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WIENACHT-TOBEL: Der Schandfleck der Bergbahn

An der Station der Rorschach-Heiden-Bergbahn steht das alte Bahnhofsgebäude. Die Gemeinde wollte es kaufen, was sich nach Jahren der Verhandlungen zerschlug. Jetzt gibt es einen neuen Interessenten.
Monika Egli
Auf allen Seiten des Bahnhofsgebäudes in Wienacht-Tobel blättert die Farbe ab, sind Fenster, Türen und Läden marod. Der Wartesaal, wo kein Licht mehr brennt, ist ähnlich heruntergekommen. (Bilder: Monika Egli)

Auf allen Seiten des Bahnhofsgebäudes in Wienacht-Tobel blättert die Farbe ab, sind Fenster, Türen und Läden marod. Der Wartesaal, wo kein Licht mehr brennt, ist ähnlich heruntergekommen. (Bilder: Monika Egli)

Monika Egli

monika.egli@appenzellerzeitung.ch

Rolf Junkert ist kein Wutbürger, aber ein sehr verärgerter Einwohner von Wienacht-Tobel. «In die Durchmesserlinie und den Bahnhof Teufen werden Millionen investiert, unseren Bahnhof aber lassen die Appenzeller Bahnen verlottern. Hier wurde ausser dem Allernötigsten schon seit Jahren kein Franken mehr in den Unterhalt gesteckt.»

Das Bahnhofsgebäude liegt oberhalb des als nationales Ortsbild geschützten Weilers Wienacht-Tobel. Hierher zieht es alljährlich Touristenströme an den bekannten Wienachtsmarkt. Auf der Strecke Rorschach-Heiden werden zudem unzählige Tagesausflügler transportiert; sie alle sehen beim Halt an der Station Wienacht-Tobel wahrlich keine Touristenattraktion.

Keine Einigkeit nach sieben Jahren

Das Bahnhofsgebäude selbst gehört zur kommunalen Ortsbildschutzzone. Veränderungen und Ersatzbauten müssen laut Denkmalpfleger Fredi Altherr Rücksicht auf die Umgebung nehmen. Zum Bahnhof Wienacht-Tobel sagt er, die Substanz sei gemäss einer Hausanalyse in sehr gutem Zustand, in Sachen Unterhalt bestehe aber Bedarf. «Hier sind Veränderungen erwünscht, sogar nötig.» Das sehen offensichtlich auch die Appenzeller Bahnen (AB) und die Gemeinde so, denn die AB bot der Gemeinde das Gebäude bereits 2010 zum Kauf an und diese zeigte sich sehr interessiert. Trotzdem wurden im Herbst 2017 die Verhandlungen erfolglos abgebrochen.

Der Lutzenberger Gemeindepräsident Werner Meier bestätigt das Interesse der Gemeinde am Haus. Es hätte nach gebührender Sanierung zu einem Begegnungsort für die Bevölkerung von Wienacht-Tobel werden sollen. Die Kaufs- und Verkaufsverhandlungen zogen sich jedoch hin. Nachdem schliesslich ein Konsens in Sachen Verkaufspreis gefunden worden war, ging es noch um Parkplätze und andere wichtige Details. Wie der Gemeindepräsident Werner Meier ausführt, «sah der Gemeinderat nach rund sieben Jahren Verhandlungen kein Vorwärtskommen mehr.» An der öffentlichen Versammlung Anfang November 2017 orientierte er die Einwohnerschaft über den Abbruch der Verhandlungen.

Ein Unterstand mit Informationssystem

Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen, die das Haus 2010 der Gemeinde zum Kauf anbot, sagt: «Wir bieten zu einem Verkauf des Bahnhofsgebäudes Wienacht-Tobel Hand.» Er bestätigt auch, dass das Haus instand gesetzt werden müsse, allerdings «ist für die AB der Bedarf eines solchen Bahnhofsgebäudes an jener Station nicht mehr gegeben». Die AB beabsichtigt laut Baumgartner, in Wienacht-Tobel für die Bahnpassagiere einen Unterstand mit Kunden-Informationssystem auf-zustellen. Zu den langjährigen, schliesslich erfolglosen Verhandlungen mit der Gemeinde Lutzenberg sagt er lediglich, dass er ein Projekt vorgelegen habe, welches aber nicht in die Umsetzungsphase kam. «Der Gemeinderat Lutzenberg hat den AB mitgeteilt, dass die Gemeinde das Gebäude nicht erwerben will.» Zurzeit seien Privatpersonen an der Liegenschaft interessiert. Allerdings wollen die AB vorgängig genau wissen, was mit dem Gebäude geschehe, da es ein Schutzobjekt sei und an die Bahnanlagen angrenze. «Es sind noch viele Fragen offen.» Zu den Gründen für den Abbruch der Verhandlungen wollen weder Baumgartner noch Meier etwas sagen.

An der Liegenschaft interessiert ist Robert Zellweger, der in der ehemaligen Post Wienacht-Tobel die Firma Hoewa betreibt. Im Bahnhofsgebäude will er im Erdgeschoss seine Geschäftsräume einrichten, die Wohnung darüber bliebe bestehen, die Mieterschaft könnte bleiben. Am Montag führte er zusammen mit einem Fachmann eine Hausbesichtigung durch, die zufriedenstellend ausfiel. «Das Gebäude hat zwar grossen Investitionsbedarf, aber die Substanz ist gut.» Die Absicht sei, den Charakter des an sich schönen Hauses zu erhalten. «Bis Ende 2018 wollen wir Kauf und Sanierung über die Bühne bringen», sagt Zellweger. Er will Nägel mit Köpfen machen und nicht unnötig Zeit verstreichen lassen. «Die AB wollen wissen, was aus dem Haus wird. Wir werden vom Denkmalschützer Fredi Altherr unterstützt und begleitet. Es gibt keine bessere Garantie, dass wir nichts verpfuschen werden.»

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