Wieder zur Künstlerin werden

BERNHARDZELL. Helga Lämmler-Lemperle stellt im «Wiborada» in Bernhardzell ihre Aquarelle, Bleistiftzeichnungen und Acrylbilder aus. Die Pensionärin hat nach einer vierjährigen Pause wieder mit dem Malen begonnen.

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Helga Lämmler-Lemperle vor einem ihrer Werke. (Bild: Davia Korte)

Helga Lämmler-Lemperle vor einem ihrer Werke. (Bild: Davia Korte)

Noch bis zum 15. Juli sind im Parterre des neu erbauten Alters- und Pflegeheims Wiborada in Bernhardzell Bilder von Helga Lämmler-Lemperle zu sehen. Die 69-Jährige, geboren und aufgewachsen in Baden-Württemberg, kam mit 19 Jahren als Haushaltshilfe in die Ostschweiz und gründete drei Jahre später eine Familie. Einer der beiden Söhne kam mit dem Down-Syndrom zur Welt, «und er förderte meine Kreativität ungemein. Die Erziehung eines behinderten Kindes erfordert sehr viel Kreativität», sagt Helga Lämmle-Lemperle und lacht.

Als Frau nicht ernst genommen

In den 1980-Jahren begann sie dann, meist auf Bestellung, Bleistiftzeichnungen von Häusern aus der Region anzufertigen. Als ihr der Bleistift nicht mehr ausreichte, begann Lämmler mit Aquarellen zu experimentieren. In einem Ferienkurs begegnete sie dann der Acrylmalerei. Während Jahren hatte die ehemalige Speditionsangestellte zusätzlich zu ihrer Arbeit ein Atelier, in dem sie auch Malkurse gab. Am Tag der offenen Tür habe sie sich jeweils mit anderen kreativ tätigen Frauen zusammengetan, erzählt Helga Lämmler-Lemperle. «Schliesslich müssen wir Frauen uns gegenseitig unterstützen, oft genug habe ich von Männern meiner Generation gehört, eine Frau könne nicht zeichnen», erzählt die Künstlerin, die unter anderen auch schon in der Berit-Klinik in Teufen ausgestellt hat. «Beim Rollerbladen bin ich umgefallen», sagt sie, «danach steckte man mich mit einem Gipskorsett ins Bett. Aus der Langeweile heraus wurde ich unglaublich kreativ», sagt Helga Lämmler-Lemperle.

Ein neuer Lebensabschnitt

Als sie vor vier Jahren pensioniert wurde, sei es um ihre Kreativität deutlich schlechter bestellt gewesen als heute. Sie habe sich erst einmal in der Rolle der Pensionärin zurechtfinden müssen, sagt Lämmler-Lemperle. Nun will sie sich ihrer alten Leidenschaft aber wieder voll und ganz widmen. Auf die kommende Ausstellung, für welche sie zum ersten Mal wieder gemalt habe, freue sie sich deshalb ganz besonders. (dk)

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