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Wenn Streit Zufriedenheit bringt

Zügellose Wellen der Emotionen sollen sich durch Mediation wieder einpendeln. Mit der altbekannten Vermittlungsmethode werden Blockaden gelöst und Frieden gestiftet – im kleinen und grossen Rahmen.
Aurelia Winter
Kata Piroch Mediatorin, Rorschach (Bild: Aurelia Winter)

Kata Piroch Mediatorin, Rorschach (Bild: Aurelia Winter)

REGION. Der internationale Tag der Mediation rückt näher. Er ist für viele Organisationen und Einzelfirmen ein Auftakt, etwas im Rahmen der Mediation zu unternehmen. Am Samstag wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz Verschiedenes an die Hand genommen, um Mediation den Menschen näherzu- bringen. So haben sich die Mediatoren Kata Piroch, Rorschach, und Markus Grob, Goldach, entschieden, mit Hilfe der Medien das grundsätzliche Geheimnis der Mediation zu lüften: Was ist das überhaupt?

Vorbeugung mit Voraussetzung

Bei der Klärung dieser Frage fällt auf: Beide sind offensichtlich sehr belesen. Ständig tauchen Beispiele eskalierter Konflikte wie jener in Kolumbien auf, und auf grosse Namen wie Friedrich Glasl wird verwiesen. «Die Mediation ist eine Konflikt-Behandlungsmethode und aktive Brückenbau-Strategie. Es geht um Unterstützung bei der Lösungsfindung und Problembewältigung nach einem eskalierten Konflikt», sagt Piroch. Dringend sei es, als Mediator, sprich als Vermittler im Streit, bei jeglicher Aussage parteilos zu sein. Die Freiwilligkeit der sich anfeindenden Parteien ist eine weitere Voraussetzung. Eine nachhaltige Lösung kann nicht erzwungen werden, heisst es in der Mediation. Um zu einem guten Ergebnis zu kommen, muss in den Köpfen aller Parteien etwas ausgelöst werden. Dabei sind die emotionale Tiefe des Konflikts und die Kompromissbereitschaft der Beteiligten essenzielle Faktoren. Ein wesentliches Lernziel sei es, die Sichtweise des anderen zu verstehen und anzunehmen.

Die Klienten seien so unterschiedlich wie die Konfliktursachen. Oft gehe es in den Sitzungen um Ehestreit, Krisen am Arbeitsplatz oder die altbekannte «Kampfzone Garten». Oftmals sind zurückliegende Vorfälle von Bedeutung. «Die verborgenen Wurzeln eines Konflikts machen mich neugierig», sagt Grob. Piroch hingegen reizt die unvorhersehbare Zukunft eines Konflikts. Frieden gestiftet wird jedoch nicht nur zwischen Privatpersonen. Ganze Gruppen oder Länder holen sich Mediatoren zu Hilfe. So macht es die Schweiz als neutrales Land vor.

Lösung durch Kommunikation

«Mit dem da rede ich nicht mehr», hören Piroch und Grob häufig. Ein Dauerdilemma, das sie während der Arbeit begleitet. Genau in diesem Stadium eines Konflikts, wenn die Fronten verhärtet sind, werde eine aussenstehende Person benötigt, die den Dialog der Parteien wiederherstellt. Konflikt und Lösung gehören den Beteiligten.

Vertrauen und Transparenz der Parteien und des Mediators sind unumgänglich. Mediation sei die «menschliche» Variante des gerichtlichen Verfahrens und spart damit einen Haufen Geld und Enttäuschung, denn das Gericht kennt nur das «Win-Lose»-Konzept. Jemand mit emotionalen Verletzungen wünscht sich keine Entschädigungssumme, sondern die Befriedigung vernachlässigter Bedürfnisse. «Meist löst ein einfaches <Entschuldigung> viele Blockaden», sagt Grob. Beendet ist der Prozess, wenn die Beteiligten selbst den Sinn erkennen.

Ergänzende Symbiose

«Mediation hat mein Leben verändert», sagt Piroch. Insbesondere die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel habe ihren Horizont erweitert und löse eine endlose Persönlichkeitsentwicklung aus. «Zu sehen, wie bei einem Konflikt jeder als Gewinner ausgehen kann, erlebe ich als Bereicherung.» Eigene Erfahrungen bringt Piroch aus ihrer Heimat in Ungarn mit. Dort hat sie gelernt, dass es keine absolute Wahrheit gibt, sondern alles subjektiv erlebt wird. Seit gut einem halben Jahr arbeiten Piroch und Grob nun zusammen. Zweck dieses Coworkings sei der ergänzende Effekt im Austausch über Klienten. Positiv wirkt sich die Abdeckung beider Geschlechter und unterschiedlicher Kulturen auf die verstärkte Akzeptanz bei Klienten aus. Letzten Endes braucht aber ein jeder Konflikt das Gleiche: Zeit.

Markus Grob Mediator, Goldach (Bild: Aurelia Winter)

Markus Grob Mediator, Goldach (Bild: Aurelia Winter)

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