Wie Partizipation funktioniert

ST.GALLEN. Das Gebiet nördlich des Hauptbahnhofs soll zusammen mit der Bevölkerung weiterentwickelt werden. Am «Tisch hinter den Gleisen» erläuterte FHS-Dozent Dani Fels, was es braucht, damit der partizipative Prozess funktionieren kann.

David Gadze
Drucken
Teilen
Die Bevölkerung soll bei der weiteren Entwicklung des Gebietes Hauptbahnhof Nord mitreden können. (Bild: Urs Jaudas)

Die Bevölkerung soll bei der weiteren Entwicklung des Gebietes Hauptbahnhof Nord mitreden können. (Bild: Urs Jaudas)

«Warum sind Sie hier?» Mit dieser Frage auf einem Schaubild begrüsste Dani Fels, Dozent am Kompetenzzentrum Soziale Räume der Fachhochschule St. Gallen, am Mittwochabend die knapp 25 Teilnehmer, die sich bei der Lokremise am «Tisch hinter den Gleisen» eingefunden hatten. Die Antwort darauf lieferten die Anwesenden am Treffen der «Bürgerbewegung» zum Gebiet Hauptbahnhof Nord quasi allein durch ihre Anwesenheit: die Angelegenheit interessiert und mobilisiert, und zwar über Quartiergrenzen hinaus.

Möglichkeiten und Grenzen

Das Thema war diesmal der partizipative Prozess, bei dem die Stadt zusammen mit der Bevölkerung Ideen und auch Lösungen für die Entwicklung des Gebiets Hauptbahnhof Nord suchen und finden will (Tagblatt vom 1. September). Doch was bedeutet Partizipation überhaupt? Welche Möglichkeiten bietet sie, wo sind ihre Grenzen? Und welche Voraussetzungen braucht es, damit sie erfolgreich sein kann? Diesen und anderen Fragen ging Dani Fels in einem Vortrag auf den Grund.

Die Stadt St. Gallen sei für einen partizipativen Prozess prädestiniert, hielt Fels fest. Schliesslich sei – anders als in vielen anderen Städten – die Mitwirkung der Bevölkerung in Belangen, die ein Quartier besonders betreffen, in der Gemeindeordnung verankert. Es reiche aber nicht, sie festzuschreiben, wenn sie nicht nach bestimmten Regeln gelebt werde.

Politischer Rückhalt als Basis

Eine wichtige Voraussetzung sei, dass das partizipative Verfahren politischen Rückhalt habe, sagte Fels. Damit würden die Ergebnisse für die Behörden verbindlicher. Deshalb sei es zu begrüssen, dass das Stadtparlament nächste Woche über einen Kredit für die Testplanung entscheiden müsse. Eine weitere Bedingung sei, dass im betreffenden Gebiet ein bestimmter Gestaltungsspielraum bestehe. «Die Planung muss beeinflussbar und im besten Fall ergebnisoffen sein», betonte Fels. Entwicklungen von Arealen seien dafür geeignet, komplexe Sachverhalte wie etwa die Verkehrsproblematik eher weniger. Ausserdem müsse der partizipative Prozess möglichst früh einsetzen, um ein möglichst grosses Interesse und Engagement der Bevölkerung zu erreichen. Damit diese an der Mitwirkung teilnehme, müsse die Stadt aktiv und auf verschiedenen Kanälen informieren, sagte Fels. In einem partizipativen Verfahren müssten aber auch die Grenzen klar definiert sein. Denn letztlich entscheide nicht die Bevölkerung, sondern meist die Behörde.

So interessant dieser theoretische Teil auch war, so spannend wäre es gewesen, anhand von Beispielen aus der Praxis zu sehen, wo und warum ähnliche partizipative Prozesse funktioniert beziehungsweise eben nicht funktioniert haben.

«Es gibt immer noch Chancen»

In der anschliessenden Diskussion bemängelte ein Teilnehmer, dass ein grosser Teil des Areals Hauptbahnhof Nord bereits neu bebaut worden sei und es kaum noch Platz für partizipative Entwicklungen gebe. Dani Fels widersprach: «Es gibt hier immer noch Chancen.»