Wetten mit Gabriel und Luzifer

Die Laientheatergruppe Spielwitz feiert dieses Jahr ihr 25-Jahr-Jubiläum. Heute ist Premiere des Stücks «Lüüge, Tod und Tüüfel». Wie ein Probenbesuch zeigt, wird in diesem gelogen, dass sich die Balken biegen.

Karin Zimak
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Teuflische Unterhaltung mit dem Engel Gabriel, alias Edith Mühlmann, und dem gefallenen Engel Luzifer, alias Roman Ebneter. (Bild: Coralie Wenger)

Teuflische Unterhaltung mit dem Engel Gabriel, alias Edith Mühlmann, und dem gefallenen Engel Luzifer, alias Roman Ebneter. (Bild: Coralie Wenger)

MÖRSCHWIL. Im Gemeindezentrum in Mörschwil ist schon vor der Probe von «Lüüge, Tod und Tüüfel» einiges los. Während die Helfer noch die letzten Scheinwerfer zurechtrücken, huscht flüchtig ein Sensenmann über die Bühne. Dann tauchen auch noch der Engel Gabriel, in Gestalt einer Frau, und ein Teufel auf. Es wird ohne Frage eine teuflische Komödie, welche die Theatergruppe Spielwitz hier als Jubiläumsstück aufführt.

Mit Theater-Virus infiziert

Schon 25 Jahre wird in dieser Gruppe Laientheater gespielt, und Luzifer, alias Roman Ebneter aus Degersheim, ist schon von Anfang an dabei. Es sei damals vielleicht eine Schnapsidee gewesen, zu neunt diese Theatergruppe zu gründen, sagt er. «Wir haben das Ganze etwas unterschätzt und zuerst alles selber gemacht, die Festwirtschaft, die Plakate, die Regie und das Schauspielern.» Mittlerweile sei alles strukturierter, und man könne sich mehr auf das Spielen konzentrieren. Roman Ebneters Familie ist genauso wie er selbst «mit einem Theater-Virus infiziert». Der Vater des 52-Jährigen spielte früher auch mit, sein Bruder übernimmt die Regie, die Tochter schneidert die Kostüme und der Sohn steht ebenfalls auf der Bühne.

Auch der Engel Gabriel, alias Edith Mühlmann aus Wittenbach, ist seit 22 Jahren dabei. Obwohl sie zuvor nie Theater gespielt hatte, nahm sie nach einer Aufführung der Spielwitz-Truppe ein Anmeldeformular mit. Erst viel später traute sie sich, dieses auch abzuschicken. Seit dieser Zeit ist die 66-Jährige fester Bestandteil der Theatertruppe.

In Teufels Küche

Die Probe beginnt: Luzifer schmeckt das Essen in der Hölle nicht. Es ist zu scharf. Deshalb schleicht er sich regelmässig in die Himmelskantine, in der er auf Gabriel trifft. Luzifer erkennt den Engel zuerst gar nicht, da dieser in der Gestalt einer Frau auftritt. Gabriel findet aber, dass die Gestalt des Engels mehr zur Frau passt. Aber Luzifer hat ein ganz anderes Bild von den Frauen: Sie seien durchtrieben und unehrlich. Eine hitzige Debatte entbrennt, wer denn nun besser sei, Mann oder Frau. Der Engel lässt sich dann auf eine teuflische Wette mit Luzifer ein: Wer lügt mehr, Frauen oder Männer?

Dazu wird die Durchschnittsfamilie Fischer auf der Erde besucht. Und da wird gelogen. Herr und Frau Fischer gehen beide fremd. Und als eines Tages die Affären beider gleichzeitig zuhause aufkreuzen, ist im Hause Fischer buchstäblich der Teufel los. Mit dem Zählrahmen werden eifrig alle Lügen gezählt. Denn der Wetteinsatz ist hoch: Gewinnt der Teufel, sind die Seelen der Fischers seine. Verliert er, darf er sich nie wieder in der Himmelskantine blicken lassen. Wenn so viel auf dem Spiel steht, müssen Luzifer und Gabriel auch schon mal zu unlauteren Methoden greifen.

Kampf der Geschlechter

Nicht nur Luzifer und Gabriel können eifrig wetten. Auch die Zuschauer sollen in der Pause ihren Tip abgeben. Spitzfindig und unterhaltsam werden die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten der Geschlechter dargestellt. Und auch Kritiker der Stereotypisierung von Männern und Frauen kommen in dieser schweizerdeutschen Komödie auf ihre Kosten. Welches Geschlecht nun öfter flunkert, ist ab heute Abend im Gemeindezentrum Mörschwil zu sehen.