WETTKAMPF: Von Glasgow nach Gossau

Vier Jugendliche aus Gossau und St. Gallen haben sich für die Weltmeisterschaften der United Dance Organisation qualifiziert. Die Konkurrenz ist gross: In Glasgow müssen sie sich gegen rund 40 Nationen beweisen.

Manuela Bruhin
Merken
Drucken
Teilen
Laura Denier, Linda Graber, Leonie Aengenheister und Robin Waldburger (von links) bilden zusammen die Tanzgruppe La Fam Crew. Sie blicken den Weltmeisterschaften im August gelassen entgegen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Laura Denier, Linda Graber, Leonie Aengenheister und Robin Waldburger (von links) bilden zusammen die Tanzgruppe La Fam Crew. Sie blicken den Weltmeisterschaften im August gelassen entgegen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Fröhliches Geplauder dringt aus dem Proberaum der Tanzschule Urban Dance World in St. Gallen. Kurz bevor das Training beginnt, sitzen die Tänzerinnen und Tänzer auf dem Parkett und tauschen sich über ihren Tag aus. Bis jemand sein Handy an die Musikanlage anschliesst und ein Lied durch den Raum dröhnt. Da sind alle sofort auf den Beinen und bewegen sich im Takt der Musik.

Der Trainer der La Fam Crew, Ricardo Martins Dias, ist stolz auf das, was seine Schützlinge an den Weltmeisterschaften vor zwei Wochen erreicht haben: «Ich hätte den 7. Platz im Vornherein nicht erwartet.» Der internationale Wettbewerb in Glasgow war nochmals ein ganz anderes Erlebnis als die deutsche Meisterschaft, an der sie sich für die Weltmeisterschaften qualifiziert hatten. Denn obwohl er selbst schon an grossen Wettkämpfen dabei war, war auch Ricardo Martins Dias überrascht von der Grösse der Veranstaltung mit Teilnehmern aus 34 Ländern.

Von St. Gallen über Saarbrücken nach Glasgow

Die Leidenschaft für Hip-Hop hat Linda Graber, Robin Waldburger, Leonie Aengenheister, Laura Denier und Alessandra Hitz zusammengeführt. In der Tanzschule lernten sie sich kennen, und seit rund zwei Jahren nehmen sie als La Fam Crew an Wettkämpfen teil. Über die Dreiländer-Meisterschaften haben sie sich für die Deutschen Meisterschaften in Saarbrücken qualifiziert. Mit ihrer Nummer erreichten sie dort den vierten Platz – und damit die Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Glasgow. Laura wurde gar zur Deutschen Meisterin gekürt, Robin belegte den dritten Platz. Momentan trainieren die Jugendlichen mehrmals pro Woche für die WM im August. «Realisiert habe ich es bis jetzt nicht, dass wir wirklich daran teilnehmen», sagt Laura Denier. Das Adrenalin steige aber ganz bestimmt kurz vor der Show. «Wenn die Musik angeht, sind wir in unserem Element», sind sich alle einig.

Für die Weltmeisterschaften wird die bereits bestehende Choreografie weiterentwickelt und optimiert. Dabei nehme man auch Inputs von aussen auf, verrät Martins Dias. «Zwei Choreografen haben die Show mit mir zusammen erstellt.» Individualität und Originalität sind gefragt – denn an der WM im August muss sich La Fam Crew gegen rund 40 Nationen beweisen. Sich von der Masse abzuheben, sei denn auch die grösste Herausforderung. «Der individuelle Charakter der Jugendlichen kommt bei der Show rüber – und das ist unser Vorteil.»

Liebe zum Tanzen statt Wettkampfgedanke

Auch wenn die Konkurrenz gross sei, Rivalität sei an solchen Wettkämpfen nicht spürbar. «Alle sind cool drauf», sagt Robin Waldburger. «Man trifft immer wieder bekannte Leute, und sie werden irgendwann zu Freunden.» Freunde, die sich zwar gegeneinander messen, sich jedoch gegenseitig anfeuern. Dieser Austausch sei es, der Hip-Hop erst zu dem gemacht hat, was er heute ist: «Die Liebe zu Tanz, Musik und Kultur, ein Blick hinter die Kulissen.»

Das Tanzen an sich zähle, und nicht der Wettkampf, sagt auch Leonie Aengenheister. «Das viele Trainieren lohnt sich», ist Linda Graber überzeugt. Das Ziel an den Weltmeisterschaften sei demnach auch nicht das Belegen der vorderen Ränge oder gar des ersten Platzes. «Uns geht es vielmehr um die Liebe zum Tanzen, und sich weiterzuentwickeln. Die Teilnahme stichelt uns an, noch besser zu werden.»