Wenn nichts mehr hält

Es geht beängstigend schnell um. Viele haben es, und trotzdem wissen wenig Bescheid darüber: Das Noro-Virus zwingt während der Wintermonate viele ins Bett und aufs WC. Wir zeigen die aktuelle Situation in der Seeregion.

Marco Kamber
Drucken
Durchfall und Erbrechen; ein Magen-Darm-Virus – oft das Noro-Virus – lässt alle Dämme brechen. (Bild: Marco Kamber)

Durchfall und Erbrechen; ein Magen-Darm-Virus – oft das Noro-Virus – lässt alle Dämme brechen. (Bild: Marco Kamber)

Region am see. Auf diese Woche haben sich die Schüler gefreut: strahlend blauer Himmel, weissgezuckerte Berge und beste Pistenverhältnisse. Und dann das: Die schöne Pracht kann nur vom Massenschlag-Fenster aus bestaunt werden. Toiletten müsste es fünfmal so viele haben; die Süssigkeiten, die vom Unterland mit in die Berge genommen wurden, bleiben unberührt. So etwa ist es der Oberstufe Goldach Ende Januar ergangen: Ein Magen-Darm-Virus, sehr wahrscheinlich das Noro-Virus, machte die Runde und zwang rund 60 von 70 Schülern ins Bett – beziehungsweise in grosser Regelmässigkeit aufs Klo.

Hochansteckend und verbreitet

Einst nannte man das Noro-Virus «Winter Vomiting Disease», zu Deutsch Winter-Brechkrankheit. Es ist mit geschätzten 400 000 bis 600 000 Infektionen pro Jahr in der Schweiz weit verbreitet. Zu den Symptomen gehören neben Durchfall und Erbrechen auch Magenschmerzen und vereinzelt Fieber. Eine Impfung dagegen gibt es nicht – so erfährt man von Bekannten auch immer und oft von Betroffenen. «Das Virus ist hoch- ansteckend», sagt Matthias Schlegel vom Fachbereich Infektiologie und Spitalhygiene des Kantonsspitals St. Gallen. Für eine Ansteckung brauche es gerade mal 10 bis 100 Viruspartikel – diese werden durch Kontakte sowie bei Erbrechen durch die Luft übertragen. Erbricht ein Patient neben einem, so ist eine Ansteckung durch Tröpfchen meist vorprogrammiert (die Aerosole sind Träger der Viren).

So ist vor allem in Gruppeninstitutionen hohe Vorsicht geboten, wenn das Virus einmal auftritt. «Wir sind laufend auf der Hut», so Schlegel. Dieses Jahr ist das Spital Rorschach jedoch noch verschont geblieben. «Die letzten Jahre hatten wir allerdings auch Probleme», sagt Schlegel. Kommt es zu einem Ausbruch, muss viel koordiniert werden. «Weil die Inkubationszeit nur etwa 24 Stunden beträgt», erklärt Schlegel, «erkranken oft mehrere Patienten und Mitarbeiter aufs Mal.»

Virus gibt viel Arbeit

Solche Ausbrüche sind für die betroffenen Abteilungen sehr aufwendig. Patienten müssen isoliert werden und neben der Händedesinfektion zusätzliche Massnahmen (Tragen von Schutzkleidung) getroffen werden. Je nach Situation werden sogar Aufnahmestops für Patienten verordnet. Das Noro-Virus trifft aber nicht nur Spitäler, sondern auch Gruppeneinrichtungen wie beispielsweise Altersheime. «Dieses Jahr haben wir aber Glück – die Rorschacher Altersheime hatten keine Noro-Virus-Epidemien», sagt der Rorschacher Stadtschreiber Bruno Seelos. Die Erkrankung dauert in der Regel zwar nur zwei bis drei (unangenehme) Tage. Doch für ältere und geschwächte Menschen kann es wegen des Flüssigkeitsverlusts zum lebensbedrohlichen Problem werden.

Was die schulischen Institutionen betrifft, ist bisher auch alles im grünen Bereich: «Klar gibt es einzelne Fälle», sagt Beatrice Heilig von der Schulleitung Pestalozzi. Zu einem grossflächigen Ausbruch sei es aber nicht gekommen. Gleich sieht es in Staad und Altenrhein aus: «Auch wir blieben bisher noch verschont», sagt Marco Hollenstein. Das Noro-Virus grassiert vor allem in den Wintermonaten. Seine Hochsaison feiert es jeweils zwischen Februar und März. Also: Holz angreifen und für Hygiene sorgen.