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WETTER: Oben blau, unten grau

Während der Herbst St. Gallen goldene Tage beschert, versinkt Rorschach im Nebelmeer. Nicht nur die Hafenstadt, die ganze die Seeregion ist ein Nebelloch. Wieso?
Andreas Walker
Eine dichte Nebeldecke liegt in diesen Tagen über der Region am See. (Bild: Andreas Walker, (Rorschacherberg, 15. Oktober 2017))

Eine dichte Nebeldecke liegt in diesen Tagen über der Region am See. (Bild: Andreas Walker, (Rorschacherberg, 15. Oktober 2017))

Andreas Walker

redaktionot@tagblatt.ch

Der Nebel tritt bei uns vor allem im Winterhalbjahr auf. In den Niederungen bringt er trübes Wetter, in den Bergen herrschen Sonne und klare Fernsicht. Nebel entsteht im Alpenraum meistens bei einer Bisenlage. Ein winterliches Hochdruckgebiet führt kalte Luft vom Festland aus nordöstlicher Richtung nach Mitteleuropa. In einer klaren, kalten Nacht fliesst die kältere und somit schwerere Luft nach unten ins Tal. Am frühen Morgen liegt in den Niederungen ein riesiger Kaltluftsee, worin die Feuchtigkeit kondensiert. So bildet sich eine geschlossene Nebeldecke. Sobald die Nebeldecke kompakt geworden ist, wird das Vordringen der Sonnenstrahlung bis zum Boden unmöglich, deshalb bleibt es kalt. Meteorologisch gesehen ist der Nebel jedoch nichts anderes als eine Wolke, die am Boden aufliegt. Denn was wir als Nebel wahrnehmen, ist in Wirklichkeit eine Ansammlung von Milliarden kleinster Wassertröpfchen, die so leicht sind, dass sie in der Luft schweben.

Das Nebelmeer ist ein Kaltluftsee

Paradoxerweise sind die Temperaturen unter dem winterlichen Nebelmeer oft viel kälter als darüber in den Bergen. Es entsteht eine Temperaturinversion. Das heisst, die Temperatur nimmt mit der Höhe nicht ab (wie das normalerweise der Fall ist), sondern zu. So kann in den Bergen warmes Wetter mit viel Sonne genossen werden, während es in den Niederungen grau und kalt ist. Die weisse Nebeldecke strahlt das Sonnenlicht fast gänzlich zurück und bewirkt, dass die am Boden liegende Kaltluft kaum erwärmt wird. Während lang andauernder Hochdrucklagen kann im Winter in solchen Situationen der Nebel wochenlang in den Niederungen trübes Wetter verursachen, während in den Bergen dauerhafter Sonnenschein vorherrscht. Die Schweiz bildet mit ihrem Relief gute Voraussetzungen für die Bildung von Nebel. Die vorhandene Feuchtigkeit, die in der Luft in klaren Nächten auskondensiert, lässt ein «Nebelmeer» entstehen, das sich als riesiger Kaltluftsee im Mittelland vom Genfersee bis zum Bodensee ausbreitet. In der Nähe von Gewässern ist die Luftfeuchtigkeit gross und die Nebelhäufigkeit noch höher. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass auch die Region Rorschach während der kalten Jahreszeit häufig im Nebel versinkt.

Hartnäckige Nebeldecke

Die Nebelobergrenze hängt direkt von der grossräumigen Druckverteilung und den da- mit verbundenen Strömungsverhältnissen in den unteren Luftschichten ab. Sind wir mehr oder weniger im Zentrum des Hochdruckgebiets, liegt die Nebelobergrenze bei etwa 700 Metern. Beginnt sich das Hoch abzubauen und kommt eine Südwestströmung auf, sinkt die Obergrenze meistens noch um 100 bis 200 Meter ab. Die hartnäckigste Nebeldecke entsteht bei einer Bisenlage, wenn wir uns auf der Vorderseite eines Hochdruckgebietes befinden. Je stärker die Bise weht, desto höher steigt die Nebelobergrenze an. Bei einer schwachen Bise pendelt sie sich meistens im Bereich von 800 bis 1200 Metern ein. Ist die Bise mässig bis stark, kann die Nebelobergrenze bereits auf 1500 Meter oder mehr ansteigen.

Prognosen zur Nebelobergrenze und der Auflösung des Nebels sind für die Meteorologen auch heute noch eine Herausforderung, da viele Details wie etwa der Luftmassenursprung, die Bodenfeuchte und die Stärke der Temperatur-Inversion berücksichtigt werden müssen.

Hinweis

Der Autor Andreas Walker ist Meteorologe und betreibt ein Meteobüro.

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