Wertschätzung zeigen

Vorgestern hat die Stadt St. Gallen Preise an Kulturschaffende vergeben. Geehrt wurden damit Künstler, die sich mit innovativen Projekten bereits profiliert oder solche noch vorhaben.

Ruth Frischknecht
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Am Montagabend übergab Stadtpräsident Thomas Scheitlin im Palace die diesjährigen Kulturauszeichnungen – fünf Preise und sechs Werkbeiträge. «St. Gallen darf stolz sein auf sein reiches kulturelles Leben», sagte Scheitlin. Die Stadt habe eine lebendige und unverwechselbare Kulturszene. «Mit den Preisen und Beiträgen zeigen wir unsere Wertschätzung.»

Geschichte mit Frauenanteil

Das Archiv für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte Ostschweiz erhielt am Montagabend den mit 20 000 Franken dotierten Anerkennungspreis. Das Archiv setzt sich seit 30 Jahren für die Bewahrung, Aufarbeitung und Vermittlung der Geschichte von Frauen ein. «Das Archiv nimmt mit seiner Arbeit eine subversive Korrektur der Zeitgeschichtsschreibung vor», sagte Laudatorin Karin Bühler. Weil auch Vorträge, Ausstellungen und Lesungen stattfänden, sei der Ort mehr als ein Archiv.

Grenzen mühelos überschreiten

Vier Künstlerinnen und Künstler erhielten einen Förderungspreis. Dieser ist mit je 10 000 Franken dotiert und wird an Kulturschaffende verliehen, die bereits mit innovativen Projekten auf sich aufmerksam gemacht haben. Der städtische Beitrag soll ihnen helfen, ihre Projekte weiterzuentwickeln.

Der Schriftsteller Heinrich Kuhn erhielt einen der Preise für sein seit über 30 Jahren wachsendes und breitgefächertes Werk. Es umfasst unter anderem die Erzählung «Schatz und Muus» oder die Stadtgeschichten mit Maag und Minetti. Letztere sind diesen Herbst zum ersten Mal in Buchform erschienen. Ebenfalls mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet wurde Claudia Roemmel. Ihr gelinge es, in ihren Tanzstücken den Stadtraum zu erobern und so immer wieder neues Publikum für ihre Kunst zu gewinnen. Laudatorin Christine von Mentlen: «Claudia Roemmel überschreitet Genregrenzen mühelos. Es ist nicht möglich, sie nur in die Tanz-Schublade zu stecken.»

«Spielerisch und hintersinnig»

Andrea Vogel durfte einen Förderpreis entgegennehmen. «Der Trinkbrunnen an der Gatterstrasse ist – wie ihre anderen Werke – spielerisch, mehrdeutig, hintersinnig», lobte Norbert Möslang in seiner Laudatio. Der vierte Preis ging an Anita Zimmermann. Sie machte diesen Sommer mit dem «geilen Block» auf sich und auf die St. Galler Kunstszene aufmerksam. «Das Quartier Rotmonten erwacht, St. Gallen reibt sich die Augen, die Schweiz staunt», beschrieb Laudatorin Isabelle Chappuis die Wirkung des Projekts. Sie sei, darüber hinaus, eine wichtige Kulturvermittlerin.

Werkbeiträge an sechs Projekte

Vom Können eines der Empfänger der Werkbeiträge konnte sich das Publikum am Montagabend im Palace gleich selbst überzeugen. Der Sänger und Songwriter Stefan Ingold begleitete zusammen mit Thomas Sonderegger musikalisch durch den Abend. Ingold möchte mit dem Werkbeitrag von 10 000 Franken neue Methoden entwickeln, um Lieder zu schreiben.

Barbara Brülisauer erhielt einen Werkbeitrag für ihr Projekt «Biohack myself»: In einem Selbstversuch will sie Methoden zur Steigerung der Kreativität an eigenem Leib ausprobieren. Ein dritter Beitrag ging an Theo Cowley. Er möchte eine Video-installation mit Elementen der Commedia dell'Arte entwickeln.

10 000 Franken erhielt zudem das Tanzensemble «House of Pain» bestehend aus Jasmin Hauck, Cecilia Wretemark und David Schwindling. Die drei beschäftigen sich gegenwärtig mit dem Thema Religion und Gewalt. Marlies Pekarek erhielt einen Werkbeitrag, mit dem sie unter anderem ihr Projekt «Klosterladen» mit eigenen Madonna-Skulpturen erweitern will. Felix Stickel wiederum erhält den Beitrag für sein Projekt «Möglichkeitssinn». Der Künstler nutzt dafür Skizze, Bühne, Fotografie und die digitale Bildbearbeitung.