«Wie eine grosse Familie»

Heute beginnt in der Altstadt die Saison für Schnäppchenjäger. Trotz der Konkurrenz aus dem Internet erfreuen sich Flohmärkte grosser Beliebtheit. Das habe mit der Tradition und dem besonderen Erlebnis zu tun, sagen zwei Organisatoren.

David Gadze
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Stöbern im Allerlei: Das Angebot lässt praktisch keine Wünsche offen. Auch das trägt zur Beliebtheit von Flohmärkten bei. (Archivbild: Urs Jaudas)

Stöbern im Allerlei: Das Angebot lässt praktisch keine Wünsche offen. Auch das trägt zur Beliebtheit von Flohmärkten bei. (Archivbild: Urs Jaudas)

Der Winter hält sich dieses Jahr besonders hartnäckig – doch der Frühling steht vor der Tür. Und jetzt kann wieder regelmässig in den Gassen der Altstadt nach besonderen Fundstücken und Schnäppchen gestöbert werden: Heute findet zum erstenmal in diesem Jahr der Flohmarkt St. Mangen statt, in einer Woche ist es auch am Gallusplatz so weit.

Flohmärkte immer beliebter

Seit 32 Jahren organisiert der Quartierverein St. Mangen den dortigen Flohmarkt. Trotz Onlineportalen wie Ricardo oder eBay haben die städtischen Flohmärkte nichts von ihrer Beliebtheit eingebüsst – im Gegenteil. «In der Anfangszeit hatten wir zwischen 25 und 30 Aussteller. Inzwischen sind es rund 100. Und es gibt immer wieder Junge, die nachkommen», sagt Quartiervereinspräsident Fredi Brändle. Die Zahl der Stände sei zwar in den letzten Jahren stagniert, aber man habe auch kaum Platz, um weiter zu wachsen.

Brändle führt verschiedene Gründe für die ungebrochene Anziehungskraft der Flohmärkte auf: «Sie haben eine Tradition, die viele Leute vermissen würden.» Er hebt auch die besondere Atmosphäre hervor. Ausserdem sei der Verkauf von Dingen im Internet komplexer und aufwendiger. «Sowohl den Besuchern als auch den Verkäufern gefällt es am Flohmarkt. Wir haben von beiden Seiten auch schon Anfragen erhalten, ihn in der Weihnachtszeit durchzuführen.» Ein Flohmarkt müsse jedoch etabliert sein, um heute bestehen zu können, sagt Brändle. «Er braucht einen gewissen Bekanntheitsgrad. Und man sollte die Leute kennen. Denn rund die Hälfte unserer Aussteller hat einen festen Platz. Wir sind wie eine grosse Familie.»

«Heute ist alles professioneller»

Es habe sich in den vergangenen Jahren jedoch auch einiges verändert. «Im Vergleich zu früher ist heute alles professioneller.» Sowohl Käufer als auch Verkäufer wüssten, was die Ware wert sei. Aus diesem Grund sei es schwieriger geworden, Trouvaillen zu finden. «Sehr seltene Dinge findet man heute kaum noch.» Das Angebot sei besser geworden, billiger Kram liesse sich eher nicht verkaufen. «Früher hatten wir auch mehr Kinder und Jugendliche.» Und die Organisation sei nicht zuletzt wegen der Zusammenarbeit mit der Gewerbepolizei nicht mehr so spontan wie früher.

Ähnlich tönt es auch aus der südlichen Altstadt, wo die Klosterviertelgesellschaft den Flohmarkt am Gallusplatz organisiert. Der Marktverantwortliche Georg Rüdiger sagt ebenfalls, dieser sei in den vergangenen Jahren aufgeblüht. «Im Internet verkauft man gewöhnlich einzelne Dinge. Am Flohmarkt hingegen kann man vieles auf einmal anbieten, vor allem auch kleine Sachen.»

Ungesuchtes finden

Ein wichtiger Bestandteil von Flohmärkten sei allein das Erlebnis, auf den Markt zu gehen, an den Ständen zu «nuuschen» und allenfalls etwas zu finden, wonach man gar nicht gesucht habe. Das Finden von Trouvaillen sei seiner Meinung nach nicht unbedingt schwieriger geworden, sagt Rüdiger. «Es gibt Profis, die bereits am Morgen da sind und die Stände nach Fundstücken absuchen. Aber das war schon früher so.»

Für den Flohmarkt am Gallusplatz sei die Neugestaltung der südlichen Altstadt ein Glücksfall gewesen, sagt Rüdiger. «Wir haben jetzt viel mehr Platz. Es konzentriert sich nicht alles auf den Gallusplatz, sondern dehnt sich in die benachbarten Gassen bis zum Grüningerplatz aus.» Dadurch sei der Flohmarkt «lebendiger», was sowohl bei den Besuchern als auch bei den Verkäufern sehr gut ankomme. Die Aussenbestuhlung der Restaurants würde das Ambiente zusätzlich auflockern. «Für uns wird es das erste Jahr seit der Neugestaltung, in dem wir keine Baustelle haben werden. Darauf freue ich mich besonders.»

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