Wie Partizipation funktionieren soll

ST.GALLEN. Die Stadt will das Gebiet Hauptbahnhof Nord in einem partizipativen Prozess mit verschiedenen Kreisen weiterentwickeln. Auch die Bevölkerung wird auf verschiedene Arten eingebunden und kann ihre Wünsche deponieren. Ihrer Mitwirkung sind jedoch Grenzen gesetzt.

David Gadze
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Bei der Entwicklung des Areals Hauptbahnhof Nord geht es um die Häuserzeile zwischen der Lokremise und der Fachhochschule. Aber nicht nur. (Bild: Reto Martin/Archiv)

Bei der Entwicklung des Areals Hauptbahnhof Nord geht es um die Häuserzeile zwischen der Lokremise und der Fachhochschule. Aber nicht nur. (Bild: Reto Martin/Archiv)

Gemeinsam zum Ziel: Unter diesem Motto soll das Areal Hauptbahnhof Nord entwickelt werden. Vor einem Monat sagte das Stadtparlament Ja zu einem Kredit von 460 000 Franken für eine Testplanung. In der Debatte kam von der SVP der Vorwurf, man müsse nicht fast eine halbe Million «zum Fenster raus werfen», um sich über die Gestaltung einer Häuserzeile Gedanken zu machen. «Es handelt sich um weit mehr. Das Ziel ist, in einem breit abgestützten Prozess die städtebaulichen und nutzungsmässigen Rahmenbedingungen für die Entwicklung und die Aufwertung des ganzen Gebietes zu klären», sagt Florian Kessler, Leiter des Stadtplanungsamtes.

In drei Schritten ans Ziel

Mit besagter Häuserzeile sind die Liegenschaften an der Lagerstrasse vom Spanischen Klubhaus bis zur Fachhochschule gemeint. Sie gehören der Stadt und sollen einer neuen Überbauung weichen. Bei der Testplanung geht es aber auch um die anderen nicht fertig entwickelten Flächen wie den Parkplatz vor der Lokremise oder den Hinterhof des Hauses Montana.

Die Stadt strebt ein partizipatives Verfahren an, in das auch die Öffentlichkeit eingebunden wird. Dieses ist in drei Schritte unterteilt. In der ersten Phase, die bereits begonnen hat, finden Gespräche zwischen dem Stadtplanungsamt und Grundeigentümern statt. Ausserdem erarbeitet die Fachhochschule St. Gallen eine Sozialraumanalyse, für die diesen Sommer Anwohner, Arbeitnehmer und Passanten befragt wurden. In den nächsten Wochen wird ausserdem ein Online-Fragebogen aufgeschaltet, in welchem jedermann die heutige Situation beurteilen und seine Anliegen einbringen kann.

Mitmachen, nicht entscheiden

Die Phase zwei ist in verschiedene Schritte aufgeteilt. Den Auftakt bildet im Frühling 2016 ein öffentlicher Anlass, das sogenannte «World-Café», zu dem alle interessierten oder betroffenen Personen eingeladen sind – Anwohner, Grundeigentümer, Fachverbände wie der Heimatschutz, Gruppierungen wie der «Tisch hinter den Gleisen» oder «jeder, der sich engagieren möchte», wie Kessler sagt. Die Verantwortlichen rechnen mit bis zu 300 Teilnehmern. In Gruppen von jeweils zehn Personen sollen anhand von konkreten Fragen Bedürfnisse und Vorstellungen diskutiert und so Entwicklungsansätze für das Areal erarbeitet werden. Kessler betont jedoch, dass sich die Mitwirkung auf aktives Einbringen von Interessen und die Teilnahme am Prozess beschränkt. «Die Entscheidungen über die Entwicklung des Areals verbleiben bei den zuständigen Organen, dem Stadtrat, dem Parlament sowie den Grundeigentümern.»

Zum Zeitpunkt des Starts seien die Lösungen des Planungsprozesses noch ergebnisoffen, sagt Kessler. Das Areal habe aber «gewisse Qualitäten», aufgrund derer einige Nutzungen zweckmässiger seien als andere. Projektleiterin Daniella Nüssli hält fest, dass die «publikumsorientierte Nutzung der Erdgeschosse» zentral sei. Diese könne jedoch nicht beliebig sein: «Für das Gesicht und die Gestalt des gesamten Gebietes von der St. Leonhard-Strasse bis zum Hauptbahnhof ist das Zusammenspiel der Erdgeschoss-Funktionen mit dem Aussenraum von entscheidender Bedeutung.»

Testplanung mit vier Teams

Nach einem sogenannten Planungshearing mit Direktbetroffenen – also unter Ausschluss der Öffentlichkeit –, bei dem die Ergebnisse der Phase eins analysiert werden, beginnt die eigentliche Testplanung. Vier Teams werden damit beauftragt, konkrete Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Dabei findet ein Austausch unter anderem mit einer Fachjury sowie mit Vertretern von Stadt und Kanton statt.

Nach einer Bewertung der Ergebnisse durch die Direktbetroffenen ist ein zweites «World-Café» geplant, in welchem die verschiedenen Vorschläge aus der Testplanung wiederum mit der Öffentlichkeit diskutiert werden sollen.

Umsetzung ab 2017

In der dritten Phase, ab 2017, findet schliesslich die Umsetzung statt. Die Stadt plant, voraussichtlich als erstes die Häuserzeile zwischen dem Klubhaus und der FHS zu «entwickeln». Bis dann sollen auch die Rahmenbedingungen für die Zukunft der übrigen Flächen geklärt sein.