Wichtige Hürde genommen

Das Resultat ist klar. Mit knapp 60 Prozent Ja-Stimmen ist die Vorlage fürs neue Naturmuseum angenommen worden. Befürchtungen, der Entscheid könnte dank des Nein-Komitees aus der rechten Ecke kippen, haben sich nicht bewahrheitet.

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Das Resultat ist klar. Mit knapp 60 Prozent Ja-Stimmen ist die Vorlage fürs neue Naturmuseum angenommen worden. Befürchtungen, der Entscheid könnte dank des Nein-Komitees aus der rechten Ecke kippen, haben sich nicht bewahrheitet. Das Stimmvolk ist trotz schwarzer Wolken am Finanzhimmel bereit, Geld für sinnvolle Investitionen in die Hand zu nehmen. Als Zentrum der Ostschweiz muss St. Gallen in seine Infrastruktur – auch in Kultur und Bildung – investieren. Mit Steuersenkungen allein kann man im Standortwettbewerb nicht bestehen. Auch wenn einzelne von Rechtsaussen das manchmal glauben machen wollen.

Das Ja zum neuen Naturmuseum ist Resultat einer ausgewogenen Vorlage. Ein zentraler Faktor war das mit 13 Millionen Franken sehr grosszügige Engagement der Spühl-Stiftung. Weiter mitgespielt hat sicher der gute Ruf des Museums sowie die Tatsache, dass mit dem Neubau etwas für Bildung, für Kinder und Jugendliche, für Familien getan wird. Und kein Nachteil war, dass es beim Projekt um Naturschutz geht, der heute in in Städten mehrheitsfähig ist.

Wer glaubt, mit dem gestrigen Ja sei die ganze Museumsstrategie der Stadt unter Dach und Fach, gibt sich aber einer Selbsttäuschung hin. Der nach dem Auszug des Naturmuseums im Stadtpark anstehende Ausbau für die Kunst dürfte Anlass für neue politische Kontroversen werden. Ob das fakultative Referendum ergriffen wird und das Volk dereinst über die Vorlage entscheidet, ist offen. Die Stadt tut aber so oder so gut daran, ab Planungsstart offen und umfassend zu kommunizieren. Eine sauglatte Abstimmungskampagne à la «Jaturmuseum» dürfte beim Kunstmuseum nicht reichen, tiefsitzende Vorurteile kurzfristig auszuräumen. Und das Kunstmuseum selber könnte mit der einen oder anderen Ausstellung demonstrieren, dass es sich tatsächlich als Institution für breite Schichten und nicht nur für einen kleinen Kreis Kunstinteressierter versteht. Gute Ansätze sind da. Es lohnt sich, sie rasch zu vertiefen.

Reto Voneschen

reto.voneschen@tagblatt.ch

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