Westmusik bläst zum grossen Finale

Ein letztes Mal steht die St. Galler Westmusik morgen Samstag im Kirchgemeindehaus Lachen auf der Bühne. Nach dem Finale, das fulminant werden soll, fällt der Vorhang für immer: Der knapp 110jährige Musikverein löst sich nach dem Unterhaltungsabend auf. Es fehlen die Mitglieder.

Claudia Schmid
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Die Westmusik im Oberstufenzentrum Schönau bei einer ihrer letzten Proben vor dem Unterhaltungsabend und der Auflösung. (Bild: Ralph Ribi)

Die Westmusik im Oberstufenzentrum Schönau bei einer ihrer letzten Proben vor dem Unterhaltungsabend und der Auflösung. (Bild: Ralph Ribi)

Auf 13 ständige Mitglieder ist die Westmusik geschrumpft. Eine Zahl, die einen normalen Proben- und Auftrittsbetrieb kaum mehr ermöglicht. «Nur dank unseres Dirigenten Stefan Klieme gelang es uns in den letzten fünf Jahren, überhaupt noch spielfähig zu sein», erklärt Bruno Ledergerber, der im traditionellen Musikverein die Tuba bläst. Als professioneller Arrangeur habe Klieme es verstanden, der dezimierten Westmusik Stücke auf den Leib zu schreiben.

Viele Aushilfen im Boot

Doch auch mit den besonderen Arrangements war es für die Musikantinnen und Musikanten auf Dauer nicht mehr machbar, aus eigener Kraft die beiden alljährlich stattfindenden Konzerte zu bestreiten. Sowohl für das Neujahrskonzert als auch für den Unterhaltungsabend mussten viele Aushilfen gefunden werden. «Es wurde immer schwieriger und aufwendiger, für die beiden Daten Musikerinnen und Musiker mit den richtigen Instrumenten zu finden», bedauert Bruno Ledergerber. Schweren Herzens sei schliesslich im letzten Herbst der Entscheid gefallen, den Verein aufzulösen. Ihren Entschluss gab die Westmusik Anfang dieses Jahres nach dem Neujahrskonzert bekannt.

Verschworene Gemeinschaft

«Gerade weil wir so eine kleine Gruppe waren, ist aus der Westmusik eine verschworene Gemeinschaft geworden», sagt Ledergerber. Am Unterhaltungsabend würden deshalb mit Sicherheit die Emotionen hochgehen. «Bereits am Neujahrskonzert standen einzelnen Mitgliedern die Tränen in den Augen.» Trotzdem sei die Auflösung der richtige Entscheid gewesen. «Zusammen mit unserer Präsidentin Susanne Alfarè haben wir alles versucht, um wieder zu wachsen. Austritte hatten wir schon lange keine mehr zu verzeichnen, aber leider auch keine Eintritte.» Vielleicht habe es in der Stadt St. Gallen auch ganz einfach zu viele Musikvereine.

Wohin zieht es die Musiker?

Wo die Trompeten, Saxophone, Euphonien, Posaunen, die Klarinette, die Percussion und die Tuba der Westmusik künftig zu hören seien, stehe noch nicht fest, sagt Ledergerber. «Die einen wollen eine Pause einlegen, andere sich einem anderen Musikverein anschliessen.» Bestimmt gebe es Mitglieder, die ihrem Dirigenten Stefan Klieme zur Musikgesellschaft Konkordia Wittenbach folgten. Auch wenn den Mitgliedern der Westmusik nicht zum Jubeln ist, soll das Unterhaltungskonzert von morgen Samstag nicht zum «Trauermarsch» werden. «Wir wollen noch einmal unsere ganze Freude an der Musik und unseren Instrumenten zum Ausdruck bringen», betont der Tubist. «Für das grosse Finale haben wir die allerbesten Stücke von unseren Unterhaltungskonzerten ausgewählt.» Rund 30 Musikerinnen und Musiker, darunter viele Ehemalige der Westmusik, werden auf der Bühne stehen.

Das letzte Konzert

Das Konzert «The very best of Westmusik» von morgen Samstag findet unter der Leitung von Stefan Klieme im evangelischen Kirchgemeindehaus Lachen an der Burgstrasse statt. Die Saalöffnung ist um 19.30 Uhr, Konzertbeginn um 20 Uhr. Die Bar wird von Mitgliedern der Musikgesellschaft Konkordia Wittenbach geführt. Es wird in diesem Jahr kein Menu angeboten. Der Eintritt ist gratis.