Wenn plötzlich viel mehr Leute im Stadion sind

ST.GALLEN. Am Samstag besuchten offiziell 13'157 Personen die Partie zwischen dem FC St.Gallen und den Berner Young Boys in der AFG Arena. Im Stadion sah es nach viel weniger Leuten aus. Wie kommt der Verein auf diese Zahlen?

René Rödiger
Merken
Drucken
Teilen
Marco Mathys scheitert an YB-Goalie Yvon Mvogo - und im Hintergrund sind kaum Zuschauer. (Bild: Urs Bucher)

Marco Mathys scheitert an YB-Goalie Yvon Mvogo - und im Hintergrund sind kaum Zuschauer. (Bild: Urs Bucher)

Viele Fussballfans haben sich am Samstag beim Spiel FC St.Gallen - Young Boys verwundert die Augen gerieben. Grund war nicht das Geschehen auf dem Rasen, sondern die Zahl 13'157. So viele Leute waren laut Stadionspeaker in der AFG Arena. Geschätzt hätten die meisten Besucher die Zahl aber eher auf zwischen 10'000 und 11'000.

Eine offizielle Richtlinie für die Berechnung der Zuschauerzahlen gibt es bei der Swiss Football League nicht. Philippe Guggisberg, Mediensprecher der Schweizer Fussball Liga, sagt: "Nach einer Umfrage bei den Klubs und verschiedenen Diskussionen wurden die Clubs im Sinne einer Vereinheitlichung von Seiten der Liga auf diese Saison hin gebeten, alle Saisonkartenbesitzer plus die verkauften Tickets als offizielle Zuschauerzahl anzugeben. Ob diese Besucher dann tatsächlich im Stadion sind, wird nicht ausgewiesen."

Treue FCSG-Fans
Der FC St.Gallen hat rund 9500 Saisonkartenbesitzer, die immer gezählt werden. Laut Daniel Last, Mediensprecher des FC St.Gallen, sind dies sehr treue Besucher: "Der Unterschied zwischen den offiziellen Zahlen, also inklusive abwesender Saisonkartenbesitzer, und unseren effektiven Besucherzahlen ist gering." Am Samstag waren nach interner Zählung des FCSG rund 10'500 Zuschauer im Stadion.

Laut Last hätte der FC St.Gallen kein Problem damit, wenn die Liga nur noch die effektiven Zahlen zählen würde. "Der technische Aufwand wäre für uns gering, wir berechnen die Zahlen jetzt schon."

Die Liga setzt bei den Zahlen denn auch auf Vertrauen. Kontrollen gibt es keine. "Dafür haben wir keine Kapazitäten. Es wäre viel zu aufwendig. Aber wir beobachten die Situation sehr genau", sagt Guggisberg. Auch Stichproben hat es bisher noch nie gegeben.

Es geht um viel Geld
Dabei geht es bei diesen Zahlen um viel Geld. 13,5 Millionen Franken werden aus den TV- und Marketing-Einnahmen auf die Clubs verteilt. Nebst der Sockelprämie (7 Millionen Franken) und der Ranglistenplatzierung (3 Millionen Franken) bekommen die Vereine eine "Entschädigung nach Werbewertigkeit" von 3,5 Millionen Franken.

Wie hoch diese genau für die einzelnen Clubs ausfällt, verrät Guggisberg nicht: "Das ändert sich auch jedes Jahr wieder." Die Faktoren für die Berechnung sind die Zuschauerzahl im Stadion und der TV-Index, also die Ermittlung der Zuschauerkontakte im Fernsehen.

Auch indirekt profitieren die Fussballclubs von hohen Zuschauerzahlen. Den Sponsoren kann für mehr Geld mehr Reichweite angeboten werden. Und nicht zuletzt ist es eine Frage des Prestige: Wie gross ist der Rückhalt in der Bevölkerung? So kann Druck auf die öffentliche Hand ausgeübt werden. Und nicht zuletzt profitiert die Swiss Football League bei Vertragsverhandlungen mit TV-Stationen und Sponsoren von vielen Zuschauern. Es liegt also im gegenseitigen Interesse, dass die offiziellen Zahlen möglichst hoch sind.