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Wie im Espel die Natur erwacht

GOSSAU. Das Naturschutzgebiet Espel in Gossau ist das Zuhause von zahlreichen Tieren, Insekten und Pflanzen. An warmen Frühlingstagen lassen sich diese besonders gut beobachten. Etwa wenn sich die jungen Ringelnattern sonnen.
Nina Rudnicki
Geduld ist Voraussetzung für gelungene Tier-Fotografien: Markus Zehnder auf Motivsuche. (Bilder: Urs Bucher)

Geduld ist Voraussetzung für gelungene Tier-Fotografien: Markus Zehnder auf Motivsuche. (Bilder: Urs Bucher)

Für das perfekte Foto kniet sich Markus Zehnder schon mal ins feuchte Gras. Dann hält er seine Kamera so lange dicht über die Wasseroberfläche, bis ein Teichfrosch auftaucht. Oder er harrt in einem Gebüsch aus und wartet darauf, dass der Haselblattroller sein Ei in ein Blatt einwickelt. Wie es der kleine rote Käfer fertigbringe, ein am Baum hängendes Blatt zigarrenförmig zu rollen und gleichzeitig sein Ei darin abzulegen, finde er einfach bemerkenswert, sagt Zehnder. Es ist aber nur eine von zahlreichen Besonderheiten im Naturschutzgebiet Espel, die ihn faszinieren. Vier Jahre lang hat Zehnder hier fotografiert. Gegen 10 000 Bilder sind so zusammengekommen, von denen er einige an verschiedenen Anlässen als digitale Bildershow zeigt. Auch diesen Frühling ist er mit seiner Kamera unterwegs und hält fest, was dem unachtsamen Spaziergänger entgeht.

Aufgescheuchte Frösche

Geschätzte 300 auf 150 Meter ist der Espel gross. Es gibt drei Teiche, ein paar Tümpel, Schilf Gebüsch, Bäume, Kiesbänke. Bevor der Espel in den 1980er-Jahren zum Naturschutzgebiet wurde, war er Kiesgrube, dann Mülldeponie. Noch immer zieht sich eine rostrote Spur über die Gräser in einen der Teiche.

«Das Rinnsal kommt vom unterirdischen Lager», sagt Zehnder, aber gefährlich oder giftig sei das für die Natur nicht mehr. Die Werte würden kontrolliert. Ausserdem sei die Deponie mit ihren kleinen Zwischenräumen und den darüber angelegten Steinen der perfekte Ort für Ringelnattern, um zu überwintern. Als dann aber gleich drei junge Ringelnattern durchs Wasser schwimmen und sich im Schilf verstecken, ist Zehnder überrascht. «Es ist eigentlich zu früh für sie», sagt der 57-Jährige. «Aber es ist ein warmer Frühling. Die Natur scheint in diesem Jahr schneller zu erwachen.»

Zehnder nähert sich vorsichtig dem Ufer. Mit jedem Schritt scheucht er Teichfrösche auf, die mit einem Satz im Wasser verschwinden. Es gibt auch Gelbbauchunken, ein je nach Region gefährdeter Froschlurch. Wegen seiner lehmbraunen Rückenfarbe ist er so gut getarnt, dass man ihn von oben fast nicht erkennt . Zehnders Blick entgeht trotzdem nichts. Seine Augen sind geschult. Wo im ersten Moment nichts zu sehen ist, zeigt er auf Kaulquappen, kleine Fische, Eidechsen, Schmetterlinge, Larven und Insekten.

Ein Hotel für Bienen

Zehnder weiss nicht nur über alle Tiere Bescheid, auch die zahlreichen Pflanzen kennt er. Während er durch den Espel läuft, zeigt er auf den Wilden Schneeball, den Weissen Sumpfwurz, auf Knabenkräuter, Orchideen und den Schwarzdorn, ein Strauch der wegen seines Geschmacks vor allem bei Raupen beliebt ist. Genau wie bei den Wildbienen, für die es extra gebaute «Wildbienenhotels» gibt, die aus feinen Ästen und aus mit Lehm gefüllten Ziegelsteinen bestehen.

Es ist der perfekte Ort, um die Eier zu legen. Zehnder sagt: «Jetzt sieht man zwar noch nicht allzu viele Bienen, Insekten und vor allem Pflanzen. Aber in ein paar Wochen wird es überall blühen und die Gräser werden mindestens kniehoch sein.»

Ein Problem im Espel ist allerdings die fortschreitende Verwachsung vor allem mit Gehölzen. Deshalb wurden hier radikal Büsche entfernt und Bäume gefällt. Denn während das Gehölz für einige Tierarten einen Lebensraum biete, verdrängt es andere wiederum. «Der Zaunkönig etwa, ein Vogel, den man an seinem senkrecht in die Luft stehenden Schwanz erkennt, brütet in Nestern aus Holzhaufe und bevorzugt das Gestrüpp», sagt Zehnder. Wuchern die Büsche und Bäume zu stark und wächst das Schilf ungehindert, würden die Teiche verlanden und die hier ansässigen Tiere ihren Lebensraum verlieren.

Immer wieder überraschend

Zehnder hebt den Kopf. Es pfeift von einem der Baumwipfel. «Das ist der Zilpzalp. Benannt ist der Vogel nach seinem typischen Gesang.» Wer in den Espel kommt, braucht Geduld. Nur so bemerke er die vielen Tiere und könne gute Fotos schiessen, sagt Zehnder. Etwa in dem Moment, in dem sich Ringelnattern paaren. Oder wenn sie Frösche fressen oder die Frösche Libellen. Es gebe immer Überraschungen. Wie einmal, als ein Blässhuhn ein Zwergtaucher-Küken geschnappt und an seine Jungen verfüttert hat. «Dabei gelten Blässhühner eigentlich als Vegetarier.»

Naturschutzgebiet Espen: Reich auch an spannenden Amphibien. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Naturschutzgebiet Espen: Reich auch an spannenden Amphibien. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

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