WETTERRÜCKBLICK: Altweibersommer

Der Oktober brachte der Region am See sonniges, mildes Herbstwetter und wenig Regen. Auch hier war die Oktobertemperatur 1,3 Grad zu warm.

Andreas Walker
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Der goldene Oktober brachte nicht nur farbige Bäume, sondern auch Regenbogen über dem Bodensee. (Bild: Andreas Walker)

Der goldene Oktober brachte nicht nur farbige Bäume, sondern auch Regenbogen über dem Bodensee. (Bild: Andreas Walker)

Andreas Walker

redaktionot@tagblatt.ch

Der Monat begann in der Region Rorschach nass. Während der ersten drei Oktobertage zogen mehrere Störungen aus Westen und Nordwesten über die Schweiz und brachten Niederschlag. Danach dehnte sich das Azorenhoch aus. Am 6. Oktober floss entlang der Ostflanke des Azorenhochs aus Nordwesten Polarluft in unser Land und auf der Alpennordseite fiel Schnee bis auf 1200 Meter hinab. Ein weiterer Polarluftvorstoss brachte am 8. und 9. Oktober auf der Alpennordseite oberhalb von 1400 Metern etwas Schnee. Vom 10. Oktober an schob sich ein kräftiges Hochdruckgebiet aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Mitteleuropa und läutete auch am Bodensee einen ungewöhnlich schönen Altweibersommer ein, der bis zum 19. Ok­tober andauerte. Dabei stiegen die Tagesmaximumtemperaturen auf 22 bis 25 Grad.

Mit dem Begriff «Altweibersommer» ist nicht etwa Sommerwetter für ältere Frauen gemeint. Mit «weiben» wurde im Altdeutschen das Knüpfen von Spinn­weben bezeichnet. An klaren Herbsttagen sind die Nächte schon ziemlich kühl, deshalb ist am Morgen der Tau an den Spinnweben sehr gut sichtbar. Diese seltsam glänzenden Spinnenfäden oder «Herbstfäden» erscheinen im Sonnenlicht wie lange, silbergraue Haare. Deshalb bezieht sich der Name Altweibersommer auf die in der Luft treibenden zarten Spinnfäden von Jungspinnen, die in der milden Herbstsonne glänzen.

Niederschlag im letzten Monatsdrittel

Am 20. und 21. Oktober floss milde und feuchte Luft aus Westen in unser Land. Dabei fiel verbreitet etwas Niederschlag. Ab dem 22. Oktober strömte kühle Luft aus Nordwesten in den Alpenraum und die Schneefallgrenze sank bis auf unter 1000 Meter. Vom 24. bis am 26. Oktober geriet auch unsere Region erneut in den Einflussbereich eines umfangreichen Hochdruckgebietes, was noch einmal für Wärme und viel Sonnenschein sorgte.

Am 27. Oktober verlagerte sich der Kern des Hochdruckgebiets zu den Britischen Inseln und über Nordosteuropa entwickelte sich ein kräftiges Tiefdruckgebiet. Dadurch wurde vom 27. bis am 29. Oktober aus Norden feuchte und zunehmend kühlere Luft in den Alpenraum gesteuert. Am 29. Oktober bewegten sich die Tageshöchstwerte auf der Alpennordseite bei regnerischer Witterung nur noch zwischen 9 und 12 Grad.

Im Bodenseegebiet war es an diesem Tag stürmisch, da das Gebiet von den Ausläufern eines Sturmtiefs tangiert wurde. Eine kräftige Höhenströmung sorgte dafür, dass in den Bergen Windspitzen zwischen 100 und 120 km/h, vereinzelt auch 150 bis knapp 160 km/h auftraten. Am 30. Oktober besserte sich das Wetter wieder. Der letzte Oktobertag war klar und kalt, so dass in tiefen Lagen bereits Bodenfrost auftrat. Mit dem vielen Sonnenschein stieg die Oktobertemperatur im landesweiten Mittel 1,3 Grad über die Norm 1981–2010. Am Bodensee betrug die durchschnittliche Oktobertemperatur 10,7 Grad und lag damit genau ein Grad über dem langjährigen Mittel.

151 Sonnenstunden am Bodensee

Regen war im vergangenen Oktober Mangelware. Vor allem auf der Alpensüdseite zeigte sich der Oktober extrem trocken. Im Flachland der Alpennordseite wurden ebenfalls unterdurchschnittliche Regensummen registriert. Am Bodensee betrug die Niederschlagsmenge 52 Liter pro Quadratmeter, was lediglich 74 Prozent des Durchschnitts entspricht.

Im Westen und Süden der Schweiz war es regional der sonnigste Oktober seit Messbeginn. In der ganzen Schweiz wurden deutlich überdurchschnittliche Werte der Sonnenscheindauer gemessen. In der Region am Bodensee schien die Sonne im Oktober 151 Stunden und erreichte damit satte 155 Prozent des langjährigen Mittels.

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