Wenn kein Platz mehr frei wird

Das Schweizer Asylsystem ist immer schneller überfordert. Die schwindende politische Akzeptanz, die hohe Anerkennungsquote und der ausgetrocknete Wohnungsmarkt machen es schwierig, die Asylsuchenden unterzubringen.

Roger Braun
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Kaum Rotation: Weil viele Flüchtlinge keinen Job finden, verbleiben sie in ihren Wohnungen. (Bild: Urs Bucher)

Kaum Rotation: Weil viele Flüchtlinge keinen Job finden, verbleiben sie in ihren Wohnungen. (Bild: Urs Bucher)

Zahlreiche Kantone haben derzeit Mühe, die Asylsuchenden angemessen unterzubringen. Dies ist alles andere als ein Novum. Alle zwei, drei Jahre ist von Notstand die Rede. Bereits kleine Anstiege der Asylzahlen bringen die Behörden an den Anschlag, weil die Schwankungsreserven knapp bemessen sind.

Bürger gehen auf Barrikaden

In Krisensituationen die Zahl der Asylplätze hinaufzufahren, wird immer schwieriger, da der Widerstand der Bevölkerung stärker geworden ist. Weit entfernt die Zeiten, als der Kanton St. Gallen während der Kosovo-Krise die Zahl der kantonalen Asylunterkünfte gegen 20 hinaufschrauben konnte (heute sind es sechs) und die Opposition im Rahmen blieb. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Früher fiel es den Kantonen einfacher, Zentren zu schliessen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, und bei Notstand wieder neue zu eröffnen. Heute ist die Eröffnung eines Asylzentrums ein politischer Balanceakt. Umso weniger ist das Asylsystem in der Lage, auf Schwankungen – die unausweichlich auftreten – zu reagieren.

Anerkennungsquote steigt

Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr Asylsuchende in der Schweiz bleiben dürfen. Heute erhalten fast zwei von drei Asylsuchenden das Bleiberecht. Vor einigen Jahren war es noch jeder fünfte. Das hat auch Folgen für die Unterbringung. Zwar gibt es weniger Asylsuchende, die auf einen Entscheid warten. Gleichzeitig steigt die Zahl der anerkannten Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen. Der grosse Teil dieser Leute schafft es nicht, im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen und ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Sie verharren in der Sozialhilfe und verbleiben in den Sozialwohnungen. Der Platz für neue Asylsuchende wird eng.

Gesucht: Günstiger Wohnraum

Preiswerte Wohnungen sind zudem immer schwieriger zu finden. Ob Asylsuchender oder anerkannter Flüchtling, der Sozialhilfe bezieht: Die Gemeinde wird die Mietkosten nur dann übernehmen, wenn diese nicht eine gewisse Schwelle überschreiten. Fehlen solche Wohnungen, kommen die Gemeinden an den Anschlag. Die Gemeinde Uzwil oder Rickenbach zum Beispiel sind nicht mehr in der Lage, preisgünstigen Wohnraum für die Asylsuchenden zu finden. Sie nutzen aus diesem Grund Zivilschutzanlagen zur Unterbringung.

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 26. Juli.