Wieder Reben beim «Rebstock»

Passend zum Namen und wie in historischer Zeit entsteht beim Hotel-Restaurant Rebstock wieder ein kleiner Rebberg. Die Eigentümerfamilie Schläpfer lässt ihn durch Winzer Christian Herzog vom Thaler Weingut Halde anlegen und pflegen.

Fritz Bichsel
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Eigentümer Hermann Schläpfer bei der Wiese westlich des «Rebstocks», auf welcher er einen kleinen Rebberg anlegen lässt neben der offenen Sommerterrasse des Restaurants, die verbreitert wird. (Bild: Fritz Bichsel)

Eigentümer Hermann Schläpfer bei der Wiese westlich des «Rebstocks», auf welcher er einen kleinen Rebberg anlegen lässt neben der offenen Sommerterrasse des Restaurants, die verbreitert wird. (Bild: Fritz Bichsel)

RORSCHACHERBERG. Statt «Sulzberg-Wy» wird es im «Rebstock» in einigen Jahren eigenen Wein von weissen Rivaner-Trauben geben. Als er sich entschloss, ergänzend zu einem Ausbau des Restaurants auch wieder einen Rebhang anzulegen, wusste Seniorchef Hermann Schläpfer allerdings noch nicht, dass der Rebberg am Sulzberg im Westen von Rorschacherberg aufgegeben wird (Tagblatt vom 5. Dezember) und damit ein Wein aus seinem Sortiment verschwindet.

Wie vor Jahrhunderten

Dass die Bezeichnungen Rebstock und Rebenstrasse im Gebiet an der Thalerstrasse im Ostteil von Rorschacherberg historische Wurzeln haben, weiss Hermann Schläpfer sicher, seit ihm Kaplan Arthur Kobler, der auch Historiker war, vor Jahren einen Plan vom Vorderen und Inneren Langmoos von 1674 brachte. Auf diesem sind Reben verzeichnet beim 1655 erstmals erwähnten Bauernhof mit der Wirtschaft Rebstock, beim Schlösschen Wiggen und oberhalb der Strasse, in Richtung Wartensee. Beim «Rebstock» verlief die Strasse – die einstige Verbindung von Rorschach ins Rheintal – damals noch nördlich der Gebäude.

Terrasse mit Blick auf Reben

Inzwischen entstanden in der Umgebung Wohnquartiere und die Schulanlage Klosterguet. Auch der «Rebstock» wuchs: In Etappen wurde aus der einstigen Bauernwirtschaft ein Speiserestaurant und ein Hotelbetrieb mit 57 Zimmern, 6 Studios und Seminarräumen. Jetzt lässt Familie Schläpfer, die den Betrieb seit 100 Jahren führt – nun in der dritten und vierten Generation – erneut ausbauen: Die Küche wird grösser und die offene Terrasse beim Restaurant breiter. In dieses Bauvorhaben bezog Hermann Schläpfer die seit Jahren gehegte Absicht ein, einen kleinen Rebberg anzulegen. Platz bietet der Grünstreifen bei der Terrasse, der westlich des Rebstocks blieb. Gegen die Pläne gingen keine Einsprachen ein.

400 Flaschen Weisswein

An diesem leicht nach Norden gerichteten Hang eigne sich die weisse Sorte Rivaner, sagt Winzer Christian Herzog vom Weingut Halde zwischen Thal und Staad, den Schläpfers mit dem Pflanzen und Bewirtschaften beauftragten. Diese Rebe, die früher Müller-Thurgau hiess, hat früh reife Trauben und wenig Säure. Nach der Pflanzung im kommenden Frühjahr erwartet Christian Herzog in drei Jahren erstmals etwas «Rebstock»-Wein und in sechs Jahren die erste Vollernte.

Das werden dann etwa 400 Flaschen. «Ein Geschäft wird das nicht», sagt Hermann Schläpfer, «aber etwas Schönes aus der langen Tradition unseres Hauses.» Der Rebhang wird exakt 399 Quadratmeter gross und dient nur für Eigengebrauch. Er liegt damit unterhalb der Grösse von 400 Quadratmetern, ab der Rebberge und auch die Sorten bewilligungspflichtig sind. Obwohl es eine kleine Anlage ist, freut sich Winzer Herzog sehr über die zusätzliche Fläche: «Ein neuer Rebberg und ein neuer Wein ist immer spannend.»

Weiterhin Rorschacherberger

In der Gemeinde gibt es einen weiteren Rebhang in dieser Grössenordnung, bei einem Privathaus im Gebiet Schönheim. Dort und beim «Rebstock» ist dafür gesorgt, dass es auch nach dem Verschwinden des Rebbergs Sulzberg Wein aus Rorschacherberg gibt. Diese Tropfen kommen aber nicht in den Handel.

Dieser Plan von 1674 zeigt, dass es beim heutigen Hotel-Restaurant Rebstock vor Jahrhunderten Reben hatte (unten, rot umrandet), ebenso beim Schlösschen Wiggen (oben) oder unterhalb von Wartensee. (Bild: Original: Stiftsarchiv St. Gallen)

Dieser Plan von 1674 zeigt, dass es beim heutigen Hotel-Restaurant Rebstock vor Jahrhunderten Reben hatte (unten, rot umrandet), ebenso beim Schlösschen Wiggen (oben) oder unterhalb von Wartensee. (Bild: Original: Stiftsarchiv St. Gallen)