«Wildpark wird nie ein Funpark»

Sanierte Steinbockfelsen, mehr Komfort für die Besucher und bald ein Informationszentrum – der Wildpark Peter und Paul verändert sich stark. Karl Müller, Präsident der Wildparkgesellschaft, äussert sich über Möglichkeiten und Grenzen.
Die Steinböcke sollen auch im renovierten Wildpark Peter und Paul ihre Ruhe geniessen können. (Bild: Urs Bucher)

Die Steinböcke sollen auch im renovierten Wildpark Peter und Paul ihre Ruhe geniessen können. (Bild: Urs Bucher)

Herr Müller, die öffentliche Hand hat sich mit knapp 40 Prozent an den Kosten der Wildpark-Renovation von 4,6 Millionen Franken beteiligt. Dennoch konnte die Wildparkgesellschaft eine ausgeglichene Rechnung präsentieren.

Karl Müller: Ideal war, die Renovation an zwei 100-Jahr-Jubiläen der Steinwildhaltung binden zu können: An die Tierbeschaffung aus dem Aostatal im Jahr 1906 und die erste erfolgreiche Aussetzung von Steinwild im Weisstannental 1911 mit gezüchteten Tieren aus unserem Wildpark. Das ergab enorme Aufmerksamkeit und die Bereitschaft breiter Kreise, für die Erneuerung der kulturhistorisch wertvollen Kunstfelsen und die weitere Steinwildhaltung im Wildpark erhebliche Mittel zu sprechen. Entsprechend flossen innerhalb von nur einem halben Jahr die erforderlichen Sponsorengelder.

Könnte das ein Grund dafür gewesen sein, dass nun auch ein Informationszentrum entsteht?

Müller: Davon gehe ich aus. Anlässlich der Präsentation der Broschüre, welche für die Information potenzieller Sponsoren verfasst worden war, äusserte Kurt Felix, der in der Nähe des Wildparks wohnt und Patronatsmitglied ist, den Wunsch für ein derartiges Zentrum. Nach der Bekanntgabe eines solchen Vorhabens im Tagblatt im Juni 2009 meldete sich prompt die in St. Gallen domizilierte «Ria & Arthur Dietschweiler Stiftung», die in erster Linie auf Projekte für Kinder und Jugendliche fokussiert ist. Nach der Vorlage eines pädagogischen Konzeptes erklärte sich der Stiftungsrat bereit, die Finanzierung zu übernehmen.

Das tönt nach klugem Management und könnte weitere Gelüste wecken. Tierparks sind sehr beliebt, wie der Walter Zoo oder das Connyland beweisen.

Müller: Tatsächlich werden Zoos und Tierparks immer häufiger zu Event-Zentren erweitert. Freizeitanlagen mit Tieren sind «in». Aber eine solche Entwicklung kommt für uns nicht in Frage. Wir sind und bleiben ein Wildpark. Er soll gemäss seinem Leitbild der Bevölkerung von Stadt und Agglomeration zur Beobachtung einheimischer Wildtiere in einem ruhigen Naherholungsgebiet dienen. Zudem soll er offen für Lehre und Forschung sein. Dem dient das Informationszentrum, das voraussichtlich Ende Mai eröffnet wird.

Was ist an Entwicklung sonst noch möglich, auch im Hinblick auf das 125jährige Bestehen des Wildparks im Jahr 2017?

Müller: Die Sanierung des Luchsgeheges und des Kirchlihauses sind an die Hand zu nehmen. Dann sind wir immer auch offen für die Ansiedlung neuer einheimischer Wildtierarten. Unser Park hat sich ja immer sehr sanft entwickelt. Am Anfang war es das Rotwild aus dem «Scheitlin'schen Hirscheinfang» an der St. Jakobstrasse, das 1892 in den neu erstellten Wildpark Peter und Paul «gezügelt» wurde. Dann kam ab 1906 das aus dem Reservat des italienischen Königs beschaffte Steinwild dazu und die erfolgreiche Aufzucht für deren Wiederansiedlung im Alpenraum. Bald darauf folgten Gemsen, Murmeltiere und Wildschweine. 1980 hielten der Luchs und 1998 die Waldkatzen in neu erstellten Gehegen Einzug. Gescheitert ist vor knapp 30 Jahren die Ansiedlung von Bären. Dies hätte bezüglich Bauten und Gehege sehr viel Fläche sowie enorme Mittel für deren Betreuung erfordert und zudem zu einer fast zooähnlichen Anlage geführt.

Die Ortsbürgergemeinde St. Gallen und Bauer Mösli wollen am Osteingang des Wildparks einen «Schauhof» einrichten. Geht das nicht in Richtung Funpark?

Müller: Nein. Das wäre eher eine erträgliche und sinnvolle Ergänzung. Beizufügen ist, dass uns durch die schmale Zufahrt und die Zahl der Autoparkplätze auch Grenzen gesetzt sind. Die beschränkte Parkfläche soll vielmehr zur Erweiterung von Gehegen und weiterer einheimischer Wildtierarten verwendet werden.

Wie haben die Besucher nun auf das verbesserte Angebot durch die Wildpark-Sanierung reagiert?

Müller: Die neuen Wege und Plätze werden rege benützt. Die Leute schätzen die Sitzplatz-Gelegenheiten und die Info-Stelen, verweilen somit länger vor den Gehegen. Gäste kommen zum Teil von weit her, und solche aus Deutschland staunen, dass sie freien Zugang haben.

Damit sind wir schon beim Thema Eintrittspreise.

Müller: Tatsächlich bekommen wir immer wieder mal zu hören: «Ihr müsst etwas verlangen.» Aber das wäre wohl kontraproduktiv, werden doch rund 75 Prozent des Budgets durch Gönnerbeiträge aus privaten Kreisen und Legaten bestritten. Zudem würde dies eine zusätzliche Infrastruktur erfordern, mehr Parkplätze und mehrere Kassahäuschen; immerhin führen sieben Fusswege zum Wildpark. Doch wir wollen dem einzigartigen Charakter der Anlage in naturnaher Umgebung, mit Weitblick auf den Bodensee und das Alpsteingebiet, Sorge tragen. Sie ist ein besonderes Schmuckstück im Grünen Ring.

Interview: Fredi Kurth

Karl Müller Wildpark-Präsident (Bild: Quelle)

Karl Müller Wildpark-Präsident (Bild: Quelle)

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