WIMMET: Trotz Frost kein Frust

Jeder zweite Trieb der Wittenbacher Reben fiel dem Frost zum Opfer. Dennoch ziehen die Winzer eine positive Bilanz. Und künden eine Neuerung an.

Noemi Heule
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Die Wittenbacher Traubenernte verspricht einen fruchtigen, gehaltvollen Wein. (Bild: Michel Canonica)

Die Wittenbacher Traubenernte verspricht einen fruchtigen, gehaltvollen Wein. (Bild: Michel Canonica)

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Zweimal haben die Winzer aus Wittenbach in diesem Jahr gezittert. Beide Male konnten sie schliesslich aufschnaufen. «Wir haben die ganze Woche gebibbert», sagt Dieter Kühni, Präsident der Reblüt – 25 Freiwilligen, die gemeinsam den Rebberg unterhalb des Schlosses Dottenwil unterhalten. Lange war nicht klar, ob die geplante Wimmet am Wochenende stattfinden konnte. Noch am Freitag fegte ein Sturm über die 1700 Rebstöcke, die sich unterhalb des Schlosses an den Hang schmiegen. Pünktlich zur geplanten Weinlese aber setzte sich die Sonne durch. Von einem wahren «Freudenfest» spricht denn auch Dieter Kühni. Nicht nur der Sonne wegen, sondern vor allem wegen dem Ertrag.

Der Frühling hatte zunächst mit idealen Bedingungen für die Reben aufgewartet. Im März und April trieben sie denn auch prächtige Blüten. Die Hälfte dieser Triebe jedoch fiel Ende April dem späten Frost zum Opfer. Ein erster Tiefschlag für die Reblüt. «Die verbliebenen Triebe haben wir natürlich besonders gehätschelt», sagt Kühni. Mit Erfolg.

«Perfekte Qualität» statt Quantität

Zwar fiel in diesem Jahr die Ausbeute wie erwartet klein aus: 557 Kilogramm rote Gamaret-Trauben und 683 der weissen Johanniter konnten am Wochenende auf dem Schlosshügel geerntet werden. Im vergangenen Jahr war der Ertrag mehr als doppelt so gross. Eine Faustregel besagt, dass aus einem Kilogramm Trauben eine Flasche Wein gewonnen wird. Die geringe Menge macht die «wunderbare Qualität» laut Kühni wieder wett. Schliesslich sei diese nicht weniger als «perfekt». Mit einem Zuckergehalt von 86 respektive 87 Oechsle verspricht die Ernte einen fruchtigen, gehaltvollen Wein.

Die Trauben erholten sich schnell von den frostigen Nächten Ende Frühling, die einer Sommerhitze Platz machte. Die Trauben profitierten laut Kühni von Temperaturen über 30 Grad, die gleichzeitig der leidigen Essigfliege den Garaus machten: «Die Männchen der Essigfliege sind bei derart hohen Temperaturen nicht mehr zeugungsfähig», sagt Kühni. Während die freiwilligen Winzer im vergangenen Jahr gegen den Schädling vorgehen mussten, waren in diesem Jahr erst gar keine Massnahmen nötig. Nur vereinzelt seien Trauben von der Fliege angestochen worden.

21 Erntehelfer standen am Samstag im Rebstock im Einsatz. Die Wimmet ist der Höhepunkt für die Reblüt, die über das Jahr verteilt rund 2000 Arbeitsstunden in die Reben investieren. Die Traubenernte wurde noch am Wochende nach Berneck in die Kelterei Schmid gebracht und sofort gepresst. Für einmal landeten nicht nur die weissen, sondern auch die roten Trauben sogleich in der Presse.

Aus der diesjährigen Ernte soll nämlich kein Rotwein, sondern erstmals ein Rosé entstehen. Während der Rotwein rund 18 Monate reifen muss, ist der Rosé bereits im April fertig. Dann, wenn die IG Dottenwil ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Dieser Anlass soll mit dem diesjährigen Jahrgang an hauseigenem Wein begossen werden. Zuvor steht aber am 10. und 11. November mit dem Erntefest wie jedes Jahr der eigentliche Abschluss der Winzersaison an.