Wenn Jung und Alt zusammen Ferien machen

Neue Kontakte knüpfen und sich über die Generationen hinaus austauschen – das ist das Ziel der Generationenferien. Die Veranstalter sind begeistert und erzählen von gelungenen Ferien.

Franca Hess
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«Das seien die schönsten Ferien gewesen, die er je hatte, sagte ein Jugendlicher auf der Rückreise zu seinem Vater», erzählt die Religionspädagogin Adriana Fässler. Diesen Sommer hat Adriana Fässler zusammen mit Anna Maria Frei die ersten Generationenferien der Katholischen Kirche der Region Rorschach geplant und durchgeführt. Die Idee dieser Ferien ist der Austausch und Kontakt zwischen den Generationen und Personen, die sich noch nicht kennen. «Heutzutage findet zwischen den Generationen wenig Austausch statt», sagt Fässler. Mit ihrem Projekt will sie eine Plattform für neue Kontakte schaffen. Sie selbst hat schon einige Male an solchen Ferien teilgenommen und konnte davon nur profitieren, wie sie erzählt.

Gemeinschaft entlastet Eltern

24 Personen im Alter von 4 bis 70 Jahren haben sich entschieden, sich auf das Experiment einzulassen. Zusammen verbrachten sie sechs Tage in einem Lagerhaus in Laax. Einziger Fixpunkt in dieser Woche war das Abendessen, ansonsten stand es jedem frei, das zu tun, wonach ihm oder ihr war. Wandern, Klettern im Seilpark, Riverraften, Fussball spielen oder Baden waren unter anderem Aktivitäten, die die Teilnehmer in Gruppen unternommen haben. Gerade die freie Auswahl nach Lust, Laune und Fähigkeit habe für gute Stimmung gesorgt. So entschieden sich manche Teilnehmer gegen das Wandern, fuhren aber mit dem Postauto zum Zielort der Wandergruppe. «Gerade Familien profitierten vom Zusammenhalt der Gruppe», sagt Fässler. Kinder können gemeinsam betreut werden, und die Ferien sind so eine grosse Entlastung für Eltern. Auch im Haushalt packten alle mit an. «Trotz dieser Mithilfe sollten sie aber auch Ferien machen können», erklärt Fässler. Deswegen habe sie zum Beispiel den Speiseplan schon vorbereitet. So musste niemand überlegen, was er kochen und einkaufen soll. Jeder konnte sich in dieser Woche mit seinen Fähigkeiten einbringen. So habe sich ein Teilnehmer, der von sich behauptet, nicht kochen zu können, anstelle des Kochens sofort als Grillmeister zur Verfügung gestellt.

Skiferien und neu auch Strandferien

Auch die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Rorschach kann nur Gutes von ihren Generationenferien berichten. Sie bieten schon mehrere Jahre Skiferien in Adelboden an, die sehr beliebt und deswegen schnell ausgebucht sind. Dort finde ein reger Austausch zwischen den Generationen statt, so die Veranstalter. «Jugendliche kümmern sich um die Kinder», sagt Pfarrerin Esther Marchlewitz, «und ältere Damen entdecken ihre Vorliebe fürs Vorlesen von Kinderbüchern.» Eltern könnten sich auch mit anderen Eltern darüber austauschen, was noch auf sie zukomme. Diesen Samstag fahren sie zum ersten Mal zusammen mit 43 Teilnehmern nach Rimini in ein Hotel am Strand.

«Der Vorteil von Generationenferien ist, dass Menschen einander begegnen können», sagt Patrick Marchlewitz. Dadurch bekomme man auch zu den Leuten in Kirchenämtern einen ganz anderen Bezug. «Die Kirchgemeinde lebt vom Kontakt untereinander.»