleben, hat auf jeden Fall eine Menge Arbeit vor sich.

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