WILDTIERE: Keine Igel am Rosenberg

Im Sommer ist das Projekt «Igel gesucht» in der Stadt angelaufen. Es zeigt sich: Es gibt Igel in der Stadt. Aber nicht unbedingt dort, wo man sie erwarten würde.

Elisabeth Reisp
Merken
Drucken
Teilen
Ein grosser Stadt-Igel, bereit für den Winterschlaf. (Bild: Stadtwildtiere.ch/Martin Goebel)

Ein grosser Stadt-Igel, bereit für den Winterschlaf. (Bild: Stadtwildtiere.ch/Martin Goebel)

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp

@tagblatt.ch

In Siedlungsgebieten ist der Platz für Wildtiere knapp. Die Vorstellungen der Menschen von schöner Natur decken sich allzu oft nicht mit den Bedürfnissen der Tiere. So sehen exotische Bäume und sattgrüne Rasen in den Gärten zwar hübsch aus, sie bieten aber keinen Lebensraum für heimische Wildtiere. Der schweizweit tätige Verein Stadtnatur will die Städterinnen und Städter deshalb auf die wilden Nachbarn aufmerksam machen und sie für den richtigen Umgang sensibilisieren. In diesem Jahr stand der Igel im Fokus von Stadtnatur.

Noch in den 1990er-Jahren lebten viele Igel in durchgrünten Wohnquartieren grösserer Schweizer Städte. Aktuelle Beobachtungen in Zürich lassen aber vermuten, dass die Population der kleinen Stacheltiere zurückgegangen ist.

Der Verein Stadtnatur wollte daher wissen, wie es um die Igelpopulation in der Stadt St. Gallen steht. Von Mai bis September wurde die Verbreitung der Igel untersucht. Dazu wurden insgesamt 189 Spurentunnels ausgelegt. Die Kartontunnels waren mit einem Köder sowie mit Farb- und Papierstreifen ausgerüstet. Wenn ein Igel auf der Suche nach dem Köder den Tunnel betrat, hat er Pfotenabdrücke auf dem Papier hinterlassen.

Viele Igel in St. Georgen und in der Innenstadt

In rund einem Fünftel der 189 ausgelegten Futtertunnel sind tatsächlich Abdrücke von Igeln gefunden worden. Vor allem in St. Georgen und in der Innenstadt fühlen sich die Igel wohl. Die Auswertung der gesammelten Daten zeigt aber, dass in einigen Quartieren, in denen man die Igel ganz besonders erwartet hätte, keine oder verschwindend wenige Tiere nachgewiesen wurden. Am Rosenberg und im Schoren fehlt jeglicher Nachweis von einem Igelvorkommen. In Rotmonten und im Gebiet Achslen/Wilen sind nur ein paar wenige Beobachtungen gemacht worden.

Gründe für das Fehlen der Igel sind unklar

«Wieso solche Lücken in der Auswertung der Igelgebiete vorkommen, ist bis jetzt noch nicht erklärt worden», sagt Sandra Gloor von der Geschäftsstelle des Vereins Stadtnatur. Allerdings sei dasselbe Phänomen auch bei der Igelsuche in Zürich oder in englischen Städten beobachtet worden. Mögliche Gründe sind bauliche Verdichtung und übermässig gepflegte Gärten, die zu wenig Verstecke für Igel bieten. Im nächsten Jahr will der Verein Stadtnatur daher vertieft untersuchen, weshalb die Tiere in gewissen Gebieten nicht vorkommen, sagt Gloor. Zeitgleich würden aber auch Gärten und Grünanlagen als Lebensraum für Igel aufgewertet werden.

Das Projekt «Igel gesucht» ist eine Aktion von Stadtwildtiere.ch. Auf dieser Beobachtungsplattform kann jeder eine Wildtierbeobachtung mit Angabe des genauen Ortes melden. Der Verein Stadtnatur wertet diese Daten fortlaufend aus.