Werkstatt für Hirnverletzte

Das Kompetenzzentrum für Menschen mit einer Hirnverletzung «Haus Selun» erweitert sein Angebot. Im alten Bahnhofsgebäude in Walenstadt hat es die Werkstätte «Movero» eröffnet.

Guido Städler
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Der Bahnhof Walenstadt beherbergt neu die Werkstätte «Movero» für Menschen mit einer Hirnverletzung. (Bild: Guido Städler)

Der Bahnhof Walenstadt beherbergt neu die Werkstätte «Movero» für Menschen mit einer Hirnverletzung. (Bild: Guido Städler)

WALENSTADT. Kürzlich ist ins alte Bahnhofsgebäudes in Walenstadt wieder Leben eingekehrt. In der Werkstatt im Erdgeschoss haben zwei Mitarbeiter ihre Tätigkeit aufgenommen; sie bearbeiten Holz. Auch im Textilatelier ging bereits die erste Person ans Werk. Sie wird, wie einige der anderen Mitarbeiter auch, vorerst Teilzeit arbeiten und ihre Leistungs- und Belastungsfähigkeit kontinuierlich ausbauen.

Im «Movero» arbeiten Menschen mit speziellen Bedürfnissen. Das Gebäude wurde umgenutzt als Werkstätte mit zwölf geschützten Arbeitsplätzen für Menschen mit einer Hirnverletzung, einer körperlichen Behinderung oder einer psychischen Beeinträchtigung. «Movero» ist ein Zweigbetrieb des Hauses Selun. Dies war die erste auf Langzeitrehabilitation von Hirnverletzten spezialisierte Institution der Schweiz.

Integration fördern

In Walenstadt gibt es nun drei zusammengehörende Institutionen: 2005 wurde das «Haus Selun» eröffnet, 2009 folgte das «Selun Art» und jetzt kommt «Movero» dazu. Im IT-Bereich und bei der Verpflegung der Klienten können so Synergien genutzt werden. Träger der Institutionen ist der Ostschweizer Verein zur Schaffung und zum Betrieb von Wohnmöglichkeiten für Körperbehinderte (OVWB). Dieser Verein betreibt für den nördlichen Teil des Kantons St. Gallen in der Stadt die zwei Zentren «Imbodehuus» und «Quimby Huus». Sie befinden sich wie das «Haus Selun» mitten in Wohnquartieren mit dem Ziel, die Integration zu fördern. «Movero» ist der Institutionsleiterin des Hauses Selun, Brigitta Buomberger, unterstellt. Bereichsleiter ist Stefan Bless, der ebenfalls im «Haus Selun» tätig ist. Im «Movero» konnten in der Betreuung 500 neue Stellenprozente für Fachpersonal geschaffen werden.

2,6 Millionen Franken Kosten

Der «Movero»-Umbau kostet gesamthaft 2,6 Millionen Franken. Die SBB als Gebäudebesitzer übernehmen für die Sanierung der Gebäudehülle und Heizung 460 000 Franken. Der Kanton St. Gallen, der das Konzept genehmigte, leistet an die anrechenbaren Kosten von 2,1 Millionen Franken den höchst möglichen Satz von 66,3 Prozent, also 1,3 Millionen Franken. Das verbleibende Drittel übernimmt der OVWB, der sich zum zweckgebundenen Betrieb auf 25 Jahre verpflichtete.

Pünktlich zum Jahresbeginn zeigt sich das über 100jährige Bahnhofsgebäude nun in seinem ganzen Charme. Die Bauabsperrungen sind entfernt. Der Blick auf das Geschehen frei. Besucherinnen und Besucher sind während der Geschäftszeiten willkommen. Dank der Kaffeemaschine lässt sich bestimmt auch die Wartezeit am Bahnhof angenehmer gestalten. Damit auch Frühaufsteher in den Genuss kommen, ist «Movero» auf freiwillige Helferinnen und Helfer angewiesen, die bereit sind, schon morgens um 6 Uhr die Türen zu öffnen und Gäste willkommen zu heissen.

Aufträge erwünscht

Während in der Werkstätte der Betrieb anläuft, wartet das Büro im ausgebauten Dachgeschoss noch auf Aufträge und Mitarbeiter. In den kommenden Tagen wird in der ehemaligen Schalterhalle zudem ein kleiner Verkaufsladen für Produkte aus den Institutionen «Movero» und «Haus Selun» eingerichtet.

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