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Westend-Wahrzeichen

Die 1887 eingeweihte neugotische Kirche St. Leonhard gilt als bemerkenswerter Bau, der einen städtebaulichen Akzent setzt. Ihre Geschichte ist wechselvoll.

Die neugotische Kirche St. Leonhard wurde 1887 nach zweijähriger Bauzeit als evangelische Gemeindekirche eingeweiht. Sie wurde westlich des Bahnhofs in den Fluchtpunkt der damals geradlinigen St. Leonhard-Strasse gestellt. Daraus erschliesst sich ihre städtebauliche Bedeutung: «Der Bau bildet den denkbar schönsten Abschluss der St. Leonhard-Strasse», heisst es in einer Gedenkschrift zur Einweihung.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die St. Leonhardsbrücke gebaut, die gleichnamige Strasse bekam einen Knick und führt seither nicht mehr direkt auf die Kirche zu. Gleichwohl blieb St. Leonhard Wahrzeichen und bildete zusammen mit den «Wolkenchrazer» genannten Backsteinhäusern nördlich der Kirche ein bemerkenswertes Ensemble.

Kirche für den Westen

Die Kirche St. Leonhard diente ab 1887 den Evangelischen für die im ganzen Westen von St. Gallen bis nach Gaiserwald ansässigen Kirchbürger. Sie löste eine kleinere Kirche ab, die aus dem 17. Jahrhundert stammte. Überhaupt ist der St. Leonhard Ort vielfältiger Geschichte: In der Reformation wurde ein Frauen-Klösterchen auf dem nahegelegenen Lustgartenhügel nach heftigem Widerstand aufgehoben.

Anfang des 20. Jahrhunderts verkleinerte sich das kirchliche Einzugsgebiet der Leonhardskirche aufgrund der Gründung der Kirchgemeinde Straubenzell St. Gallen West. 1931 fand eine Innenrenovation statt. Bis in die 1980er-Jahre gehörte der neugotische Bau von Architekt Ferdinand Wachter aber mit St. Laurenzen, St. Mangen und Linsebühl zum festen Ensemble der evangelischen Stadtkirchen.

Offene Kirche St. Leonhard

In den 1980er-Jahren begannen sich Veränderungen abzuzeichnen. Einerseits schrumpfte die Zahl der Kirchbürgerinnen und Kirchbürger. Anderseits hatte sich die Kirchgemeinde zur Renovation der Linsebühlkirche im Osten des Stadtkerns entschlossen – ebensolche Aufwendungen für die renovationsbedürftige Kirche St. Leonhard kamen damit kaum in Frage.

Daher wurde das Gotteshaus auf den 1. Januar 1995 geschlossen: Gottesdienste gab's dort keine mehr. Nach einem Time-out von knapp zwei Jahren wurde das ökumenische Projekt Offene Kirche St. Leonhard gestartet. Die Bänke wurden herausgenommen und die Offene Kirche nutzte den Kirchenraum als Veranstaltungsort. Es fanden interreligiöse Gottesdienste, aber auch Segnungsfeiern mit Tieren statt. Dazu kamen kulturelle Anlässe von Theater bis Musical und ein Mittagstisch.

Verkauf nach Inserat

Die Frage nach der Renovation der über hundertjährigen Kirche, die unter anderem mit Tuffsteinen aus Libingen im Toggenburg gebaut ist, blieb ungelöst. Aufgrund der Baufälligkeit wurde die Betriebsbewilligung durch die städtische Baupolizeikommission jeweils für ein Jahr erteilt. Ein Renovationsprojekt des Vereins Offene Kirche St. Leonhard blieb erfolglos.

Die Besitzerin, die Kirchgemeinde St. Gallen Centrum, schrieb im Herbst 2004 die Leonhardskirche zum Verkauf aus. Darauf meldeten sich mehrere Interessenten. Der Winterthurer Architekt Giovanni Cerfeda machte schliesslich das Rennen. Im April 2005 stimmten die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger dem Verkauf der Kirche für einen Betrag von 40 000 Franken zu. Der bauliche Zustand legte ein baldiges Renovationsprojekt nahe.

Die Offene Kirche blieb bis Ende 2006 in St. Leonhard und zügelte dann an einen neuen Ort. Seit Anfang 2007 wurde sie vom Verein Musical Company als «Kultkirche St. Leonhard» betrieben. Bis vor kurzem wurde das Musical Sister Act aufgeführt, auch 2008 waren Veranstaltungen geplant.

Daniel Klingenberg

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