WERKSTATT: Von der Insel aufs Festland

Die Valida hat ein neues Beschäftigungsatelier im Lachenquartier bezogen. 24 Personen mit einer Beeinträchtigung sollen so ins Quartier integriert werden.

Pascal Thommen
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Im neuen Atelier der Valida an der Feldbachstrasse wird gesägt, gemalt und gebastelt. (Bild: Pascal Thommen)

Im neuen Atelier der Valida an der Feldbachstrasse wird gesägt, gemalt und gebastelt. (Bild: Pascal Thommen)

Pascal Thommen

pascal.thommen@tagblatt.ch

Seine liebste Beschäftigung ist das Sägen. «Jetzt habe ich mehr Platz, um mich auszubreiten», sagt Stefan Ziegler. Er ist einer von 24 Personen mit Beeinträchtigung, die sich im neuen Atelier an der Feldbachstrasse 11 kreativ ausleben. Mit dem neuen Arbeitsraum kann er sich wieder ganz auf seine Leidenschaft konzentrieren. «Jeden Tag komme ich mit dem Bus hin und werde am Nachmittag wieder nach Hause gebracht.»

Mit dem neuen Atelier im Lachenquartier wolle man die Menschen in die Wohnsiedlung integrieren, sagt Barbara Fontanellaz, Vorstandsmitglied der Valida. Sie sei sehr stolz, dass man den «Schritt nach vorne» gemacht habe. «Ziel ist es, dass die betreuten Personen ihr Leben im selben Masse leben können wie Menschen ohne Behinderung.» Das Atelier mache es möglich, dass sie nach ihren eigenen Vorstellungen kreativ arbeiten, hält sie fest. «Unsere Beschäftigten haben unterschiedliche Hintergründe», erklärt Jan Edelmann, Leiter des Ateliers. «Von Personen, die selbstständig wohnen, bis zu solchen, die in Wohnheimen zu Hause sind, ist alles dabei.» Allerdings bringt der neue Standort auch gewisse Herausforderungen mit sich. Die Personen, welche die Valida beschäftigt, hätten durch die Arbeit im neuen Atelier ihre bekannte Tagesstruktur verlassen und müssten etwa auch längere Anreisewege auf sich nehmen, sagt Edelmann. Trotzdem erlaube es der neue Standort, mit der Quartierbevölkerung in Kontakt zu kommen. Man habe sich quasi von einer Insel zum Festland bewegt, ergänzt Beda Meier, Direktor der Valida. Er sei überrascht, wie selbstständig die Menschen ihren Tagesablauf bewältigten.

Von Beschäftigten wird Leistung erwartet

Die Institution Valida besteht seit fast neunzig Jahren und begleitet Personen mit einer Beeinträchtigung. Mit dem neuen Atelier will man den Fokus auf die Kreativität und Beschäftigung der Betreuten setzen. Die anderen Standorte der Valida in der Stadt St. Gallen widmen sich vor allem der Herstellung von handgefertigten Produkten. Die Betreuten können frei entscheiden, wo sie sich einbringen. Trotzdem verlangen die Verantwortlichen von ihnen Leistung. «Solange man von jemandem etwas erwartet, wird diese Person auch wertgeschätzt», sagt Meier. Die hergestellten Produkte werden in eigenen Shops oder am Markt verkauft. Vom Erlös wird den Beschäftigten auch ein kleiner Lohn ausgezahlt.