Wenn Lulu verführt und verwirrt

Lulu ist die schillerndste Figur, die Frank Wedekind je geschaffen hat. Sie ist unschuldig und gefährlich, kindlich und grausam. Sebastian Ryser hat zusammen mit Dominique Enz das Schauspiel «Lulu» inszeniert. Heute abend ist Premiere.

Seraina Manser
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Dominique Enz und Sebastian Ryser (sitzend) inszenieren das Schauspiel «Lulu». (Bild: Coralie Wenger)

Dominique Enz und Sebastian Ryser (sitzend) inszenieren das Schauspiel «Lulu». (Bild: Coralie Wenger)

Heute und morgen, jeweils 20.15 Uhr, stehen Vorstellungen von «Lulu – ein Spiel» in der Grabenhalle auf dem Programm. Das Theater mit Tanz wird von elf jungen St. Gallerinnen und St. Gallern zwischen 20 und 23 Jahren auf die Bühne gebracht und verspricht Unterhaltung auf hohem Niveau.

Junge Theatertruppe

Der Grossteil der Mitwirkenden bei «Lulu» besuchte in der Kantonsschule am Burggraben das Freifach Theater. «Der Besuch des Freifachs ist in der vierten Klasse nicht mehr möglich», sagt der 21jährige Sebastian Ryser. Und so gründete er kurzerhand die Theatergruppe «Die Spielbaren». Die Jugendlichen erarbeiteten selbständig das Stück «Jubiläum» von George Tabori und führten es im Winter 2009 auf. Nach der Matura veränderte sich vieles. Die meisten der Jugendlichen zogen nach Zürich und studieren mittlerweile Architektur, Politologie, Maschinenbau, Kunst oder Literaturwissenschaften. Doch die Lust, gemeinsam Theater zu machen, ist geblieben.

Aufstieg und Fall

Im Dezember 2010 kam Dominique Enz von einem dreimonatigen Aufenthalt in Paris zurück: «Ich traf mich mit Sebastian und wir wollten unbedingt wieder ein Theater auf die Beine stellen», erzählt sie. Auf der Suche nach einer interessanten Frauenfigur stiessen sie auf «Lulu» von Frank Wedekind. Sie haben das Stück mehrmals gelesen, es stark gekürzt und umgeschrieben. «Das grobe Gerüst behielten wir bei», sagt Sebastian Ryser, «ergänzten es aber mit eigenen Ideen.»

Sechs verschiedene Lulus

Lulu, die facettenreiche Frauenfigur, wird von sechs verschiedenen Schauspielerinnen (Dominique Enz, Corinna Haag, Franziska Ryser, Juliette Uzor, Myriam Uzor und Lisa Walder) verkörpert. In fünf Akten wird der Aufstieg und Fall von Lulu gezeigt. Fünf Männer aus allen gesellschaftlichen Schichten (Florentin Heuberger, Maurus Leuthold, Benjamin Ryser, Sebastian Ryser und Lorik Visoka) verfallen der jungen Femme fatale.

«Der Tanz war für uns auch sehr wichtig: Lulu spielt mit den Männern, sie verführt sie mit ihrem Körper. Durch die Art, wie sie sich eine Zigarette anzündet und wie sie sich das Haar zurückstreicht», sagt Dominique Enz. Aus diesen Bewegungsmustern hat sie verschiedene Choreographien entwickelt. Die Inszenierung bewegt sich an der Grenze zwischen Tanz und Schauspiel.

Termine und Räume

Im Februar 2012 begann die Truppe zu proben. «Das Schwierigste war, einen Proberaum zu finden», meint Dominique Enz. «Wir hatten ja kein Geld, um einen zu mieten.» Institutionen wie die Gessnerallee in Zürich oder das Figurentheater in St. Gallen stellten aber umsonst Proberäume zur Verfügung.

Der Probeplan war eine weitere Herausforderung. «Es war aufwendig und stressig, einen Termin zu finden, an dem niemand verhindert war», sagt Enz. Alle haben ausserordentlich viel Zeit für «Lulu» aufgewendet. «Das Studium haben wir ein wenig vernachlässigt», meint Sebastian Ryser und lacht. Das hat sich aber wohl gelohnt, wie der Probenbesuch zeigt: Lulu verführt, spielt, küsst, verwirrt, tötet und unterhält auf hohem Niveau.

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