Wer war Gallus wirklich?

Der Historiker und evangelische Theologe Max Schär korrigierte in der Erwachsenenbildung der katholischen Pfarrei weitverbreitete falsche Annahmen.

Peter Beerli
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GOLDACH. Man meint allgemein, Gallus schon von früher Jugend her zu kennen. Als «Glaubensbote und Wandermönch aus Irland» wurde er einst beschrieben. Das treffe nicht zu, erklärt Max Schär, der aktuell wohl fundierteste Gallus-Kenner. Er hat die Kolumbans- und Gallus-Viten studiert, kennt auch die archäologischen Forschungen und ist Verfasser eines Buches über den Namensgeber unseres Kantons. Als solcher hat Schär dieses Jahr weit über die Ostschweiz hinaus zahlreiche Vorträge gehalten. Zu seinem nächsten Thema hat sich Max Schär Othmar gewählt.

Nie richtig angekommen

Im Gegensatz zur Stadt St. Gallen mit ihrem vielfältigen historischen, kulturellen, ja kulinarischen Angebot ist das Jubiläumsjahr in der Region Rorschach nie richtig angekommen. Evangelische Kirchgemeinden der Region widmeten Gallus zwar eine Predigtreihe, in Mörschwil und am katholischen Kirchenfest von Thal sprach Max Schär über Gallus und am kommenden Dienstag, 13.15 Uhr, vermittelt er an der Pädagogischen Hochschule auf Mariaberg in Rorschach Informationen aus erster Hand.

Am Mittwochabend war Gallus auch Thema einer Veranstaltung der Erwachsenenbildung der Mauritiuspfarrei. Der Aufmarsch zu diesem von Pfarreirat Albert Frey eröffneten Anlass war bescheiden. Doch alle, die dabei waren, folgten den fundierten, immer wieder überraschenden Ausführungen, wollten in der Fragestunde noch mehr wissen und zeigten sich schliesslich dankbar dafür, so viel erfahren zu haben.

Eher aus dem Elsass

Die Tatsache, dass Gallus der alemannischen Sprache mächtig war, lasse vermuten, dass er nicht aus Irland, sondern aus dem Elsass stammt. Möglich ist, dass ein Elternteil irischer Abstammung war. Gallus hat zwar in der Gegend gepredigt, war aber kein Missionar im eigentlichen Sinne. Auch der Begriff Wandermönch, welcher an ein Vagabundenleben denken lässt, trifft auf ihn nicht zu. Er hatte zwar eine lange Reise hinter sich, bevor er für Jahrzehnte im Tal der Steinach die innere Heimat fand. Das war zur Zeit als auch anderswo Einsiedler ihre Zellen aufschlugen.

Betend und fastend

Gallus und seine Gefährten beteten Tag und Nacht stundenlang, lasen Texte aus den Psalmen, Evangelien und alttestamentlichen Schriften. Sie fasteten oft und wenn sie einmal täglich etwas zu sich nahmen, ernährten sie sich bescheidener, als es die zum Gallus-Jubiläum in St. Galler Restaurants angebotenen Spezialmenus ahnen lassen. Zum Speiseplan gehörten das tägliche Mehl-Mus und Gemüse. An Festtagen wurde Gästen auch Fisch serviert.

So intensiv Gallus die Stille lebte, so sehr zeigte er sich auch äusseren Ansprüchen offen. Das führte dazu, dass ihm das Bischofsamt von Konstanz angeboten wurde, dem er aber die Zurückgezogenheit vorzog.