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WIENACHT-TOBEL: «Der Wolf ist ein Feigling»

Der Züchter Josef Eugster aus Wienacht-Tobel fand am Dienstag zwei Schafe totgebissen auf der Weide. Er ärgert sich. Denn es ist nicht das erste Mal, dass er Probleme mit Wölfen hat.
Franca Hess
Züchter Josef Eugster bringt seine Tiere aus Sorge nun nachts in den Stall. (Bild: Franca Hess (Wienacht-Tobel, 22. September 2016))

Züchter Josef Eugster bringt seine Tiere aus Sorge nun nachts in den Stall. (Bild: Franca Hess (Wienacht-Tobel, 22. September 2016))

WIENACHT-TOBEL. Der Wolf treibt sein Unwesen in der Ostschweiz. Zweimal hat er in dieser Woche schon zugeschlagen. In der Nacht auf Montag fiel ihm ein Schaf in Oberuzwil zum Opfer. In der Nacht darauf wurden in Wienacht-Tobel zwei Schafe gerissen – ebenfalls von einem Wolf. Der betroffene Tierzüchter Josef Eugster aus Wienacht-Tobel ist verärgert. Zwar gehörten die beiden Schafe, die der Wolf getötet hat, nicht ihm, er hatte sie aber gehütet. Denn der Besitzer, ein Kollege von Eugster, weilt zurzeit in den Ferien. «Der Wolf ist ein Feigling», sagt Eugster. «Beisst die Schafe tot und verschwindet danach wieder.»

Hälfte des Beins fehlte
Noch am Montagabend hat Eugster eine Kontrolle gemacht und die Schafe gezählt. «Am nächsten Morgen hat ein Nachbar aber bemerkt, dass sich die Herde seltsam verhält.» Er alarmierte daraufhin Eugster, der dann zwei Schafe tot auf der Wiese fand. «Ich habe sofort die Polizei angerufen», sagt der Züchter. Darauf folgte der klare Befund des Ausserrhoder Wildhüters: Wolfsriss. Eugster glaubt den «Täter» zu kennen: «Ich bin mir zu 90 Prozent sicher, dass es der gleiche Wolf war wie in Oberuzwil.» Denn ein Tier könne auf Wanderschaft innerhalb eines Tages weite Strecken zurücklegen. Gewissheit bringe aber erst der DNA-Test der Bissstellen.

«Bei einem der toten Schafe hat die Hälfte des Beins gefehlt», sagt Eugster. «Der Wolf ist ein hinterlistiger Fötzel», bricht es aus ihm heraus. Das Raubtier gehöre nicht in diese dichtbesiedelte Gegend. «Hier hat es keinen Platz für den Wolf.»

Besonders viel Pech
Eugsters Ärger richtet sich aber auch gegen die Behörden. «Der Wolf steht hier unter Schutz, es wird viel Geld dafür ausgegeben, ihn hierzulande zu erhalten», sagt er. Mit den Mitteln solle aber lieber anderen Tieren geholfen werden, die für weniger Ärger sorgten. «Der Feldhase zum Beispiel ist ebenfalls bedroht, stirbt hier sogar aus. Doch das interessiert niemanden.» Zwar erhielten Bauern für jedes gerissene Schaf vom Staat einen Schadensersatz, sagt Eugster. «Dieser kann mir als Züchter aber weder das tote Tier noch dessen Zuchteigenschaften ersetzen.»

Josef Eugster hat dieses Jahr besonders viel Pech. Es ist nicht das erste Mal, dass ihm der Wolf Probleme macht. In den Bündner Alpen haben Wölfe ihn und seine Kollegen bereits um über zehn Schafe gebracht. «Und das trotz Schutzhunden und weiterer Vorsichtsmassnahmen», betont er. Persönlich habe er aber keine Angst vor dem Wolf. Um seine Ziegen und Schafe mache er sich aber Sorgen. «Von jetzt an bringe ich sie jede Nacht in den Stall – auch hier in Wienacht-Tobel.»

Kein Grund, sich zu fürchten

Die Einwohner von Wienacht-Tobel sehen den Besuch vom Wolf gelassen, wie auf der Strasse zu erfahren ist. «Das ist eben die Natur», sagt Clara Hengartner. Sie war an diesem Morgen schon früh, als es noch dunkel war, im Dorf unterwegs. «Gefürchtet habe ich mich nicht – der Wolf greift ja schliesslich keine Menschen an.»

Eine andere Dorfbewohnerin sagt: «Auf diese Art ein Schaf zu verlieren, ist natürlich eine unschöne Situation. Wölfe sind aber trotzdem schützenswert.» Und der Jäger Franz Eugster, der in der Nähe des Bahnhofs Wienacht-Tobel wohnt, beruhigt: «Solange wir es hier nicht mit einem Bären zu tun haben, besteht kein Grund zur Angst.»

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